Mittwoch, 19. Mai 2021

Geschenk vom Regen

 

Nur mal so, weil alle sich über den Regen beschweren. So ein Regen hat ja auch eine Persönlichkeit. Der möchte gemocht werden. Nicht immer hören, er sei nicht in Ordnung. Weil entweder zu wenig oder zu viel, im falschen Monat oder falschen Moment (weil Menschen gerade keinen Schirm dabei haben). Der Regen, der sich nach Freundlichkeit sehnt, macht jetzt abends Ein-Minuten-Geschenke. Man darf die Anstrengung, die solch ein Zauber erfordert, nicht unterschätzen. Eine Minute ist da schon eine Leistung. Leider kriegt das kaum jemand mit. Der Himmel ist im Moment nicht der Ort, an dem man gern seine Augen ruhen lässt.

 

 

Es ist auch an der Zeit, meine tapfere Pfingstrose zu preisen (9 Knospen!). Jeden Tag kämpft sich das Innenleben einen Millimeter weiter heraus. Das Innenleben wird, wenn es einmal das Licht der Welt erblickt hat, eine rosagerüschte, umwerfend duftende Wolke sein. Meine Pfingstrose versteht etwas vom Aufbau emotionaler Spannung, von Verheißung und Versprechung. Seit Wochen schaue ich jeden Morgen nach, ob es schon so weit ist. Sie heißt übrigens Lady Alexandra. Sie ist mir in diesem Jahr, wo sie es so schwer hat, ans Herz gewachsen.

Das alles nur mal so, weil ich mich ab sofort nicht mehr über den Regen beschweren möchte.

 

Mittwoch, 12. Mai 2021

Frau Irgangs geheimer Garten

Grün. Sehr grün. Und nass. Noch nicht ausgeschlafen, die Bewohner. Ist halt keine Gärtnerin da oben, nur eine Dichterin.

Ich habe einen geheimen Garten. Kein Mensch, der von unten zu mir in den zweiten Stock hochschaut, ahnt, was hier oben los ist. Darüber bin ich sehr froh. Ich hatte bislang als Mieterin einen halbwegs guten Ruf, aber mein Garten würde den Ruf ruinieren, denn er entspricht in keiner Weise den unkrautbefreiten hoch ordentlichen Gärten meiner badischen Nachbarn. Da sind die Hecken gestutzt, die Rasen rasiert, jede Pflanze weiß, wo sie hingehört, und diese Pflanzen-Erziehung funktioniert vom Töpfchen an, was mich ratlos macht. Wir haben einen großen Steintrog am Hauseingang, den hat mein Vermieter kürzlich bepflanzt. Alle zwanzig Zentimeter eine Zwiebel. Da wird exakt strammgestanden! (Iris halt, mit denen kann er es machen. Sollte er mal bei Kapuzinerkresse probieren.)

Frau Irgangs Garten ist voll mit Kapuzinerkresse. Und Glockenblumen aller Arten, Duftwicken, Borretsch, Mohn, Moschusmalven, Ringelblumen, Nachtkerzen und Nachtviolen. Da gibt es - soll es geben, wird es geben - laut Samentüten wunderbare bienenfreundliche, schmetterlingsanziehende Sorten mit so schönen Namen wie Acker-Hundskamille, Sommer-Adonisröschen, Acker-Rittersporn, Strahlen-Breitsame, Saat-Wucherblume. Also, wuchern tun sie schon. Sonst aber tun sie vorerst nix.

Und deshalb bleiben (vorerst?) die Gäste aus, deretwegen die ganze grüne Veranstaltung doch stattfindet: die Haarstrang-Sandbiene zum Beispiel, die Gewöhnliche Löcherbiene, die Giersch-Sandbiene, die Zweizellige Sandbiene und die "lokal Blauschillernde Sandbiene", die ich gerne kennenlernen möchte. (Wie schillert man lokal?)

Meine Campanula Rotundifolia sieht aus, als habe sie sich die Haare gerauft (mag sie mich nicht? Ach, ach ...), und die Wilde Möhre hat einen Schopf, dem ein Friseurbesuch guttun würde. Die weiße Rose (okay, es gibt eine ältere Abteilung im Garten, die eher konventionell bestückt ist) wird von kleinen grünen Läusen aufgefressen, die Blüten der Bauernhortensie muss man mit der Lupe suchen, und die Pfingstrosen halten eisern ihre Blüten seit Wochen geschlossen. Alles ist nass. Und grün. Sehr grün. Grün soll ja heilsam und beruhigend sein. Ich hatte mir aber schon etwas Gefälligeres vorgestellt.

Ich streichle sie einzeln (ersetzt mir die Sitz-Meditation). Ich spreche mit ihnen, ich nenne sie: meine Süßen, meine Allerliebsten. Ein Wissenschaftler, ich glaube, von der University of Ohio, hat in Experimenten herausgefunden, dass Pflanzen, mit denen ihre Besitzer sprechen, gesünder sind und besser wachsen. Und wie sie wachsen, ich kann nicht klagen! Der Wiesensalbei kam an als fünf Zentimeter kleiner Zwerg und misst inzwischen vierzig Zentimeter. Was soll ich sagen: Er ist grün. Ich habe ihn ausgewählt, weil seine Blüte lila sein soll.

Mir macht aber etwas ganz anderes zu schaffen. Es gibt da diese hübschen paarweise aufgenommenen Fotos von Hunden und ihren Herrchen/Frauchen, die sich einander - wer da wem, ist nicht ganz klar - auf unheimliche Weise optisch angenähert haben. Ob das auch für Menschen und ihre Pflanzen gilt?
 


 
Zum Geburtstag schenkte mir eine Freundin einen Glücksklee mit der Bemerkung "Die werden so schön buschig". Ich hatte nach zwei Wochen einen Individualisten im Topf, aber vielleicht ist es auch ein Egoist. Wenn man von meinen Pflanzen und mir paarweise Fotos machen würde - in welchen Abgrund meiner selbst würde ich da blicken? All dies Unordentliche, Eigensinnige, so gar nicht Nett-Gefällige ... 

Ich bin wirklich froh, dass kein Mensch ahnt, dass ich hier oben einen Garten habe.

Donnerstag, 6. Mai 2021

Textile Skulpturen von Riitta Päiväläinen

 

Die Fotografin und Installations-Künstlerin Riitta Päiväläinen spürt in Kleidung aus Secondhandläden und von Flohmärkten den Spuren nach, die ihre früheren Besitzer in einer Stofffalte, einem dünn gescheuerten Ellenbogen, einem Flicken hinterlassen haben. Sie setzt diese Textilien der Natur aus, dem Wind und dem Wetter, und sie erwachen zu neuem, ganz eigenem Leben. Eine künstlerische Kontemplation über Zeit, Vergänglichkeit und den Respekt vor den Dingen des täglichen Lebens 

For me, a piece of clothing represents, above all, its former wearer. It tells you that somebody has been present. However, the person who wore it is now gone. The faded colors and tears in the fabric show the signs of the time passed.

By freezing the garment or letting the wind fill it with air, I am able to create a sculptural space, which reminds me of its former user.

– Riitta Päiväläinen

 

Donnerstag, 29. April 2021

Wo ich lebe

 

Ich lebe dort, wo die Dörfer zwischen den Feldern liegen, Kirchtürme schon von Weitem grüßen, der Fischreiher durchs flache Flussufer watet, Schwalben unter den Dächern nisten und Störche ganzjährig auf den Kirchtürmen - warum sollen sie in den Süden fliegen, bei uns ist es schön.

Ich lebe dort, wo die Berge am Horizont im Blau verschwimmen, wo die Luft im Sommer vor Hitze flimmert, der Taghimmel hoch und weit ist und der klare Nachthimmel voller Sterne.

Der Wald ist nah, und nah ist der kleine Hofladen mit bestem Demeter-Gemüse und -Obst, das nur halb so viel kostet wie im Bioladen. 

Ich lebe dort, wo ich keinen Wecker brauche, weil die Haus-Spatzen meinen Balkon als Restaurant ansehen und ihr Frühstück (eimerweise Sonnenblumenkerne) kurz nach Sonnenaufgang einnehmen, inzwischen also so gegen sechs, wobei sie sich lautstark unterhalten (müssen mal ein Retreat machen bei mir und lernen, beim Essen zu schweigen). 

Ich lebe dort, wo ich aufatmen kann. Wo mich die innere Stille nicht verlässt, weil es im Außen nichts gibt, was sie stören könnte. Ich lebe dort, wo die Zeit eine Flaneurin ist, an den Dingen vorbeischlendert und sie sein lässt, wo und wie sie gerade sind. Ich lebe dort, wo nichts los ist. Wo nichts passiert.

Ich lebe in der wunderbaren, großartigen Ereignislosigkeit, in der nichts, absolut nichts, fehlt.


Montag, 19. April 2021

"Ich bin zu Hause"

 

In der Online-Meditation gestern haben wir uns mit dem Gatha von Thay befasst, das ihr sicher alle kennt: Ich bin angekommen, ich bin zu Hause.

Das sich fremd Fühlen ist eine Urerfahrung des Menschen. Als ich 1992 das erste Mal in Plum Village war, lebten dort noch zahlreiche Boat People im Exil. Sie hatten sich ein kleines Vietnam erschaffen, mit ihren gewohnten Bräuchen, Ritualen und einem Garten, in dem sie die Kräuter und Gemüse ihrer Heimat angebaut hatten. Sie blieben mehr oder weniger unter sich, und wenn ich mit jemandem ins Gespräch kam, hörte ich von Sehnsucht nach Vietnam und tiefer Trauer. Auch Thay selbst thematisierte hin und wieder seinen Schmerz. Die Atmosphäre, die ich damals dort spürte, kannte ich, denn ich bin mit einer Mutter aufgewachsen, die aus Frankfurt an der Oder geflohen war, nachdem Bomben ihre schöne Eigentumswohnung vernichtet hatten. Sie landete in Bayern, wo alles für sie fremd war: der Dialekt, die Religion, das Essen, die Art der Menschen. Sie lebte dort bis zum Tod, aber es wurde nicht ihr Zuhause. Man kann sagen: Sie ist an ihrem Ort nie angekommen. 

Rilke schenkt uns in seinem Gedicht "An Hölderlin" ein Bild für das Gefühl des Unbehaustseins: Ungeborgen ausgesetzt auf den Bergen des Herzens, Steingrund unter den Händen.

Das Christentum hat seine Antwort auf das Unbehaustsein. Es gibt ein Kirchenlied von Paul Gerhardt: "Wir sind nur Gast auf Erden". Dort, wo man Gast ist, ist man nicht zu Hause. Unser Zuhause, sagt das Christentum, erwarte uns nach dem Tod: der "Himmel", wie immer wir ihn uns vorstellen. Aber das ist nicht die Auffassung des Zen, für das es kein "Jenseits" gibt. Oder, besser gesagt: Das Jenseits ist im Hier und Jetzt enthalten.

Um das zu verstehen, müssen wir uns von der Vorstellung des Zuhauses als einem Ort verabschieden.

"Listen, listen, this wonderful sound brings me back to my true home", heißt es in der Glocken-Meditation der Intersein-Schule. Was ist das wahre Zuhause, in das wir auf der Frequenz des Glockenklangs durch bloßes Lauschen eintreten können? Wir sind uns zumeist nur unseres persönlichen Geistes bewusst, der uns hilft, unseren Alltag zu meistern durch Planen, Erinnern, Urteilen, Abwägen, Entscheiden. Dieser Geist ist hilfreich, aber sehr begrenzt; er gehört der historischen Dimension an. Gleichzeitig jedoch ist er Teil des großen universellen Geistes und kann ihn berühren.

Sobald wir in den universellen Geistes eintreten - vielleicht, indem wir einer Glocke oder einem Vogel lauschen, einen Sonnenuntergang betrachten, einer Sinfonie zuhören -, sind wir nicht mehr begrenzt auf unser persönliches Schicksal. Wir spüren Weite um uns und fühlen uns verbunden mit allem, was ist. Wann aber tun wir das, wenn nicht immer nur im Jetzt? Es gibt nur diesen Augenblick, es kann nie eine andere Zeit geben. Deshalb kommen wir in jedem Augenblick an (in welcher Zeit sonst könnten wir ankommen?), deshalb sind wir in diesem Augenblick (wo sonst?) zu Hause. Unser wahres Zuhause ist kein Ort, sondern dieser Augenblick.

Vielleicht erkennen wir dann, dass das scheinbar Verlorene aufgehoben ist im Ganzen, dass aus ihm Neues entstanden ist wie aus einer abgestorbenen Pflanze. Und wir sehen, dass wir nicht alleine sind, wir bewegen uns in einer Gemeinschaft von Menschen, die, wie wir, das Gefühl des Fremdseins kennen und es, einfach durch ihre Anwesenheit, in ein Gefühl der Verbundenheit verwandeln. Und so endet das Gedicht von Rilke auch mit diesem Bild: "... immer wieder gehn wir zu zweien hinaus unter die alten Bäume, lagern uns immer wieder zwischen die Blumen, gegenüber dem Himmel."

 

Montag, 12. April 2021

Geistersuppe


Landregen

Weiße Geister kochen Sauerampfersuppen an den Teichen.
Überm Feld bleibt lang ein Flüstern stehn,
die Minuten zögern zu vergehn,
und aus Ziegeldächern ist ein Wunsch zu lesen wie aus Zeichen.
 
Träge lehnt der Wald am Himmel, beide tauschen Dunkelheiten,
es versinkt im Grab ein Namensstein,
eine Botschaft schreibt im Kies sich ein,
in den langen Blick der Katze tritt ein Traum aus frühen Zeiten.
 
Leise splittern blinde alte Spiegel auf den Wassergraben,
aus dem Grund steigt die versunkne Stadt,
vom Kalender fällt ein Juniblatt,
wer jetzt Glocken läuter hört, der wird bald viel zu denken haben.
 
Margrit Irgang
 


Aus: Margrit Irgang "Die erste und einzige Geschichte vom Gedankenland", Oetinger Verlag.

Nur noch erhältlich antiquarisch oder bei der Autorin.

Donnerstag, 25. März 2021

Was nährt uns?

 Noch nährt sie nicht meinen Bauch - meine Balkon-Himbeere -, aber wie sie meine Sinne und meine Freude nährt!


Unsere Online-Meditation am vergangenen Sonntag hatte das Thema "Was nährt uns?" Wir haben uns darüber ausgetauscht, was uns hilft in dieser schwierigen Zeit. Jede und jeder hat mit uns geteilt, wo sie oder er jetzt Kraft findet. Und alle Kraftquellen hatten in irgendeiner Weise mit den Sinnen zu tun.

Im Puttamamsa Sutta erläutert der Buddha die Sinneseindrücke als "Nahrung". Wir wissen ja, dass Nahrung nicht notwendigerweise gut und gesund ist. Unsere Sinne können nicht zwischen giftiger und wertvoller Nahrung unterscheiden; sie nehmen unterschiedslos auf, was wir ihnen anbieten. Das erklärt der Buddha im Sutra mit einem Beispiel:

"Nehmen wir an, da ist eine Kuh, die den größten Teil ihrer Haut verloren hat. Wenn die Kuh sich an eine Lehmmauer lehnt, werden all die kleinen Wesen, die in der Mauer leben, kommen und das Fleisch der Kuh fressen. Dasselbe geschieht, wenn die Kuh sich an einen Baum lehnt. Ginge die Kuh ins Wasser, würden all die kleinen Wesen, die im Wasser leben, kommen und das Blut der Kuh aussaugen. Und wenn die Kuh der Luft ausgesetzt wäre, würden all die Wesen, die in der Luft leben, kommen und sich von der Kuh ernähren."

Wir alle sind in gewisser Weise Kühe ohne Haut. Wir sollten die Gewalt, mit der Sinneseindrücke sich auf uns stürzen, nicht unterschätzen. Wenn wir nicht aufpassen, fressen sie uns auf. Was also schauen und hören wir uns den ganzen Tag lang so an? Was von den gerade in Zeiten der Lockdowns so zahlreichen Online-Angeboten nehmen wir wahr, was ist für uns wirklich wichtig und hilfreich? Ich finde es hilfreich, darüber genau nachzudenken, damit ich mich, wo immer das möglich ist, bewusst entscheiden kann anhand meiner Erkenntnis: für einen Eindruck oder dagegen.

Auf dem Foto seht ihr, was mich gerade nährt: die Natur, die Waldgänge und mein Balkon, den ich in diesem Jahr umstellen werde auf einen wildbienenfreundlichen Wildblumenbalkon. Ich werde euch zweifellos in den nächsten Monaten mit Neuigkeiten von der Wildblumen- und Bienenfront nerven.

Und was nährt euch?


Sonntag, 14. März 2021

Der ultimative Familien-Lockdown-Song

 

Konzerthallen zu, Festivals abgesagt, Freunde treffen nicht erlaubt - da macht man doch sein eigenes Konzert, wenn man schon zu sechst ist. Und nichts Vorgefertigtes, nichts mit langweiligen Noten, von denen man mühsam abliest. Sondern selbst getextet zu Popsongs, die man sich mal eben ausleiht (das britische Urheberrecht ist, by the way, da nicht so pingelig wie das deutsche).

Ladies and Gentlemen, welcome the Marsh family: Ben, Danielle, Alfie, Thomas, Ella und Tess. Eine coole Familie, in der wäre ich gern groß geworden.

Habt einen fröhlichen Sonntag.


Mittwoch, 10. März 2021

Fragile Schönheit

 

Dies entdeckte ich zwischen den Bodenplatten meines Balkons, dort, wo der Regen nicht hinkommt. Ich schaute mir das Gewächs an und fragte mich, was das gewesen war. Im nächsten Moment bemerkte ich beschämt, was ich da gedacht hatte. Ich hatte fraglos angenommen, dass diese namenlose Pflanze als verdorrte nicht mehr existierte. Ihre Blüh-Zeit war abgelaufen, also gab es sie für mich nicht mehr. Aber sie ist hier, zwischen meinen Bodenplatten, zart und zerbrechlich, eine pergamentene Schönheit, von der ich den botanischen Namen nicht weiß und jetzt auch nicht mehr wissen will.

Wie für uns Ältere empfohlen, kaufe ich zu ruhigen Zeiten im Supermarkt ein, so zwischen zwei und drei. Dann kommen die alten Damen und Herren aus dem benachbarten, sehr feinen Seniorenheim, und schieben ihre Rollatoren durch die Gänge. Seit ich mein unbekanntes Gewächs hüte, indem ich es vor den gelegentlichen Frühlingsorkanen mit einem großen Blumentopf schütze, schaue ich den Damen und Herren in die Gesichter. Ich sehe Zartes und Zerbrechliches und manchmal eine durchsichtige Schönheit, die nur entsteht, wenn die Blüh-Zeit zuende ist.

Manchmal schaue ich in den Spiegel und frage mich, ob mein Gesicht in zehn Jahren eine solch fragile Schönheit haben wird wie meine unbekannte Pflanze. Vielleicht muss man voll und ganz geblüht haben, um solch ein Pergament zu erschaffen. Und ich weiß nicht, ob ich das für mich in Anspruch nehmen kann.

Wir werden sehen.


Montag, 1. März 2021

Nichts Besonderes

 

Nichts Besonderes. Nur ein Nachmittag voller Glück im Vorfrühling. Nur der sonnenüberflutete Waldrand, die neugierigen Meisen, der hämmernde Specht (oder war es ein Kleiber?). Nur das erste Scharbockskraut im Unterholz, die winzigen Blüten vom Ehrenpreis am Feldrain. Die Büschel von Schneeglöckchen.



Nur die Weite des umgepflügten Feldes, das saftige Grün der Weide, das spätnachmittagliche Licht auf einem Pferderücken. Nur der Hahn mit seinen Hennen, die Zuneigung zweier Kühe, Kopf an Kopf ruhend, und die Gelassenheit der Gänse. Und nur die Handy-Kamera dabei.

 


Wie gesagt: Nicht mehr als das. Und doch alles da für das Glück.