Mittwoch, 29. Mai 2019

Himmels-Fahrt mit Monteverdi



Weil der Mai hienieden auf Erden so kalt ist.

Weil es ein schönes Lied ist.

Weil mein Chor es gerade für das nächste Konzert probt.
 (Emmendingerinnen, schon mal notieren: Konzert-Matinee am Sonntag, 13. Oktober!)

Kommt gut in den Himmel morgen.


Donnerstag, 23. Mai 2019

Familienunternehmen


Einer muss den Job ja machen.

Früher, als Opa noch lebte, war's leichter. Der machte das gern. Für den Sessel extra ein Podest, damit er rausschauen konnte. War sehr genau, muss man ihm lassen. Brüllte auch eindrucksvoll.

Aber heute. Alle sind ständig unterwegs. Arbeiten. Schule. Shoppen. Friseur.

Und extra jemanden einstellen dafür? Können wir uns nicht leisten.

Einer muss den Job halt machen.

Freitag, 17. Mai 2019

"Fridays for Future" und "Wochenende der Freude"


Der Snowmonkey ist noch nicht ausgestorben ...

Ich bin von einer Leserin ein wenig gerügt worden wegen meiner Posts, die so viel "heile Welt" enthielten. Ob ich mich nicht mal mit der Klimaerwärmung befassen wolle, ob mir die Initiative "Fridays for Future" bekannt sei?

Dann befasse ich mich also mal. Und ergänze, dass es inzwischen auch Parents for Future, Teachers for Future, Artists for Future, Writers for Future und vermutlich weitere gibt. Über die ich informiert bin, weil ich täglich die Online-Ausgaben von Süddeutsche Zeitung, Die Zeit und Guardian lese (bester Journalismus, große Empfehlung). Deshalb bewegen mich noch ganz andere Themen, und alle empfinde ich als persönliche Fragen an mich und meinen Lebensstil.

Als Näherin und Strickerin bin ich mir zum Beispiel der Qual der Angorakaninchen beim Scheren und der Schmerzen der Kaschmirziegen bewusst, wenn ihnen brutal die Haare ausgerissen werden, um die Welt mit billigen Kaschmirpullovern zu versorgen. Um 1 kg Baumwolle zu ernten, werden weltweit 11.000 l Wasser benötigt. Um Seide zu gewinnen, werden die Kokons mit den lebenden Raupen in kochendes Wasser geworfen. Für Viskose wird in Indonesien der Regenwald abgeholzt, und das neuerdings gepriesene Modal, aus Buchenholz gewonnen, könnte zu einem massiven Raubbau an unseren Buchenwäldern beitragen. Es gibt Antworten darauf, und je nach Situation wähle ich eine davon. Einen Biostoff kaufen, Altes umarbeiten, Secondhand kaufen, gar nichts mehr kaufen.

Ich ernähre mich biologisch, weil ich die Bienen, Wespen und Käfer und meine Gesundheit erhalten will. Aber ich muss mich fragen, ob ich die Umwelt mit einer Autofahrt schädigen soll, um im 9 km entfernten Bioladen Kartoffeln, Karotten und einen Salat zu kaufen, oder zum Supermarkt um die Ecke gehe, wo das Biogemüse nur in Plastik eingeschweißt verkauft wird. Ein Lebensstil, der kein Leiden erschaffen und Schaden verhindern will, ist voller Fragen, die täglich neu beantwortet werden wollen. Soll ich mein Buch bei meinem Buchhändler in der Stadt kaufen (mit der Bahn kostet das 4,30 EUR und einen ganzen Nachmittag, mit dem Auto verschmutze ich die Luft) oder es lieber online bestellen und den Arbeitstag des schlecht bezahlten Hermes-Boten mit meinem Paketchen verlängern? Was wiegt mehr: die Umweltbelastung durch den Langstreckenflug oder die Erweiterung meines geistigen Horizonts durch die Erfahrung einer anderen Kultur?




... und die sind auch nicht ausgestorben ...


Für eine bewusste Lebenshaltung gibt es keine einfachen Antworten. Es gibt kein Handbuch, in dem man nachschlagen könnte, keine Regeln und keine Gebote. Es gibt nur uns selbst mit unserer genauen Wahrnehmung dessen, was die Situation in diesem Moment erfordert, und unserem Mut, Verantwortung für unsere Entscheidungen zu übernehmen.

Ich weiß aber auch, dass bei uns Depressionen, Zukunftsangst und Resignation zunehmen. Und dass Menschen, die ihre Freude am Leben verloren haben, ihrer Umwelt genauso viel Schaden zufügen wie die Firma Monsanto. Deshalb möchte ich hier ein kleines Gegengewicht bieten zu all den Problemen, von denen die Medien ohnehin ständig reden. Auch das ist eine Haltung "zum Wohle aller Wesen", wie es der Buddhismus so schön ausdrückt. Und auch dies ist buddhistisch: Das Heilsame ist im Unheilsamen bereits enthalten.

Deshalb rufe ich auf zu einem Wochenende der Freude über all das, was noch nicht ausgestorben ist, noch da ist, lebt, atmet, duftet, summt und brummt. Die Meisen, Rotkehlchen, Amseln und Spatzen, die Katzen, Hunde, Pferde, Wespen, Glühwürmchen, Fliegen, Bienen (auf dem Balkon die "Bienenmischung" pflanzen!), die Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Pilze, die Mohnblumen, Akeleien, wilden Orchideen, Narzissen, Tulpen, Maiglöckchen, Rosen, Hortensien ...

Die Liste darf unendlich ergänzt werden.


Sonntag, 12. Mai 2019

Leuchtender Tag


"Wenn Tag und Nacht so sind, dass man sie freudig begrüßt, und das Leben nach Blumen und frischen Kräutern duftet, wenn es federt, strahlt, unsterblich ist - das ist der Erfolg. Die ganze Natur beglückwünscht dich, und du hast guten Grund, dich für diesen Augenblick glücklich zu preisen. Die größten Reichtümer und Werte werden am wenigsten geschätzt. Wir sind nur zu leicht bereit, an ihrer Existenz zu zweifeln, und vergessen sie schnell. Sie aber sind die höchste, die eigentliche Wirklichkeit. Die verblüffendsten Tatsachen werden in ihrer ganzen Realität kaum jemals von Mensch zu Mensch mitgeteilt. Die wahre Ernte meines täglichen Lebens ist etwas so Unberührbares, so Unbeschreibliches wie die Himmelsfarben am Morgen oder Abend; sie ist eine Handvoll eingefangenen Sternenstaubs, ein Stückchen Regenbogen."

Henry David Thoreau
"Walden" 

Mittwoch, 8. Mai 2019

Regentag

 

Auch als Wasserpflanze überlegt man sich an solchen Tagen, ob man nicht lieber den hauseigenen Schirm hochklappt und drinnen bleibt. Wasser von oben ist ja etwas anderes als Wasser von unten. Vor allem, was von oben kommt, muss man sich als Wasserpflanze hüten. Scheren, Fußbälle, Hagelkörner und pflückende Hände haben schon ganze Ahnenreihen vernichtet. Kürzlich geriet die Familie einer Kusine ins Blickfeld einer rudernden Geburtstagsgesellschaft, die schon ausgiebig gefeiert hatte. Die arglos auf dem Wasserspiegel Treibenden wurden als Geburtstagsstrauß unter Johlen aus dem Schlamm gerissen, in den Bug geworfen und verstarben auf dem Weg zum Ufer. Besser den Schirm heute fest geschlossen halten.