Sonntag, 25. Juli 2021

Das Intersein-Zentrum sucht Dich! An Appeal to You.

(In English below)

Ich bin soeben von meinem diesjährigen Retreat im Intersein-Zentrum im Bayerischen Wald zurückgekommen. Wir haben wieder erfüllte Tage in Stille, Ruhe und Schönheit erlebt. Dieses wunderbare Zentrum sucht nun dringend personelle Unterstützung für die Hausgemeinschaft. Du würdest für eine gewisse Zeit - ein paar Wochen oder Monate - in Küche, Haus und Garten mitarbeiten und in dieser täglichen Arbeit - ergänzt natürlich durch die regelmäßigen Meditationen im schönen Zendo, Vorträge und Gespräche - die Achtsamkeitspraxis in der Tradition von Thich Nhat Hanh ganz konkret kennenlernen. Wäre das etwas für Dich?

Ich stelle mir vor, dass Du ein Mensch bist, der im Moment eine Auszeit braucht, weil Du nicht so recht weißt, wie es weitergehen soll mit Deinem Leben. Vielleicht hast Du Dein Studium oder Deine Lehre beendet oder als ungeeignet abgebrochen und bist ratlos, was Du als Nächstes tun sollst. Vielleicht hast Du einen Verlust erlitten - ein geliebter Mensch hat Dich verlassen oder Du hast Deine Arbeit verloren - und willst, unterstützt von einer liebevollen Gemeinschaft, neue Perspektiven für Dich finden. Vielleicht bist Du auch gerade in Rente gegangen, das Eingebundensein in einen Arbeitsablauf und Kollegenkreis fehlt Dir, und Du möchtest herausfinden, wie Du Dein neues Leben gestalten willst.

 


 

Das Intersein-Zentrum liegt am Waldrand mit weitem Blick ins Tal. Im Nutzgarten wachsen Beeren, Kräuter, essbare Blüten und Gemüse aller Art. Aus dem Lavendel und den Rosen, die überall zu finden sind, steigen Wolken von Schmetterlingen und Bienen, und morgens treten die Rehe aus dem Wald und schauen in die Landschaft. Bei meinen sehr frühen Gängen durch die taufeuchten Wiesen im Sommer gelingt es mir manchmal, eins zu sehen. Und wenn Du Schnee liebst: den gibt es hier im Winter noch reichlich.

 

 

Das Intersein-Zentrum wird geleitet von meinen langjährigen lieben Freunden Helga und Karl Riedl; sie sind von Thich Nhat Hanh autorisierte Dharmalehrer. Du würdest in eine liebevolle kleine und internationale Gemeinschaft aufgenommen werden, und ich bin sicher, es wäre eine wertvolle Zeit für Dich und Dein weiteres Leben. Die Hompepage des Intersein-Zentrums findest Du hier (klick)

Wenn Du Dich angesprochen fühlst, schreibe eine Mail an Karl Riedl: buero@intersein-zentrum.de 

 


 

I have just returned from the annual retreat I give at Intersein-Zentrum in Bavaria. There I learned that the small and international community is looking for persons who can support the house team. Do you want to dive deeply into the mindfulness practice of Thich Nhat Hanh? Then this is your chance. You would live at the center for a certain period of time - say, a few weeks or months -, work in the house, kitchen and garden and benefit from daily meditations and guidance from my dear friends Helga and Karl Riedl, Dharma teachers in the tradition of Thich Nhat Hanh. Both are fluent in English and Helga speaks very good Italian. The pictures I took last week may give you an impression of the beauty of this place. You would be part of a loving community and I am sure the time at the center would be a treasure for your life. You can write a mail to Karl Riedl buero@intersein-zentrum.de


Mittwoch, 14. Juli 2021

Voces8 singt Rheinberger

 


"Abendlied" von Rheinberger in unübertroffener Schönheit gesungen

von meiner Lieblingsgruppe Voces8.

Habt eine gute Zeit.


Freitag, 9. Juli 2021

In der Grauzone


Dieser Sommer in Süddeutschland ist ein Sommer in der Grauzone. Die Grauzone hat ja keinen guten Ruf. Sie ist irgendwie zwielichtig, kein Ort, an dem sich ein ordentlicher südbadischer Vorortbürger aufhalten möchte. Weiß man ja nicht, was einem da so begegnet (an zwielichtigen Gestalten). Die Grauzone ist, wenn sie kein Ort ist, ein Zwischenzustand, weder Weiß noch Schwarz, metaphorisch gesagt: weder gut noch schlecht. Also neutral. Die Neutralität wiederum hat auch nicht gerade viele Anhänger. Man kann sich als Neutraler nämlich nicht profilieren. Die Neutralen machen keine Karriere, die bemerkt keiner, die sind irgendwie unsichtbar. Genau: sie sind grau.

Die, über die man spricht, also die angeblichen Gewinner unserer Gesellschaft, befinden sich auf der Buntseite. Da, wo die Farben grell sind, die Töne laut, die Bewegungen heftig. Dort werden Kontakte geknüpft, Fäden gezogen, dort sind die Urteile klar und werden zweifelsfrei geäußert. Dort sind alle Kanten klar gezeichnet, die Schatten sind hart, das Licht ist es nicht minder. Aber bunt. Auf jeden Fall sehr bunt.

Eigentlich.

Aber dann dieser Sommer. Da zeigt uns einer, wozu die Grauzone fähig ist. Von wegen Neutralität. Es kracht und gießt, aus Kellern suppt es auf die Straße, Gullys würgen ihren Inhalt hoch. Ein Sommer, der sich als graue Eminenz profiliert und klare Ansagen macht. Der unseren Vorstellungen von Sommer den Pfützenspiegel vorhält. Ein Sommer, den die Meditationslehrerin freudig als Beispiel ergreift, um den Satz lebensnah zu erklären, der da heißt "lass alle Erwartungen los und sag ja zu dem, was ist".

 


 

Und was passiert dann? Genau: Die Grauzone erweist sich als ungewohnt und aufregend. Wer hat gesagt, dass Grau eine langweilige Farbe sei? Laut Graustufentabelle auf Wikipedia hat sie 256 Nuancen. Kann man jetzt am Himmel studieren, alle auf einmal. Dieser Sommer hat sogar ein eigenes Lied: das Geräusch des Regens, der auf die Blätter tropft. Ein Sonnensommer kriegt das nicht hin, der braucht einen eher minderbegabten Songschreiber, der ihm einen Sommerhit komponiert, in dem von Sohohonne die Rede ist und der dann auf allen Radiokanälen läuft.

Ach, und die Tropfen, die an den Glockenblumen baumeln, und dann kommt so eine Hummel, wackelt sich mit ihrem dicken Hintern in den Kelch, und der Tropfen fällt runter, ganz lautlos ...


Samstag, 3. Juli 2021

Wer bin ich JETZT?

 

Ich glaube, es ist Zeit für ein Innehalten und Nachspüren. Jetzt, wo doch fast "alles wieder möglich ist". Wo man "endlich" wieder nach Mallorca fahren, in die Fußball-Stadien rennen und sich mit der so lange vermissten Kultur vollsaugen kann.

Es fühlt sich ein wenig an wie "früher", wenn wir die allgegenwärtigen Maskengesichter ignorieren (haben uns ohnehin an die gewöhnt). Aber es ist eben nicht "früher". 

Halten wir doch bitte einfach mal inne und lauschen wir in uns hinein. Wir wurden fast eineinhalb Jahre mit ständig neuen Hiobsbotschaften gefüttert, wurden in immer neue Beschränkungen gezwungen, haben uns so gut es geht informiert aus hoffentlich seriösen und neutralen Quellen (die leider schwer zu finden waren), haben uns mehr oder weniger gefügt, waren mehr oder weniger geduldig. Das alles hat etwas mit uns gemacht, und wir brauchen Zeit und Ruhe, um herauszufinden, was es mit uns gemacht hat. Mit jeder und jedem Einzelnen. Keine und keiner von uns ist noch genau die Person, die an einem Wochenende im Februar 2020 - zufällig und leider verhängnisvollerweise war es das Faschings-Wochenende - zum ersten Mal das Wort Corona gehört hat.

Wir sind ja immer Gewordene und Werdende zugleich. Warum fragen wir uns nicht: Wer bin ich geworden in dieser außergewöhnlichen Zeit? Ist diese Person, die ich "Ich" nenne, wirklich noch die, die sie war im Februar 2020? Hat dieses Ich noch dieselben Bedürfnisse wie damals (Reisen in den Süden, Kino, Fußballspiel, Restaurantbesuche, Parties)? Oder haben sich in der Ruhe und relativen Stille der letzten Monate neue Prioritäten geformt, ganz leise? Die, wenn ich sie nicht erforsche, unbemerkt versinken werden, weil ich einfach so weitermache wie früher. Weil ich mein neues Ich und meinen veränderten Geist nicht kennenlernen will. Es soll ja endlich wieder die Sicherheit des Schon-immer-Dagewesenen herrschen. 

So gehen wichtige Momente vorüber, so werden Chancen vergeben: Möglichkeiten der Kreativität, der Entdeckung von Neuem, vielleicht Herausforderndem, vielleicht Erfüllendem.

Bitte einfach mal fragen. Ohne Urteil und Erwartung. Neugierig auf alles, was sich als Antwort zeigt. Die vielleicht überraschend ist und deshalb verunsichernd: Wer bin ich JETZT? Jede Antwort ist "richtig", keine ist "falsch". 

Es ist Zeit für ein Innehalten auf der Schwelle zu einer anderen Freiheit, die nicht dieselbe sein wird wie die alte. 


Montag, 28. Juni 2021

Kintsugi. Die Schönheit der Brüche.

 

Vor ein paar Monaten schrieb ich zum ersten Mal über die japanische Kunst des Kintsugi, bei der zerbrochene Schalen mit einer Goldpuder-Paste nicht nur repariert, sondern zum Kunstwerk erhoben werden. Ich schrieb, dass diese Kunst für mich eine Metapher ist für einen klugen Umgang mit den Brüchen in unserem Leben. Wer's noch nicht kennt: hier zum Beispiel (klick) 

Es erreichte mich die Bitte vom Netzwerk ethik heute, das Thema noch einmal unter dem Gesichtspunkt der Ethik zu betrachten. Habe ich also getan.

"Es war Anfang der 1980er Jahre, als ich in München die erste Installation von Joseph Beuys sah. Das Lenbachhaus hatte sie kurz zuvor angekauft, der Kauf hatte bundesweite Empörung ausgelöst; die Installation wurde unter anderem als 'der teuerste Sperrmüll aller Zeiten' bezeichnet.

Ich stand in einem kargen, wie ein Krankenzimmer eingerichteten Raum und sah zwei Leichenbahren, dann Kästen aller Art, zwei Forken, zwei gerahmte Ausgaben der italienischen Zeitung 'Lotta Continua', zwei Schäleisen (Schepser) und zwei Tafeln, auf die Beuys geschrieben hatte: 'Zeige deine Wunde'.

Hin und wieder begegnen wir einem Kunstwerk, das in uns eine Resonanz auslöst. Es spricht unmittelbar unser Gefühl und unsere Emotionen an; wir verstehen es auf einer tiefen Ebene, ohne darüber nachdenken zu müssen, 'was das Kunstwerk bedeutet'. So ging es mir mit der Installation 'Zeige deine Wunde'."

Den ganzen Artikel könnt ihr lesen auf ethik heute hier (klick)

 


Bei der Gelegenheit weise ich gern noch einmal darauf hin, dass ich in zweieinhalb Wochen ein Retreat zu diesem Thema im schönen Intersein-Zentrum in Hohenau gebe: Kintsugi - die Schönheit des Zerbrochenen, vom 17. - 21. Juli 2021. Es sind noch ein paar Plätze frei. Mehr Informationen und Anmeldung hier (klick) 


Freitag, 25. Juni 2021

Neues Blog-Abo


Wenn ihr bisher meinen Blog per E-Mail-Benachrichtigung abonniert habt und wollt, dass weiterhin (oder vielleicht zum ersten Mal?) die Nachricht über jeden neuen Post in euren Briefkasten fliegt (gute Wendung, um das Foto zu legitimieren, nicht wahr?!), beachtet bitte folgende Änderung:

Mein Blogbetreiber Google stellt zu Ende Juni den Feedburner ein, mit dem ihr bisher die Benachrichtigungen bekommen habt. Ich habe einen neuen Benachrichtigungs-Dienst installiert, er heißt follow.it Ihr müsst Euch aber erneut registrieren, das geht nicht automatisch.

Bitte scrollt zum Fuß der Seite (ist nicht weit, nur zehn Blog-Beiträge lang), dort findet ihr ein Formular, in das ihr eure Mail-Adresse eintragen könnt. Ihr bekommt dann einen Bestätigungslink. Wenn ihr euch bei follow.it registriert habt, könnt ihr wählen, wann (Uhrzeit) und in welcher Form ihr die Mails erhalten wollt. Ich empfehle, die Option "ganze E-Mail" zu wählen, dann bekommt ihr genau das Layout des Beitrags in meinem Blog. Also viel ästhetischer als jetzt. Das Ganze ist selbstverständlich kostenlos und unverbindlich, und ihr könnt das mit dem Abmeldelink in jeder Mail jederzeit abbestellen.

Beachtet bitte, dass der "Absender", unter dem ihr in Zukunft die Nachrichten bekommt, nicht mein Name ist, sondern follow.it. Der Betreff lautet jedes Mal "Margrit Irgang, neuer Beitrag".

Natürlich biete ich weiterhin Bloglovin an (ebenfalls am Fuß der Seite), ihr könnt auch jeden anderen Feedreader verwenden oder ab und an einfach hier reinschauen.

Ich würde mich freuen, wenn ihr meinem Blog treu bliebet.

 

Sonntag, 20. Juni 2021

Mein Wildbienen-Wildpflanzen-Balkon


Ich habe in meinem geheimen Garten Unkräuter gesät. Ja, diese wuchernden Gewächse, die vor der Zeit der allgegenwärtigen Maisfelder und der Gentechnik auf Äckern und Wiesen standen. Einfach so. Von irgendwoher angeflogen. Sie blühten dort unbeachtet vor sich hin, tranken Regen und Sonnenstrahlen, und wenn der Bauer sie abmähte, hatten die Kühe den Salat. Den besten.

 

 

Dieses Zeug auf dünnen Stängeln, das jeder ernsthafte Gärtner, der in der sommerlichen Abendruhe mit Argusargen durch den Garten geht, sofort ausrupfen würde, habe ich in Töpfe, Kübel und Kästen gesät. In bester Demeter Bio-Qualität! Das verrate ich niemandem, nur meinen Blogleserinnen und -lesern. Ich will ja nicht als gaga angesehen werden. Damit die Pracht nicht mit dem Sommer endet, habe ich ein paar Gefährten dazwischengeschmuggelt, die mich hoffentlich ein paar Jahre begleiten werden. Und vieles kann ich essen. Blüten und Blätter. Bester Demeter-Salat.



Es ist nämlich so: Bei uns gibt es 585 Wildbienenarten, deren Arbeit nicht darin besteht, Honig zu erzeugen, sondern die Pflanzen in der Natur zu bestäuben. Es sind dies Hummel-, Pelz-, Zottel-, Sand- und Seidenbienen. Durch Industrialisierung und Versiegelung der Flächen finden sie kaum noch Blütennahrung und Nistplätze. Über die Hälfte von ihnen steht bereits auf der Roten Liste. Von ihnen aber hängt die Ernte zahlreicher Obst- und Gemüsesorten ab und der Erhalt der Vielfalt der Blühpflanzen.

Deshalb habe ich den Wildbienen ihre Wildpflanzen-Nahrung gepflanzt.



 

Jetzt sitze ich an warmen Abenden in meinem Garten im zweiten Stock und lausche dem Gesumm und Gebrumm. Erfreue mich an zarten Farben, die an Juwelen erinnern: Amethyst, Zitron, Rosenholz, Aquamarin, Mondstein. Schmetterlinge stellen sich ein. Die Namen meiner Pflanzen könnte ich aufsagen, und es wäre von selbst und ohne mein Zutun ein Gedicht.

Sommer-Adonisröschen. Acker-Hundskamille. Schafgarbe. Borretsch. Rapunzel-Glockenblume. Rundblättrige Glockenblume. Saat-Wucherblume. Wilde Möhre. Strahlen-Breitsame. Klatschmohn. Gelb-Senf. Acker-Senf. Herderich. Flachs. Kamille. Kuhkraut. Blauer Lein. Wildes Stiefmütterchen. Nachtviole. Wiesensalbei. Büschelschön. Kornblume. Ringelblume. Kapuzinerkresse. Moschusmalve. Nachtkerze. Taglilie. 


Dienstag, 15. Juni 2021

Retreat im Intersein-Zentrum

Foto: Intersein-Zentrum

Mit großer Freude teile ich Euch mit, dass das Intersein-Zentrum im Bayerischen Wald wieder geöffnet hat. Mein Seminar kann also stattfinden:

17. - 21. Juli 2021

Kintsugi - die Schönheit des Zerbrochenen  

Mehr darüber und Anmeldung: hier (klick)

Das Intersein-Zentrum ist ein Meditationshaus in der Tradition von Thich Nhat Hanh, wird geleitet von meinen lieben langjährigen Freunden Helga und Karl Riedl und liegt im Nationalpark Bayerischer Wald. Es ist absolut still dort, der Blick geht weit ins Land, der Garten ist voller Schmetterlinge und Bienen und Bio-Gemüse. Morgens sind die Wiesen taufeucht, es duftet nach Blüten, und ab und an steht müßig ein Reh am Waldrand. Man kann dort sehr schön Urlaub machen - einfach ein paar Tage früher kommen oder länger bleiben.

 

 
Foto: Intersein-Zentrum
 
Bei meinem Retreat im letzten Jahr habe ich gesehen, dass die Hygienebedingungen im Intersein-Zentrum wirklich sicher sind und prima funktionieren. Ich kann Euch guten Gewissens empfehlen, Euch für dieses Retreat anzumelden.

Sehen wir uns? Ich würde mich freuen.


Freitag, 11. Juni 2021

Lebensfreude

 

Ich habe gesehen, dass mein Artikel "Die Schönheit liegt im Detail" in der neuen Ursache\Wirkung 116 mit dem Schwerpunkt-Thema "Leben, lieben, lachen" diesmal online steht. 

"Eine herrlich paradoxe Frage: Meinen wir es ernst mit der Lebensfreude? Dann sollten wir das unserem Gehirn mitteilen, indem wir sie regelmäßig praktizieren. Über kurz oder lang werden wir feststellen, welch eine Kraftquelle wir da bisher übersehen haben. Es ist doch so: Nach dem Sektempfang zur Feier der Beförderung wird schnell klar, wie schwer die neue Verantwortung wiegt. Der ersehnte Umzug in das neue Haus ist der Beginn einer Serie von Herausforderungen, die mit so trivialen Dingen wie falsch verlegten Rohren und der Abzahlung von Krediten zu tun haben. Euphorie und Begeisterung sind nicht stabil genug, um die Ernüchterungen, die der Alltag bereithält, zu überstehen. Wenn wir jetzt nicht in depressive Stimmung verfallen wollen, brauchen wir eine andere Kraft, die uns durch die alltäglichen Schwierigkeiten tragen kann."

Ihr könnt den Artikel in voller Länge lesen hier (klick)

 

Mittwoch, 9. Juni 2021

Die Frühstückszubereitungs-Meditation

 

 

Wie schön war doch die Morgenmeditation im Retreat. Das frühe Aufstehen fiel ganz leicht, der Gang zum Zendo durch das Haus (den taufeuchten Garten) war eine kleine Sensation. Die ersten Vögel zwitscherten schlaftrunken. Ein Igel verschwand in der Hecke. Und die Stille im Zendo, während das Tageslicht über den Hügel kletterte: So erholsam. So friedvoll. Das werden wir zu Hause auch so machen! Wir stehen früher auf, meditieren und sammeln Gelassenheit für den Tag.

Kennt Ihr den guten Vorsatz? Und? Haltet Ihr ihn durch? Wusste ich's doch ...

Ich mache einen Alternativ-Vorschlag für alle, die es nicht schaffen, früher aufzustehen, um sich auf das Kissen oder den Stuhl zu setzen: Die Frühstückszubereitungs-Meditation. Meine tägliche dauert genau 20 Minuten, die Länge einer Sitzrunde. Ich praktiziere dabei NUR DIES.

Ich hacke einen halben Zentimeter Ingwer und eine Dattel in winzige Stücke und erwärme sie leicht in drei Esslöffeln Apfelsaft. Füge drei Esslöffel Haferflocken hinzu, eine Prise Zimt, einen Esslöffel Kokosmilch. Ergänze mit Wasser. Koche auf. Rühre. (NUR DIES: hacken, einfüllen, rühren.) 

 


 

Ich schaue nach, was der Balkongarten zum Frühstück beisteuern kann, und befrage auch gleich den Himmel nach seinen Wetterabsichten. In welchem Licht steht dieser Morgen, wie riecht er? (NUR DIES: schauen, riechen, wahrnehmen, aufnehmen.) In der Küche breite ich meine Obstschätze aus und schneide sie klein. Diese Farben, die Aromen, die unterschiedlichen Konsistenzen! Inzwischen simmert im Kessel das Teewasser. Der Hafer ist warm und zerfällt zu Brei. Ich wähle meinen Tee aus (Seogwang Sencha aus Korea). Die Küche ist voller Duft und Dampf, ich fülle den Brei in die Schale und garniere ihn mit dem Obst. Ein paar gehackte Nüsse darüber? Oder Sanddornmus für Vitamin C?

 


Granatapfelkerne, die haben gefehlt. Ein paar Kokosraspeln. Die Spatzen auf dem Balkon futtern ihr zweites Frühstück. Ich jetzt gleich mein erstes. NUR DIES: genießen!


Donnerstag, 3. Juni 2021

Drei besondere Bücher

Mein Buch des Jahres 2021. Die Dichterin und Wissenschaftsredakteurin Helen Macdonald erzählt in 41 Essays von den Wundern der Natur. Sie beobachtet den Hochzeitsflug der Ameisen, bei dem nur die Königin überlebt, und erklärt uns die windgestützte Migration, mit deren Hilfe Blattläuse, Käfer und Spinnen auf elektrostatisch aufgeladenen Seidenfäden Hunderte Kilometer reisen. Helen Macdonalds Sprache ist wunderschön. Die Ringelnatter z.B. stellt sie uns vor als "60 cm biegsames Khaki und Gold". Diese Essays sind in einer Haltung der Ehrfurcht und mit dem Blick einer Liebenden geschrieben, denn: "Wir sind derzeit Zeugen des sechsten großen Aussterbens der Natur". Helen Macdonalds Buch ist auf sanfte Weise radikal in seinem Aufruf, unser Verhalten sofort zu ändern. Meine Rezension in SWR 2 wartet noch darauf, gesendet zu werden. Helen Macdonald "Abendflüge", aus dem Englischen von Ulrike Kretschmer, Hanser Verlag, ISBN 978-3-446-26930-9. In English: "Vesper Flights"

                                               

Dieses Buch besitze ich im englischen Original; auf Deutsch wird es erst am 31. Oktober erscheinen. Katherine May hat einen Burn-out, ihr Mann erkrankt dramatisch, der Sohn verweigert die Schule. Was tut eine Schriftstellerin, wenn alles zusammenbricht? Sie denkt schreibend nach über die Winterzeiten des Lebens. Sie spricht mit anderen, denen es ähnlich ergangen ist, schreibt über den Winter am Polarkreis und erkennt allmählich, wie wichtig es ist, in schwierigen Zeiten gut mit sich selbst umzugehen. Denn wie die Jahreszeit Winter ist auch der Winter im Leben eine Zeit der Ruhe, in der sich unbemerkt eine tiefe Transformation vorbereitet. Ein tröstliches und kluges Buch für alle, die wissen, was Verlust und Trauer bedeutet. Katherine May "Überwintern", Insel Verlag. In English: Wintering, Penguin UK

 

  

A book for my English-speaking readers: Kyo Maclear's father had fallen ill and she found herself lost. In the midst of this crisis, she met a musician who loved birds. She began to accompany him on his urban birdwatching expeditions and gained a new perspective by learning to cherish the urban wild spaces in which we live. This book honors the slow life, the patience and the impermanent beauty of the world. Kyo Maclear ist also an illustrator, and her lovely drawings add to the charm of this book. Kyo Maclear overcomes her anxieties by finding meaning in the everyday and the ever-changing moment. "You will discover that the magic of a sitting spot is that it teaches you to go nowhere." Kyo Maclear "Birds, Art, Life, Death", 4th Estate book, ISBN 978-0-00-822504-9

 

Drei Bücher, die auf unterschiedliche Weise Meditationen sind über die Natur, von der wir selbst ein Teil sind. Sie zeigen uns, dass es keine Grenzen gibt zwischen Innen und Außen, zwischen "uns" und "dem Anderen". 


Samstag, 29. Mai 2021

Die Zartheit der Welt

 

 

Immer, wenn ich das Kleine, Einzelne betrachte - nicht das große Ganze, nicht "die Natur", nicht "die Welt" -, dann, immer dann, muss ich den Atem anhalten, weil das ganz Kleine so zart ist, so gefährdet. Das winzige Vogelei unter der Hecke, der eine Grashalm in der Mauerritze. Die Biene, müde von der Suche nach Pollen, reglos auf dem Terrassenboden. So allein, so ausgesetzt. Mir ausgesetzt, meiner Achtsamkeit oder Unachtsamkeit. Meiner Zuwendung oder Abwendung. Meiner Fürsorge oder Gleichgültigkeit.

Ich muss den Atem anhalten, weil mir auf einmal bewusst wird, dass es auf mich ankommt. 


Dienstag, 25. Mai 2021

Großzügigkeit

Lady Alexandra verschenkt sich

In unserer letzten Online-Meditation haben wir uns über Großzügigkeit und Wertschätzung unterhalten. Im Buddhismus ist die Großzügigkeit - dana-paramita - eine der sechs Paramitas, der "Sechs Vollkommenheiten". Alle paramitas wollen praktiziert, also geübt und verstanden werden. So einfach ist das nämlich nicht mit der Großzügigkeit, die hat zwei Gesichter: Wir können geben, weil wir etwas wertschätzen - oder aus Berechnung.

Ein reicher Kaufmann spendete seinem Zenkloster einen Sack mit fünfhundert Goldstücken. Der Meister sagte: "Gut, ich will es nehmen." Der Mann ärgerte sich über diese Antwort und sagte: "In diesem Sack sind fünfhundert Goldstücke." "Das sagtest du bereits", sagte der Meister. "Willst du, dass ich mich dafür bedanke?" "Ich denke, das solltest du", antwortete der Kaufmann. "Warum sollte ich das?", gab der Meister zurück. "Der Gebende sollte dankbar sein."

Aber da gibt es auch den alten Zenmönch Ryokan, der im achtzehnten Jahrhundert in einer ärmlichen Hütte in den Bergen lebte. Eines Tages, während er auf einem Spaziergang war, brach ein Dieb in seine Klause ein, fand aber nichts, was er hätte stehlen können. In dem Moment kam Ryokan zurück und rief aus: "Du Armer, jetzt bist du umsonst gekommen! Hier, nimm wenigstens meine Jacke und meine Hose." Der verblüffte Dieb nahm die Sachen und verschwand. Ryokan setzte sich, nackt wie er war, vor seine Hütte und seufzte. "Der arme Kerl", sagte er zu sich. "Schade, dass ich ihm nicht diesen schönen Mond schenken kann."

Wir können auf so viele Weisen großzügig sein, auch wenn wir kein Geld haben. Wir können zum Beispiel jemandem unsere Zeit und Aufmerksamkeit schenken. Wir können unsere Freude schenken, unseren Frieden, unser Wissen und unsere Erfahrungen. Und falls wir wirklich nur noch unsere Jacke und unsere Hose besitzen, können wir immer noch ein Lächeln schenken. 

Großzügigkeit löst unsere Ich-Zentriertheit, und zwar sowohl, indem wir sie geben, als auch, indem wir sie ohne Bedenken annehmen. Wir lassen das nagende Gefühl des Mangels, das uns unterschwellig begleitet hat, los und öffnen uns der grundlegenden Fülle. Thich Nhat Hanh pflegte uns immer wieder zu sagen: You have enough!



Der ausgiebige Regen der letzten Wochen hat meinen geheimen Garten mit einer Fülle an Blättern und Blüten beschenkt. Ich weiß gar nicht, wie ich mich für diese Freude bedanken soll. Die amerikanischen indigenen Völker opfern den Naturgeistern ja Tabak, den ich nicht im Haus habe, und bei Wolf-Dieter Storl habe ich gelesen, dass gerne kleine handgewebte Wolldecken an Seen für die Wassergeister hinterlegt werden. Ich habe auch keine kleinen handgewebten Wolldecken. Sollte ich vielleicht ein Lied singen (Zimmerpflanzen immerhin, las ich, mögen Mozart)? Genügt mein Lächeln, meine stille Begeisterung als Dank?

Ja, ich glaube, meine Freude ist dana-paramita.

 

Mittwoch, 19. Mai 2021

Geschenk vom Regen

 

Nur mal so, weil alle sich über den Regen beschweren. So ein Regen hat ja auch eine Persönlichkeit. Der möchte gemocht werden. Nicht immer hören, er sei nicht in Ordnung. Weil entweder zu wenig oder zu viel, im falschen Monat oder falschen Moment (weil Menschen gerade keinen Schirm dabei haben). Der Regen, der sich nach Freundlichkeit sehnt, macht jetzt abends Ein-Minuten-Geschenke. Man darf die Anstrengung, die solch ein Zauber erfordert, nicht unterschätzen. Eine Minute ist da schon eine Leistung. Leider kriegt das kaum jemand mit. Der Himmel ist im Moment nicht der Ort, an dem man gern seine Augen ruhen lässt.

 

 

Es ist auch an der Zeit, meine tapfere Pfingstrose zu preisen (9 Knospen!). Jeden Tag kämpft sich das Innenleben einen Millimeter weiter heraus. Das Innenleben wird, wenn es einmal das Licht der Welt erblickt hat, eine rosagerüschte, umwerfend duftende Wolke sein. Meine Pfingstrose versteht etwas vom Aufbau emotionaler Spannung, von Verheißung und Versprechung. Seit Wochen schaue ich jeden Morgen nach, ob es schon so weit ist. Sie heißt übrigens Lady Alexandra. Sie ist mir in diesem Jahr, wo sie es so schwer hat, ans Herz gewachsen.

Das alles nur mal so, weil ich mich ab sofort nicht mehr über den Regen beschweren möchte.

 

Mittwoch, 12. Mai 2021

Frau Irgangs geheimer Garten

Grün. Sehr grün. Und nass. Noch nicht ausgeschlafen, die Bewohner. Ist halt keine Gärtnerin da oben, nur eine Dichterin.

Ich habe einen geheimen Garten. Kein Mensch, der von unten zu mir in den zweiten Stock hochschaut, ahnt, was hier oben los ist. Darüber bin ich sehr froh. Ich hatte bislang als Mieterin einen halbwegs guten Ruf, aber mein Garten würde den Ruf ruinieren, denn er entspricht in keiner Weise den unkrautbefreiten hoch ordentlichen Gärten meiner badischen Nachbarn. Da sind die Hecken gestutzt, die Rasen rasiert, jede Pflanze weiß, wo sie hingehört, und diese Pflanzen-Erziehung funktioniert vom Töpfchen an, was mich ratlos macht. Wir haben einen großen Steintrog am Hauseingang, den hat mein Vermieter kürzlich bepflanzt. Alle zwanzig Zentimeter eine Zwiebel. Da wird exakt strammgestanden! (Iris halt, mit denen kann er es machen. Sollte er mal bei Kapuzinerkresse probieren.)

Frau Irgangs Garten ist voll mit Kapuzinerkresse. Und Glockenblumen aller Arten, Duftwicken, Borretsch, Mohn, Moschusmalven, Ringelblumen, Nachtkerzen und Nachtviolen. Da gibt es - soll es geben, wird es geben - laut Samentüten wunderbare bienenfreundliche, schmetterlingsanziehende Sorten mit so schönen Namen wie Acker-Hundskamille, Sommer-Adonisröschen, Acker-Rittersporn, Strahlen-Breitsame, Saat-Wucherblume. Also, wuchern tun sie schon. Sonst aber tun sie vorerst nix.

Und deshalb bleiben (vorerst?) die Gäste aus, deretwegen die ganze grüne Veranstaltung doch stattfindet: die Haarstrang-Sandbiene zum Beispiel, die Gewöhnliche Löcherbiene, die Giersch-Sandbiene, die Zweizellige Sandbiene und die "lokal Blauschillernde Sandbiene", die ich gerne kennenlernen möchte. (Wie schillert man lokal?)

Meine Campanula Rotundifolia sieht aus, als habe sie sich die Haare gerauft (mag sie mich nicht? Ach, ach ...), und die Wilde Möhre hat einen Schopf, dem ein Friseurbesuch guttun würde. Die weiße Rose (okay, es gibt eine ältere Abteilung im Garten, die eher konventionell bestückt ist) wird von kleinen grünen Läusen aufgefressen, die Blüten der Bauernhortensie muss man mit der Lupe suchen, und die Pfingstrosen halten eisern ihre Blüten seit Wochen geschlossen. Alles ist nass. Und grün. Sehr grün. Grün soll ja heilsam und beruhigend sein. Ich hatte mir aber schon etwas Gefälligeres vorgestellt.

Ich streichle sie einzeln (ersetzt mir die Sitz-Meditation). Ich spreche mit ihnen, ich nenne sie: meine Süßen, meine Allerliebsten. Ein Wissenschaftler, ich glaube, von der University of Ohio, hat in Experimenten herausgefunden, dass Pflanzen, mit denen ihre Besitzer sprechen, gesünder sind und besser wachsen. Und wie sie wachsen, ich kann nicht klagen! Der Wiesensalbei kam an als fünf Zentimeter kleiner Zwerg und misst inzwischen vierzig Zentimeter. Was soll ich sagen: Er ist grün. Ich habe ihn ausgewählt, weil seine Blüte lila sein soll.

Mir macht aber etwas ganz anderes zu schaffen. Es gibt da diese hübschen paarweise aufgenommenen Fotos von Hunden und ihren Herrchen/Frauchen, die sich einander - wer da wem, ist nicht ganz klar - auf unheimliche Weise optisch angenähert haben. Ob das auch für Menschen und ihre Pflanzen gilt?
 


 
Zum Geburtstag schenkte mir eine Freundin einen Glücksklee mit der Bemerkung "Die werden so schön buschig". Ich hatte nach zwei Wochen einen Individualisten im Topf, aber vielleicht ist es auch ein Egoist. Wenn man von meinen Pflanzen und mir paarweise Fotos machen würde - in welchen Abgrund meiner selbst würde ich da blicken? All dies Unordentliche, Eigensinnige, so gar nicht Nett-Gefällige ... 

Ich bin wirklich froh, dass kein Mensch ahnt, dass ich hier oben einen Garten habe.

Donnerstag, 6. Mai 2021

Textile Skulpturen von Riitta Päiväläinen

 

Die Fotografin und Installations-Künstlerin Riitta Päiväläinen spürt in Kleidung aus Secondhandläden und von Flohmärkten den Spuren nach, die ihre früheren Besitzer in einer Stofffalte, einem dünn gescheuerten Ellenbogen, einem Flicken hinterlassen haben. Sie setzt diese Textilien der Natur aus, dem Wind und dem Wetter, und sie erwachen zu neuem, ganz eigenem Leben. Eine künstlerische Kontemplation über Zeit, Vergänglichkeit und den Respekt vor den Dingen des täglichen Lebens 

For me, a piece of clothing represents, above all, its former wearer. It tells you that somebody has been present. However, the person who wore it is now gone. The faded colors and tears in the fabric show the signs of the time passed.

By freezing the garment or letting the wind fill it with air, I am able to create a sculptural space, which reminds me of its former user.

– Riitta Päiväläinen

 

Donnerstag, 29. April 2021

Wo ich lebe

 

Ich lebe dort, wo die Dörfer zwischen den Feldern liegen, Kirchtürme schon von Weitem grüßen, der Fischreiher durchs flache Flussufer watet, Schwalben unter den Dächern nisten und Störche ganzjährig auf den Kirchtürmen - warum sollen sie in den Süden fliegen, bei uns ist es schön.

Ich lebe dort, wo die Berge am Horizont im Blau verschwimmen, wo die Luft im Sommer vor Hitze flimmert, der Taghimmel hoch und weit ist und der klare Nachthimmel voller Sterne.

Der Wald ist nah, und nah ist der kleine Hofladen mit bestem Demeter-Gemüse und -Obst, das nur halb so viel kostet wie im Bioladen. 

Ich lebe dort, wo ich keinen Wecker brauche, weil die Haus-Spatzen meinen Balkon als Restaurant ansehen und ihr Frühstück (eimerweise Sonnenblumenkerne) kurz nach Sonnenaufgang einnehmen, inzwischen also so gegen sechs, wobei sie sich lautstark unterhalten (müssen mal ein Retreat machen bei mir und lernen, beim Essen zu schweigen). 

Ich lebe dort, wo ich aufatmen kann. Wo mich die innere Stille nicht verlässt, weil es im Außen nichts gibt, was sie stören könnte. Ich lebe dort, wo die Zeit eine Flaneurin ist, an den Dingen vorbeischlendert und sie sein lässt, wo und wie sie gerade sind. Ich lebe dort, wo nichts los ist. Wo nichts passiert.

Ich lebe in der wunderbaren, großartigen Ereignislosigkeit, in der nichts, absolut nichts, fehlt.


Sonntag, 25. April 2021

Lockdownmüdigkeit und was wirklich wichtig ist

 

Ein paar Dutzend Schauspieler haben auf Instagram unter dem Hashtag #allesdichtmachen satirische Kurzvideos gepostet, in denen sie sich über die Lockdownmaßnahmen der Regierung mokieren. Jetzt werden sie, wie das bei zugespitzten Meinungsäußerungen so üblich ist, von der einen Seite bejubelt (da stehen, was sie vorher hätten bedenken können, zum Beispiel die Afd und die Querdenker), von der anderen Seite mit Empörung gegeißelt. Die Schauspieler waren überrascht von der Wucht der Reaktionen; einige entschuldigten sich dafür, möglicherweise die Opfer der Pandemie und ihre Angehörigen verhöhnt zu haben und zogen ihre Beiträge zurück, woraufhin ihnen Feigheit vorgeworfen wurde, und jetzt schaukelt sich das Ganze hoch zu der Frage, ob man in Deutschland noch eine Meinung äußern dürfe, die nicht jener der der Regierung entspricht.

Ein medial hochgeputschtes Riesentheater um kleine Sketche, die mit einem ernsten Thema selbstverliebt herumspielen. Man kann das Krisenmanagement einer Regierung, der außer Zumachen nichts einfällt, durchaus kritisch sehen, aber das Schließen von Theatern, Kinos, Fußballstadien und Kneipen hat einen Grund. Falls man prominente Schauspieler daran erinnern muss: der Grund nennt sich Corona.

Ich habe mir die Dokumentation des rbb über die Covid-Station der Charité angesehen. Vier Folgen, knallharte Realität. Menschen, die künstlich beatmet werden. Ärzte, die Fehler machen. Pfleger, die am Rand der Kräfte sind. Ich empfehle diese Filme. Man muss sie aushalten. Ist nicht leicht. Aber wer sagt, dass Leben leicht sein muss. Der Tod gehört ja immer dazu. Vielleicht klären sich ein paar Fragen oder Lustlosigkeiten oder Bedenken - zum Lockdown, zur Impfung, zu geschlossenen Theatern -, wenn man sie gesehen hat.

Hier entlang:

https://www.ardmediathek.de/sendung/charite-intensiv/staffel-1/Y3JpZDovL3JiYi1vbmxpbmUuZGUvY2hhcml0ZS1pbnRlbnNpdg/1/

 

Montag, 19. April 2021

"Ich bin zu Hause"

 

In der Online-Meditation gestern haben wir uns mit dem Gatha von Thay befasst, das ihr sicher alle kennt: Ich bin angekommen, ich bin zu Hause.

Das sich fremd Fühlen ist eine Urerfahrung des Menschen. Als ich 1992 das erste Mal in Plum Village war, lebten dort noch zahlreiche Boat People im Exil. Sie hatten sich ein kleines Vietnam erschaffen, mit ihren gewohnten Bräuchen, Ritualen und einem Garten, in dem sie die Kräuter und Gemüse ihrer Heimat angebaut hatten. Sie blieben mehr oder weniger unter sich, und wenn ich mit jemandem ins Gespräch kam, hörte ich von Sehnsucht nach Vietnam und tiefer Trauer. Auch Thay selbst thematisierte hin und wieder seinen Schmerz. Die Atmosphäre, die ich damals dort spürte, kannte ich, denn ich bin mit einer Mutter aufgewachsen, die aus Frankfurt an der Oder geflohen war, nachdem Bomben ihre schöne Eigentumswohnung vernichtet hatten. Sie landete in Bayern, wo alles für sie fremd war: der Dialekt, die Religion, das Essen, die Art der Menschen. Sie lebte dort bis zum Tod, aber es wurde nicht ihr Zuhause. Man kann sagen: Sie ist an ihrem Ort nie angekommen. 

Rilke schenkt uns in seinem Gedicht "An Hölderlin" ein Bild für das Gefühl des Unbehaustseins: Ungeborgen ausgesetzt auf den Bergen des Herzens, Steingrund unter den Händen.

Das Christentum hat seine Antwort auf das Unbehaustsein. Es gibt ein Kirchenlied von Paul Gerhardt: "Wir sind nur Gast auf Erden". Dort, wo man Gast ist, ist man nicht zu Hause. Unser Zuhause, sagt das Christentum, erwarte uns nach dem Tod: der "Himmel", wie immer wir ihn uns vorstellen. Aber das ist nicht die Auffassung des Zen, für das es kein "Jenseits" gibt. Oder, besser gesagt: Das Jenseits ist im Hier und Jetzt enthalten.

Um das zu verstehen, müssen wir uns von der Vorstellung des Zuhauses als einem Ort verabschieden.

"Listen, listen, this wonderful sound brings me back to my true home", heißt es in der Glocken-Meditation der Intersein-Schule. Was ist das wahre Zuhause, in das wir auf der Frequenz des Glockenklangs durch bloßes Lauschen eintreten können? Wir sind uns zumeist nur unseres persönlichen Geistes bewusst, der uns hilft, unseren Alltag zu meistern durch Planen, Erinnern, Urteilen, Abwägen, Entscheiden. Dieser Geist ist hilfreich, aber sehr begrenzt; er gehört der historischen Dimension an. Gleichzeitig jedoch ist er Teil des großen universellen Geistes und kann ihn berühren.

Sobald wir in den universellen Geistes eintreten - vielleicht, indem wir einer Glocke oder einem Vogel lauschen, einen Sonnenuntergang betrachten, einer Sinfonie zuhören -, sind wir nicht mehr begrenzt auf unser persönliches Schicksal. Wir spüren Weite um uns und fühlen uns verbunden mit allem, was ist. Wann aber tun wir das, wenn nicht immer nur im Jetzt? Es gibt nur diesen Augenblick, es kann nie eine andere Zeit geben. Deshalb kommen wir in jedem Augenblick an (in welcher Zeit sonst könnten wir ankommen?), deshalb sind wir in diesem Augenblick (wo sonst?) zu Hause. Unser wahres Zuhause ist kein Ort, sondern dieser Augenblick.

Vielleicht erkennen wir dann, dass das scheinbar Verlorene aufgehoben ist im Ganzen, dass aus ihm Neues entstanden ist wie aus einer abgestorbenen Pflanze. Und wir sehen, dass wir nicht alleine sind, wir bewegen uns in einer Gemeinschaft von Menschen, die, wie wir, das Gefühl des Fremdseins kennen und es, einfach durch ihre Anwesenheit, in ein Gefühl der Verbundenheit verwandeln. Und so endet das Gedicht von Rilke auch mit diesem Bild: "... immer wieder gehn wir zu zweien hinaus unter die alten Bäume, lagern uns immer wieder zwischen die Blumen, gegenüber dem Himmel."

 

Montag, 12. April 2021

Geistersuppe


Landregen

Weiße Geister kochen Sauerampfersuppen an den Teichen.
Überm Feld bleibt lang ein Flüstern stehn,
die Minuten zögern zu vergehn,
und aus Ziegeldächern ist ein Wunsch zu lesen wie aus Zeichen.
 
Träge lehnt der Wald am Himmel, beide tauschen Dunkelheiten,
es versinkt im Grab ein Namensstein,
eine Botschaft schreibt im Kies sich ein,
in den langen Blick der Katze tritt ein Traum aus frühen Zeiten.
 
Leise splittern blinde alte Spiegel auf den Wassergraben,
aus dem Grund steigt die versunkne Stadt,
vom Kalender fällt ein Juniblatt,
wer jetzt Glocken läuter hört, der wird bald viel zu denken haben.
 
Margrit Irgang
 


Aus: Margrit Irgang "Die erste und einzige Geschichte vom Gedankenland", Oetinger Verlag.

Nur noch erhältlich antiquarisch oder bei der Autorin.

Dienstag, 6. April 2021

"Was uns heilig ist" auf Arte


 

"Was uns heilig ist" - eine schöne Serie in 5 Folgen auf Arte. Alle entweder in der Arte Mediathek oder auf youtube zu sehen.

In dieser Folge 2 geht es um die Suche nach Weisheit, in Kyoto, in Dharamsala, Varanasi, Griechenland und den USA. 

Schaut Euch auch die erste Folge an, über die Natur, die unseren Vorfahren heilig war.

Wie schön, dass es solche Filme heute ganz selbstverständlich im Fernsehen gibt, ohne dass ein Redakteur sich Sorgen macht um geringe Einschaltquoten oder um seinen "guten Ruf" oder den seines Senders. Der Suche nach Spiritualität in ihren diversen Formen wird hier der Respekt erwiesen, den sie verdient hat.

 

Samstag, 3. April 2021

Frohe Ostern

 

Wir glauben immer, nur das sei real, was unsere Augen sehen. Aber das, was unsere Augen nicht sehen, ist unendlich größer.

Auf diesem Bild sehen wir 90 Eier. Doch, doch. Eins (1!) ist kaputt. Neunundachtzig (89!) sind verkauft. Aus ihnen ist inzwischen so richtig was geworden. Wenn wir genau hinschauen, sehen wir auf diesem Bild auch die Endstadien der neunundachtzig Eier: Osterlämmer aus Biskuit, Osterhasen aus Mürbteig, Nusskuchen, Mandeltörtchen, Biskuitrollen, Käsekuchen, Himbeermuffins, Rüblitorte, Ostersonntagsbrunchpfannkuchen, Ostermontagsbrunchquiche, Rosinenbrötchen, Rührei, Spiegelei ...

Da seht ihr mal, wie unbedeutend das eine (1!) kaputte Ei in drei Eierkartons mit je dreißig Eiern am Ende eines Markttags ist. Vielleicht ist das ja eine Metapher. Für unser Leben und unser Lebensgefühl. Das sich sehr lange mit dem Zerbrochenen aufhalten kann und das riesengroße Unsichtbare übersieht. Den Kontext. Also: den überreich gedeckten Tisch.

Mit diesen 90 Eiern wünsche ich Euch ein frohes Osterfest voller allerfeinster Köstlichkeiten.

 

Donnerstag, 25. März 2021

Was nährt uns?

 Noch nährt sie nicht meinen Bauch - meine Balkon-Himbeere -, aber wie sie meine Sinne und meine Freude nährt!


Unsere Online-Meditation am vergangenen Sonntag hatte das Thema "Was nährt uns?" Wir haben uns darüber ausgetauscht, was uns hilft in dieser schwierigen Zeit. Jede und jeder hat mit uns geteilt, wo sie oder er jetzt Kraft findet. Und alle Kraftquellen hatten in irgendeiner Weise mit den Sinnen zu tun.

Im Puttamamsa Sutta erläutert der Buddha die Sinneseindrücke als "Nahrung". Wir wissen ja, dass Nahrung nicht notwendigerweise gut und gesund ist. Unsere Sinne können nicht zwischen giftiger und wertvoller Nahrung unterscheiden; sie nehmen unterschiedslos auf, was wir ihnen anbieten. Das erklärt der Buddha im Sutra mit einem Beispiel:

"Nehmen wir an, da ist eine Kuh, die den größten Teil ihrer Haut verloren hat. Wenn die Kuh sich an eine Lehmmauer lehnt, werden all die kleinen Wesen, die in der Mauer leben, kommen und das Fleisch der Kuh fressen. Dasselbe geschieht, wenn die Kuh sich an einen Baum lehnt. Ginge die Kuh ins Wasser, würden all die kleinen Wesen, die im Wasser leben, kommen und das Blut der Kuh aussaugen. Und wenn die Kuh der Luft ausgesetzt wäre, würden all die Wesen, die in der Luft leben, kommen und sich von der Kuh ernähren."

Wir alle sind in gewisser Weise Kühe ohne Haut. Wir sollten die Gewalt, mit der Sinneseindrücke sich auf uns stürzen, nicht unterschätzen. Wenn wir nicht aufpassen, fressen sie uns auf. Was also schauen und hören wir uns den ganzen Tag lang so an? Was von den gerade in Zeiten der Lockdowns so zahlreichen Online-Angeboten nehmen wir wahr, was ist für uns wirklich wichtig und hilfreich? Ich finde es hilfreich, darüber genau nachzudenken, damit ich mich, wo immer das möglich ist, bewusst entscheiden kann anhand meiner Erkenntnis: für einen Eindruck oder dagegen.

Auf dem Foto seht ihr, was mich gerade nährt: die Natur, die Waldgänge und mein Balkon, den ich in diesem Jahr umstellen werde auf einen wildbienenfreundlichen Wildblumenbalkon. Ich werde euch zweifellos in den nächsten Monaten mit Neuigkeiten von der Wildblumen- und Bienenfront nerven.

Und was nährt euch?


Samstag, 20. März 2021

Heute ist Weltglückstag

 

May your choices

reflect your hopes,

not your fears.

 

Nelson Mandela 

 

Heute ist "Weltglückstag". Er wird am 20. März jeden Jahres seit 2013 gefeiert. "Mit dem Internationalen Tag des Glücks will die UN Anerkennung gegenüber Staaten zum Ausdruck bringen, die Wohlstand auf eine Art und Weise messen, die über den materiellen Wohlstand hinausgeht", sagt Wikipedia. Und was ist mit uns, den einzelnen Menschen, mir dir und mir? Wie definieren wir Glück? Wie messen wir Wohlstand? ("Messen" wir ihn? Ist er eine Quantität - oder nicht doch eine Qualität? Unmessbar?)

Mein Beitrag zum Weltglückstag ist ein schlichter Satz von Nelson Mandela. Der ist nicht Rosafarben, kein "positives Denken"; er anerkennt die dunkle Seite des Lebens, er weiß, dass wir alle unsere Ängste haben, er sagt nicht, dass diese Ängste überflüssig sind, dumm, oder dass wir sie - sehr beliebt bei "positiven Denkern" - "loslassen" sollen. Der Satz sagt: Es gibt deine Ängste, und es gibt noch etwas anderes. Hoffnung, Zuversicht, das Licht auf dem Teich, das erste Veilchen im Wald. Er sagt: Du hast die Wahl, denn du hast immer mehrere Möglichkeiten.

Wer meinen Beitrag "Corona - Zeit der Möglichkeiten" im Netzwerk ethik heute noch nicht gelesen hat: hier (klick) ist er zu finden.

 

Sonntag, 14. März 2021

Der ultimative Familien-Lockdown-Song

 

Konzerthallen zu, Festivals abgesagt, Freunde treffen nicht erlaubt - da macht man doch sein eigenes Konzert, wenn man schon zu sechst ist. Und nichts Vorgefertigtes, nichts mit langweiligen Noten, von denen man mühsam abliest. Sondern selbst getextet zu Popsongs, die man sich mal eben ausleiht (das britische Urheberrecht ist, by the way, da nicht so pingelig wie das deutsche).

Ladies and Gentlemen, welcome the Marsh family: Ben, Danielle, Alfie, Thomas, Ella und Tess. Eine coole Familie, in der wäre ich gern groß geworden.

Habt einen fröhlichen Sonntag.


Mittwoch, 10. März 2021

Fragile Schönheit

 

Dies entdeckte ich zwischen den Bodenplatten meines Balkons, dort, wo der Regen nicht hinkommt. Ich schaute mir das Gewächs an und fragte mich, was das gewesen war. Im nächsten Moment bemerkte ich beschämt, was ich da gedacht hatte. Ich hatte fraglos angenommen, dass diese namenlose Pflanze als verdorrte nicht mehr existierte. Ihre Blüh-Zeit war abgelaufen, also gab es sie für mich nicht mehr. Aber sie ist hier, zwischen meinen Bodenplatten, zart und zerbrechlich, eine pergamentene Schönheit, von der ich den botanischen Namen nicht weiß und jetzt auch nicht mehr wissen will.

Wie für uns Ältere empfohlen, kaufe ich zu ruhigen Zeiten im Supermarkt ein, so zwischen zwei und drei. Dann kommen die alten Damen und Herren aus dem benachbarten, sehr feinen Seniorenheim, und schieben ihre Rollatoren durch die Gänge. Seit ich mein unbekanntes Gewächs hüte, indem ich es vor den gelegentlichen Frühlingsorkanen mit einem großen Blumentopf schütze, schaue ich den Damen und Herren in die Gesichter. Ich sehe Zartes und Zerbrechliches und manchmal eine durchsichtige Schönheit, die nur entsteht, wenn die Blüh-Zeit zuende ist.

Manchmal schaue ich in den Spiegel und frage mich, ob mein Gesicht in zehn Jahren eine solch fragile Schönheit haben wird wie meine unbekannte Pflanze. Vielleicht muss man voll und ganz geblüht haben, um solch ein Pergament zu erschaffen. Und ich weiß nicht, ob ich das für mich in Anspruch nehmen kann.

Wir werden sehen.


Montag, 1. März 2021

Nichts Besonderes

 

Nichts Besonderes. Nur ein Nachmittag voller Glück im Vorfrühling. Nur der sonnenüberflutete Waldrand, die neugierigen Meisen, der hämmernde Specht (oder war es ein Kleiber?). Nur das erste Scharbockskraut im Unterholz, die winzigen Blüten vom Ehrenpreis am Feldrain. Die Büschel von Schneeglöckchen.



Nur die Weite des umgepflügten Feldes, das saftige Grün der Weide, das spätnachmittagliche Licht auf einem Pferderücken. Nur der Hahn mit seinen Hennen, die Zuneigung zweier Kühe, Kopf an Kopf ruhend, und die Gelassenheit der Gänse. Und nur die Handy-Kamera dabei.

 


Wie gesagt: Nicht mehr als das. Und doch alles da für das Glück.


Dienstag, 23. Februar 2021

Frau Irgang kocht: Risotto mit Birne und Radicchio

Am Sonntag haben die Menschen das gute alte Picknick wieder entdeckt. Saßen auf allen verfügbaren Bänken, Thermoskannen und Brotdosen zwischen sich. Sogar Decken waren am Bach ausgelegt. Ich fühle durchaus mit den Café- und Restaurantbesitzern, die ihre spärlichen Abholkarten ins Internet stellen, aber unser Lieblingsrestaurant hat auf alle Preise zwei bis drei Euro aufgeschlagen. Und weil der armen Meditationslehrerin coronabedingt ein Seminar nach dem anderen abgesagt wird (fünf bis jetzt, die sechste Absage droht), tut sie, was sie immer getan hat: kochen!

Heute mal wieder ein Rezept in der für mich typischen Geschmacksmischung pikant-fruchtig.

Wie macht man's? Mengen ganz nach Wunsch. Hier zum Beispiel für eine Person:

Eine Schalotte fein würfeln, in Olivenöl sanft glasig braten. Risotto-Reis (Carnaroli oder Arborio) dazugeben, mit der Zwiebel verrühren. Dann mit Gemüsebrühe gerade so bedecken, die Brühe regelmäßig nachfüllen und unter ständigem Rühren sämig kochen. Zum Schluss einen Schuss Weisswein dazugeben.

Währenddessen eine Birne schälen und in ca. 1,5 cm breite Stücke schneiden. Eine große Handvoll Radicchio in schmale Streifen schneiden (fällt zusammen, also eher mehr). In einer Pfanne ca. 1 EL Olivenöl mit ca. 1 EL Butter schmelzen lassen, 1 TL Puderzucker hineingeben und karamellisieren lassen. (Den Reis nicht vergessen! RÜHREN!)

Birne und Radicchio mit ein wenig frischem Rosmarin in der Öl-Butter-Mischung schwenken, bis der Salat zusammenfällt. Mit Salz und Pfeffer würzen. Wenn der Risotto fertig ist, ein großzügiges Stück Blauschimmelkäse (ich nehme St. Augur, Rocquefort ist auch nicht schlecht) und die Birne-Radicchio-Mischung unterrühren.

Wer's mag, kann Parmesan darüber reiben.

Guten Appetit.


Sonntag, 14. Februar 2021

Neue Ausstellung im Winterweltmuseum

 

 

Wer mein Lieblingsmuseum in Corona-Zeiten noch nicht kennt: Vor drei Monaten habe ich darüber geschrieben hier (klick). 

Im Moment ist eine temporäre Ausstellung mit Abstrakten zu sehen. Sozusagen eine Pop-up-Ausstellung, also ein modernes Format. Man sollte sich beeilen mit dem Besuch. Ich liebe ja sehr die Abstraktion - sie gibt meinem Geist den Raum, den er braucht, um sich zu entfalten. Wenn dann auch noch die Farben so gedämpft sind wie in diesen Exponaten, bin ich restlos glücklich. Ich kann, wenn ich will, allerlei Konkretes ins Abstrakte hineindenken. Ich kann es aber auch lassen und mich einfach nur erfreuen an Licht, Schatten, Struktur.

 


Genau, Struktur. Das ist das Besondere an dieser neuen Ausstellung: Man weiß eigentlich nicht genau, ob man es mit Bildern oder Objekten zu tun hat. Es wirkt alles so plastisch, aber gleichzeitig auch flächig. Was mich aufs Neue davon überzeugt, dass man Kunst nicht in etikettierte Schubladen sperren darf. (Gespräch mit einer Buchhändlerin vor ein paar Jahren: "Ich weiß nicht, wo ich Ihre Bücher einordnen soll. Das ist weder Bellektristik noch Sachbuch.")

Ich empfehle die neue Ausstellung im Winterweltmuseum nachdrücklich. Aber, wie gesagt: schnell anschauen. Könnte morgen schon vorbei sein.