Freitag, 30. November 2018

Im November ...


... wurden die Schatten länger ...


... lagen im Abendlicht Juwelen auf dem Asphalt ...



 ... gehörte der See wieder sich selbst ...


... und die Katzen, die immer nur sich selbst gehören, waren der lebendige Beweis dafür, dass  in der Ruhe wahre Größe liegt.

Verlinkt bei Jahreszeitenbriefe.


Sonntag, 25. November 2018

Welche Farben hat deine Dunkelheit?


Welche Farben hat deine Dunkelheit?

Das Licht ist oft nur ein Strahl, ein Faden, ein Halm. Und wir klammern uns an den Faden, den Halm, weil wir so konditioniert sind: Licht gilt als wünschenswert, als "positiv". Das Licht aber ist umgeben von einem riesigen Raum der Dunkelheit, und nur deshalb können wir es als Licht wahrnehmen. Dieser Raum der Dunkelheit ist außerhalb von dir und in dir, er ist der Grund deines Seins. Du hast viel gelesen und erlebt und gelernt, dem Raum Namen zu geben. Du nennst ihn Schmerz, Sorge, Deprimiertheit, Verzweiflung, Einsamkeit, Angst, Grauen. Bestenfalls nennst du ihn Geheimnis oder Unbewusstes. Vergiss jetzt einmal all diese Namen; sie hindern dich daran, den Raum zu entdecken. Räume sind zum Entdecken da, nicht wahr? Weil man es am Ende des Lebens bereuen wird, auf diese eine verschlossene Lebenstür gestarrt und sich nicht getraut zu haben, sie zu öffnen. Das nennt man Versäumnis, und solch ein Versäumnis, glaube mir, wird dir wirklich Schmerz bereiten.

Welche Farben also hat deine Dunkelheit?

Sag jetzt nicht, sie ist schwarz, das ist nur eine Redensart. Sobald du eine Redensart benutzt, hast du nicht hingeschaut. Ist sie also braun, dunkelgrau, anthrazitfarben? Was für ein Braun, Dunkelgrau, Anthrazit ist das? Was für eine Textur hat die Dunkelheit? Ist sie wie harter Stein (sitzt du in einer Höhle?), ist sie dick und samtig (bist du in eine Decke gewickelt?), ist sie flüssig wie Öl oder eher wie modriges Wasser? Nur Mut, schau hin. Was tut die Dunkelheit (tut sie überhaupt etwas? Wer tut etwas? Ist es dein Geist, der sich in der Dunkelheit bewegt und dir Sensationen vorgaukelt?)? Fühlst du dich umspült, überschwemmt, angenagt, gebissen, gepackt, gebeutelt, gestochen? Ist deine Dunkelheit spitz, kantig, kalt, heiß, stachlig? Oder ist sie beruhigend, einhüllend, schenkt sie Geborgenheit, Stille, beglückendes Alleinsein?

Wenn deine Dunkelheit dich eher nicht beglückt, glaubst du vielleicht, etwas tun zu müssen, um sie in Licht zu verwandeln. Das wird dir nicht gelingen, denn die Dunkelheit ist die andere Seite des Lichts, die Seite, die du bisher nicht sehen wolltest. Das mag die Dunkelheit nicht, auch sie will gewürdigt werden. Also hat sie dich am Wickel gepackt und gezwungen, sie wahrzunehmen. Na, sagt sie zu dir, wie findest du mich, wenn du mich nicht mit diesen Etiketten beklebst, die du wie alle früher benutzt hast?

Kannst du deine Dunkelheit würdigen, ihre Existenz anerkennen und sehen, dass sie es ist, die es dem Licht möglich macht, zu scheinen? Sie ist der Grund, auf dem deine Freude steht, aus dem deine Heiterkeit wächst. Schau sie dir an, mache sie dir zur Freundin. Eine Freundin schickst du nicht weg, wenn sie vor der Tür steht. Du lädst sie ein, sich zu setzen, bietest ihr einen Tee an. Und wenn sie anfängt zu sprechen, hörst du ihr zu. Überrascht stellst du fest: Sie hat etwas zu erzählen.

Sie spricht über dich.


Sonntag, 18. November 2018

Die Rosen-Tapisserien


Ein großes Treibhaus am Rand einer kleinen Ortschaft. Gärtnerei kann man es kaum nennen; es ist ein Industriegebiet, aufgestapelte Paletten in Höfen, alte Reifen, Weggeworfenes, am Wegrand allerlei Nichtmehrgebrauchtes. Das Glashaus sieht verlassen aus, unbenutzt. Ein paar Scheiben sind zerbrochen. Ich spähe durch das trübe verschmutzte Glas hinein und sehe endlose Reihen verwelkender Rosen in allen Stadien des Verblassens von Altrosa bis Braun. Rosen, die niemand gewollt hat, die keinen Käufer fanden, der sie gerne verschenkt hätte an jemanden, der sich über Rosen gefreut hätte. Rosen, die ihre Bestimmung, Freude zu bereiten, nicht leben konnten.


Aber da bin ja noch ich, zufällig hier gelandet, mit der Kamera um den Hals. Der letzte Mensch, der die Schönheit der Rosen würdigen kann. Ich brauche lange für die wenigen Aufnahmen, die ich mache. So lange wie es eben dauert, Sterbenden die letzte Ehre zu erweisen. Ich spüre Traurigkeit in mir. So viel Schönheit, die niemand wahrgenommen hat.

Aber später, zu Hause, sehe ich, dass es keinen Grund zur Traurigkeit gibt. Die Rosen sind auf den Bildern in einen anderen Zustand übergegangen, haben die Materie gewechselt. Sie sind zu Tapisserien geworden, zu verblichenen Kostbarkeiten aus französischen Schlössern, die nur einmal im Jahr gezeigt werden dürfen, weil sie im Licht und in der Luft zu Staub zerfallen würden.

Jetzt, hier, im Web, sind sie unsterblich, die Rosen-Tapisserien.

Sonntag, 11. November 2018

Liebesbrief



Love Letters

Every day, priests minutely examine the Law
And endlessly chant complicated sutras.
Before doing that, though, they should learn
How to read the love letters sent by the wind
and rain, the snow and moon.

Ikkyu
Buddhist priest, 1334 - 1481 


*** 

Liebesbriefe

Jeden Tag studieren die Priester akribisch die Lehre
und rezitieren endlos komplizierte Sutras.
Zuvor sollten sie jedoch lernen
die Liebesbriefe zu lesen, geschickt
von Wind und Regen, Schnee und Mond.

Ikkyu
Buddhistischer Priester, 1334 - 1481


 

Mittwoch, 7. November 2018

Frau Irgang kocht: Kürbis-Grünkohl-Bowl



Allmählich kriecht winterliche Kälte in die Abende, Frau Irgang heizt und stellt sich wieder an den Herd. Freundin zum Thema Kochen: "Ich koche doch nicht für mich allein, das lohnt sich nicht." Bekannte: "Ich hole mir was beim Vietnamesen an der Ecke." Kollegin: "Ich mach mir ein Brot, Zeit zum Kochen habe ich nicht."

Aber wie gesagt, Frau Irgang kocht. Und probiert, weil sie nicht dauernd dasselbe essen will, gern neue Gerichte aus. Dies hier fand ich kürzlich sehr fein. Es ist ein leicht abgewandeltes Rezept aus dem Buch der Ärztin Susan Blum "Autiommunerkrankungen erfolgreich behandeln", Mosaik Verlag, in dem sich auch andere gute Speise-Ideen finden.

Und so geht's:

Einen halben kleinen Butternuss-Kürbis (Hokkaido ist auch fein) würfeln; schälen ist nicht nötig. Auf einem Backblech verteilen, mit Olivenöl beträufeln, mit Mohnsamen bestreuen und mit Salz und Pfeffer würzen. Ca. 20 Minuten bei 190 Grad garen. Wenn eine Gabel hineingeht, ist er fertig.

Währenddessen eine Tasse Quinoa oder Vollreis zum Kochen bringen.

Eine Gemüsezwiebel in feine Ringe schneiden und in Öl langsam dünsten und bräunen, bis sie süß ist. Herusfischen. Gewaschenen und kleingeschnittenen Grünkohl - Menge nach Wunsch - in dieselbe Pfanne tun, andünsten, bis er zusammenfällt und weich wird (geht sehr schnell). Inzwischen sind hoffentlich Quinoa und Kürbis fertig. Quinoa in eine Schale schöpen, darauf ein Löffelchen Zwiebel, Kürbis und Grünkohl darüber und mit einer Sauce begießen, die ich schon vorher gemacht habe, nämlich so:

2 - 3 EL Tahin mit Zitronensaft, Salz, geriebenem Ingwer und Honig nach Wunsch verrühren. Mit heißem Wasser zu gießfähiger Konsistenz verrühren. Als Abschluss über die Sauce in der Bowl geröstete Walnüsse oder andere Nüsse streuen.

Susan Blum fügt gewürfelte Avocado hinzu, mir war die aber zu kalt auf dem herrlich wärmenden Gericht.

Möge es schmecken!


Samstag, 3. November 2018

Lieblingsbaum der Woche


Der steht hier vor dem Feuerwehr-Gerätehaus.

Wie gut, dass sie ihn nicht versehentlich gelöscht haben.

Ein sonniges Wochenende allerseits!

Verlinkt beim Naturdonnerstag von Ghislana