Dienstag, 28. Februar 2023

RIP Clemens Arvay

 

 Clemens Arvay stellte schon mal sein Klavier in den geliebten Wald

 

Ich habe gezögert, diesen Post zu schreiben, denn ich habe nichts anderes zu sagen als das, was in einigen kleinen Ecken des Internets bereits tausendfach gesagt wurde, seit wir die Nachricht hörten: Clemens Arvay, der österreichische Biologe, hat seinem Leben ein Ende gesetzt. Aber ich bin so betroffen und traurig, dass ich - vielleicht auch nur für mich - etwas über diesen so besonderen Menschen in Worte fassen möchte.

Seine Arbeit begleitet mich seit Jahren, ich habe viele seiner Bücher gelesen und seinen youtube-Kanal abonniert. Clemens Arvay ging mit heiligem Ernst an seine Aufgabe, die Menschen zu einem ganzheitlichen, gesunden Leben zu inspirieren. Er deckte üble Praktiken in der Biobranche auf, und da sein Fachgebiet das Immunsystem war, warnte er frühzeitig vor den Risiken der Corona-Impfstoffe (auch wenn er keineswegs ein Impfgegner war) und sagte präzise das voraus, was heute als Post-Vac-Syndrom bezeichnet wird. Für seine Einstellung wurde er zunehmend angefeindet und gemobbt.

 


Dieses Buch half mir, mich wieder ganz konkret mit dem Wald zu verbinden, den ich verloren hatte, als ich vom Schwarzwald zurück in die Stadt zog. Clemens Arvay schreibt über die Heilkräfte der Natur und darüber, wie großartig die Pflanzen mit unserem Immunsystem kommunizieren. Aber mehr noch als seine Arbeit liebte ich seine Menschlichkeit und Persönlichkeit. Er war ein sensibler, sanfter Mensch, der beseelt war von seiner Aufgabe. Ein genau recherchierender Wissenschaftler, der immer sachlich argumentierte und nie einen Gesprächspartner verletzte. Gleichzeitig war er ein Künstler, der viele Instrumente spielte und sein Klavier schon mal in den Wald stellte.

Die Hetze in den Medien gegen ihn traf ihn unvorbereitet und mit voller Wucht. Weggefährten sagen, er sei in den letzten Monaten tief verzweifelt gewesen.

Ein wunderbarer Mensch und Wissenschaftler ist uns verlorengegangen.


Freitag, 24. Februar 2023

Was schön war


Viel Schönes erlebt in dieser Woche: Wieder Grün gesehen. Den linken blauen Socken wiedergefunden und mit seinem Bruder vereint. Im Seminar an drei Tagen Wirsing, Linsen und Kichererbsen vorgesetzt bekommen, und ich habe es überlebt. Ein tolles Buch gelesen (demnächst hier mehr). Eine Anfrage nach einem Artikel zum Thema "Gehirn und Geist" erhalten, und mir ist tatsächlich was eingefallen. Beim Türken ein Baklava gekauft, das schaurig geschmeckt hat, aber sehr hübsch orange war. In einem sehr guten Webinar über ätherische Öle eine aufregende Erfahrung mit der Immortelle gemacht. Mit Monika koreanisch gegessen. Im koreanischen Restaurant einen ungehorsamen Teekessel entdeckt und froh gewesen, dass es auch in Asien Eigenwillige gibt (siehe unten). Siebenundzwanzig E-Mails beantwortet, ohne hinterher flach am Boden zu liegen. Jede Nacht geschlafen wie ein Baby. Mich am Freitag Nachmittag um 14.51 Uhr auf all das Schöne gefreut, das am Samstag und Sonntag in mein Leben spazieren wird. Ich muss aufhören, der Text wird sonst zu lang.




Sonntag, 19. Februar 2023

Zwei besondere Bücher

 


Padre Roque de Guzmán, 50 Jahre alt, führt eine gemütliche Priesterexistenz am Rand von Madrid. Er kennt die Sünden seiner Schäfchen; ein paar Einbrüche und Ehebrüche, die man mit ein paar Ermahnungen und Bußgebeten wieder ausbügeln kann. Eines Tages jedoch betritt ein Unbekannter seinen Beichtstuhl, und dessen Sünde ist nicht harmlos. Schnell wird klar, dass es um Pädophilie geht: Der Unbekannte wird – weil er sich einredet, es sei sein Schicksal – einen kleinen Jungen verführen. Der Padre würde ihm gern vierzig Vaterunser aufgeben und den Kerl wieder loswerden, allein, diesmal funktioniert das nicht. Im Verlauf der Gespräche über mehrere Tage wird dem Padre selbst der Boden unter den Füßen weggezogen, denn das, was der Unbekannte ihm da als vorweggenommene Tat beichtet, erweckt seine eigene Vergangenheit zu verstörendem Leben. Ein atemberaubend spannendes philosophisches Gespräch über Schuld, Sünde und Vergebung entspinnt sich. Und der Schluss ist so überraschend, dass ich kein Wort darüber verliere. Ein unglaubliches Buch. Lesen! Steven Uhly „Die Summe des Ganzen“, Secession Verlag

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1989, an der österreichisch-tschechoslowakischen Grenze. Das Mädchen Malina nimmt Dinge wahr, die andere nicht bemerken. Sie wandert in den Gedanken der Menschen umher, sieht künftige Ereignisse und fühlt sich dem, was ihr geschieht, hilflos ausgeliefert. Für ihre Familie ist sie das "Narrenkastl", sie "spinnt", und natürlich bringt man sie in die Psychiatrie, wo sie, wie alle hoffen, wieder "normal" werden wird. Malina jedoch taucht in die andere Welt ein, in der andere Gesetze herrschen. Sie erkennt etwas Grundlegendes: Alles geschieht gleichzeitig. "Zukunft kommt nicht, Vergangenheit vergeht nicht." Und sie erkennt, dass alles dem Einen Grund entspringt. "Und da alles eins war, war: alles auch ich. Und da alles zeitlos war, war auch ich zeitlos. Sämtliche Menschen, Lebewesen und Dinge bin ich." Thomas Sautner spielt mit dem Thema Grenze. So willkürlich, wie die Grenze zwischen den beiden Ländern gezogen wurde (es gibt nicht mal einen Zaun, Malina kann hin und her spazieren), so imaginär sind die angeblichen Grenzen im Geist zwischen dem, was als Realität gilt, und dem, was vernünftige Zeitgenossen Illusion oder Einbildung nennen. Malina hat das Wissen der alten Weisen und Rishis: Der Urgrund des Seins ist Bewusstsein, das sich in unendlicher Formvielfalt ausdrückt. Dort gibt es keine Zeit und keine Trennung zwischen den Phänomenen. Dieser erstaunliche Roman fasst uraltes spirituelles Wissen überzeugend in poetische Bilder. Ich bin fasziniert. Thomas Sautner "Das Mädchen an der Grenze", Aufbau Taschenbuch Verlag

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Montag, 13. Februar 2023

Rebecca Louise Law

 

 
 
Ich folge der Künstlerin Rebecca Louise Law seit Langem auf Instagram. Mit getrockneten Blüten erschafft sie eine stille und zarte Schönheit, die atemberaubend ist. "We need to simplify things again. We need to look at the beauty in just being."

Bis Ende August zeigt die Kunsthalle München eine ihrer großen Installationen, für die Münchnerinnen und Münchner Hunderttausende Blüten gesammelt und auf Draht gezogen haben. Ich glaube, ich muss in diesem Jahr nach München fahren.

 

 

Dies ist ein ausführlicher Film über Rebecca und ihre Arbeit. Und hier (klick)   ist der Beitrag über die Münchner Ausstellung in der Kultursendung "titel thesen temperamente".

"Leben heißt lernen, Zeit verstreichen zu lassen."

So ein schönes Werk. 


Mittwoch, 8. Februar 2023

Frage


Eine Frage, die unsere Konditionierungen aufbricht und unsere Erinnerungen als trügerisch entlarvt:

 

Heute, in dem Alter, das du jetzt hast, welches immer das ist -

was erkennst du heute als einen Akt der Liebe, das, während es geschah, wie das Gegenteil von Liebe aussah?

 

Donnerstag, 2. Februar 2023

Brigid reitet über Land

 


Man muss den Ahnen vertrauen, sie wussten mehr als wir. Sie sagen uns: Heute beginnt die helle Zeit. Die katholische Kirche nennt den Tag Maria Lichtmess. Offiziell endet heute die Weihnachtszeit; die Tannenbäume, falls sie nicht längst in der Heizungsluft vertrocknet sind, müssen jetzt entsorgt werden. Der 2. Februar gilt als ein Tag der Reinigung, was wahrscheinlich auf die jüdische Auffassung zurückgeht, nach der eine Frau vierzig Tage lang nach der Geburt eines Sohnes als unrein galt, weshalb sie sich anschließend einem Reinigungsritual unterziehen musste. Das kommentiere ich jetzt mal nicht.

Aber auch dieses Fest hat uralte Wurzeln. Im keltischen Jahreskreis ist es die dreifaltige Göttin in ihrer hellen Gestalt als Brigid (wenn Ihr Birgit oder Birgid heißt, ist das Euer Fest), die auf einem weißen Hirsch über das Land reitet, die Samen im Boden aufweckt und die Bäume schüttelt, sodass die Säfte aufwachen und zu fließen beginnen. Auch im alteuropäischen und indischen Jahreskreis war dies eine Zeit der Reinigung, denn die Dunkelheit wurde als unrein angesehen. Die Birke ist der Baum der Brigid, und wer sich mit Birkenwasser gewaschen hatte, konnte leicht und rein in den kommenden Frühling schreiten.

Eine Bauernregel besagt über Maria Lichtmess:  Ist´s an Lichtmess hell und rein, wird ein langer Winter sein. Wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit. Der fabelhafte Wolf-Dieter Storl drückt das viel schöner aus: Anfang Februar "schauen Dachs und Bär aus ihren Höhlen hervor, und wenn sie blinzeln müssen, weil es zu hell und sonnig ist, ziehen sie sich noch einmal für sechs weitere Wochen in die Erde zurück, denn so lange würde der Winter noch halten".

Ich blicke besorgt zum südbadischen Himmel, blinzele in die Sonnenstrahlen, die zwischen den Wolken hervorscheinen, und denke, ausnahmsweise mal beruhigt, dass all die alten Bauernregeln ja längst nicht mehr gelten. Ich habe nämlich bereits vor zwei Wochen die Fußabdrücke der nackten Sohlen der Göttin gesehen, im Vorgarten meiner Nachbarin. Dutzende von ihnen, und sie waren weiß und rein.