Sonntag, 25. Juli 2021

Das Intersein-Zentrum sucht Dich! An Appeal to You.

(In English below)

Ich bin soeben von meinem diesjährigen Retreat im Intersein-Zentrum im Bayerischen Wald zurückgekommen. Wir haben wieder erfüllte Tage in Stille, Ruhe und Schönheit erlebt. Dieses wunderbare Zentrum sucht nun dringend personelle Unterstützung für die Hausgemeinschaft. Du würdest für eine gewisse Zeit - ein paar Wochen oder Monate - in Küche, Haus und Garten mitarbeiten und in dieser täglichen Arbeit - ergänzt natürlich durch die regelmäßigen Meditationen im schönen Zendo, Vorträge und Gespräche - die Achtsamkeitspraxis in der Tradition von Thich Nhat Hanh ganz konkret kennenlernen. Wäre das etwas für Dich?

Ich stelle mir vor, dass Du ein Mensch bist, der im Moment eine Auszeit braucht, weil Du nicht so recht weißt, wie es weitergehen soll mit Deinem Leben. Vielleicht hast Du Dein Studium oder Deine Lehre beendet oder als ungeeignet abgebrochen und bist ratlos, was Du als Nächstes tun sollst. Vielleicht hast Du einen Verlust erlitten - ein geliebter Mensch hat Dich verlassen oder Du hast Deine Arbeit verloren - und willst, unterstützt von einer liebevollen Gemeinschaft, neue Perspektiven für Dich finden. Vielleicht bist Du auch gerade in Rente gegangen, das Eingebundensein in einen Arbeitsablauf und Kollegenkreis fehlt Dir, und Du möchtest herausfinden, wie Du Dein neues Leben gestalten willst.

 


 

Das Intersein-Zentrum liegt am Waldrand mit weitem Blick ins Tal. Im Nutzgarten wachsen Beeren, Kräuter, essbare Blüten und Gemüse aller Art. Aus dem Lavendel und den Rosen, die überall zu finden sind, steigen Wolken von Schmetterlingen und Bienen, und morgens treten die Rehe aus dem Wald und schauen in die Landschaft. Bei meinen sehr frühen Gängen durch die taufeuchten Wiesen im Sommer gelingt es mir manchmal, eins zu sehen. Und wenn Du Schnee liebst: den gibt es hier im Winter noch reichlich.

 

 

Das Intersein-Zentrum wird geleitet von meinen langjährigen lieben Freunden Helga und Karl Riedl; sie sind von Thich Nhat Hanh autorisierte Dharmalehrer. Du würdest in eine liebevolle kleine und internationale Gemeinschaft aufgenommen werden, und ich bin sicher, es wäre eine wertvolle Zeit für Dich und Dein weiteres Leben. Die Hompepage des Intersein-Zentrums findest Du hier (klick)

Wenn Du Dich angesprochen fühlst, schreibe eine Mail an Karl Riedl: buero@intersein-zentrum.de 

 


 

I have just returned from the annual retreat I give at Intersein-Zentrum in Bavaria. There I learned that the small and international community is looking for persons who can support the house team. Do you want to dive deeply into the mindfulness practice of Thich Nhat Hanh? Then this is your chance. You would live at the center for a certain period of time - say, a few weeks or months -, work in the house, kitchen and garden and benefit from daily meditations and guidance from my dear friends Helga and Karl Riedl, Dharma teachers in the tradition of Thich Nhat Hanh. Both are fluent in English and Helga speaks very good Italian. The pictures I took last week may give you an impression of the beauty of this place. You would be part of a loving community and I am sure the time at the center would be a treasure for your life. You can write a mail to Karl Riedl buero@intersein-zentrum.de


Mittwoch, 14. Juli 2021

Voces8 singt Rheinberger

 


"Abendlied" von Rheinberger in unübertroffener Schönheit gesungen

von meiner Lieblingsgruppe Voces8.

Habt eine gute Zeit.


Freitag, 9. Juli 2021

In der Grauzone


Dieser Sommer in Süddeutschland ist ein Sommer in der Grauzone. Die Grauzone hat ja keinen guten Ruf. Sie ist irgendwie zwielichtig, kein Ort, an dem sich ein ordentlicher südbadischer Vorortbürger aufhalten möchte. Weiß man ja nicht, was einem da so begegnet (an zwielichtigen Gestalten). Die Grauzone ist, wenn sie kein Ort ist, ein Zwischenzustand, weder Weiß noch Schwarz, metaphorisch gesagt: weder gut noch schlecht. Also neutral. Die Neutralität wiederum hat auch nicht gerade viele Anhänger. Man kann sich als Neutraler nämlich nicht profilieren. Die Neutralen machen keine Karriere, die bemerkt keiner, die sind irgendwie unsichtbar. Genau: sie sind grau.

Die, über die man spricht, also die angeblichen Gewinner unserer Gesellschaft, befinden sich auf der Buntseite. Da, wo die Farben grell sind, die Töne laut, die Bewegungen heftig. Dort werden Kontakte geknüpft, Fäden gezogen, dort sind die Urteile klar und werden zweifelsfrei geäußert. Dort sind alle Kanten klar gezeichnet, die Schatten sind hart, das Licht ist es nicht minder. Aber bunt. Auf jeden Fall sehr bunt.

Eigentlich.

Aber dann dieser Sommer. Da zeigt uns einer, wozu die Grauzone fähig ist. Von wegen Neutralität. Es kracht und gießt, aus Kellern suppt es auf die Straße, Gullys würgen ihren Inhalt hoch. Ein Sommer, der sich als graue Eminenz profiliert und klare Ansagen macht. Der unseren Vorstellungen von Sommer den Pfützenspiegel vorhält. Ein Sommer, den die Meditationslehrerin freudig als Beispiel ergreift, um den Satz lebensnah zu erklären, der da heißt "lass alle Erwartungen los und sag ja zu dem, was ist".

 


 

Und was passiert dann? Genau: Die Grauzone erweist sich als ungewohnt und aufregend. Wer hat gesagt, dass Grau eine langweilige Farbe sei? Laut Graustufentabelle auf Wikipedia hat sie 256 Nuancen. Kann man jetzt am Himmel studieren, alle auf einmal. Dieser Sommer hat sogar ein eigenes Lied: das Geräusch des Regens, der auf die Blätter tropft. Ein Sonnensommer kriegt das nicht hin, der braucht einen eher minderbegabten Songschreiber, der ihm einen Sommerhit komponiert, in dem von Sohohonne die Rede ist und der dann auf allen Radiokanälen läuft.

Ach, und die Tropfen, die an den Glockenblumen baumeln, und dann kommt so eine Hummel, wackelt sich mit ihrem dicken Hintern in den Kelch, und der Tropfen fällt runter, ganz lautlos ...


Samstag, 3. Juli 2021

Wer bin ich JETZT?

 

Ich glaube, es ist Zeit für ein Innehalten und Nachspüren. Jetzt, wo doch fast "alles wieder möglich ist". Wo man "endlich" wieder nach Mallorca fahren, in die Fußball-Stadien rennen und sich mit der so lange vermissten Kultur vollsaugen kann.

Es fühlt sich ein wenig an wie "früher", wenn wir die allgegenwärtigen Maskengesichter ignorieren (haben uns ohnehin an die gewöhnt). Aber es ist eben nicht "früher". 

Halten wir doch bitte einfach mal inne und lauschen wir in uns hinein. Wir wurden fast eineinhalb Jahre mit ständig neuen Hiobsbotschaften gefüttert, wurden in immer neue Beschränkungen gezwungen, haben uns so gut es geht informiert aus hoffentlich seriösen und neutralen Quellen (die leider schwer zu finden waren), haben uns mehr oder weniger gefügt, waren mehr oder weniger geduldig. Das alles hat etwas mit uns gemacht, und wir brauchen Zeit und Ruhe, um herauszufinden, was es mit uns gemacht hat. Mit jeder und jedem Einzelnen. Keine und keiner von uns ist noch genau die Person, die an einem Wochenende im Februar 2020 - zufällig und leider verhängnisvollerweise war es das Faschings-Wochenende - zum ersten Mal das Wort Corona gehört hat.

Wir sind ja immer Gewordene und Werdende zugleich. Warum fragen wir uns nicht: Wer bin ich geworden in dieser außergewöhnlichen Zeit? Ist diese Person, die ich "Ich" nenne, wirklich noch die, die sie war im Februar 2020? Hat dieses Ich noch dieselben Bedürfnisse wie damals (Reisen in den Süden, Kino, Fußballspiel, Restaurantbesuche, Parties)? Oder haben sich in der Ruhe und relativen Stille der letzten Monate neue Prioritäten geformt, ganz leise? Die, wenn ich sie nicht erforsche, unbemerkt versinken werden, weil ich einfach so weitermache wie früher. Weil ich mein neues Ich und meinen veränderten Geist nicht kennenlernen will. Es soll ja endlich wieder die Sicherheit des Schon-immer-Dagewesenen herrschen. 

So gehen wichtige Momente vorüber, so werden Chancen vergeben: Möglichkeiten der Kreativität, der Entdeckung von Neuem, vielleicht Herausforderndem, vielleicht Erfüllendem.

Bitte einfach mal fragen. Ohne Urteil und Erwartung. Neugierig auf alles, was sich als Antwort zeigt. Die vielleicht überraschend ist und deshalb verunsichernd: Wer bin ich JETZT? Jede Antwort ist "richtig", keine ist "falsch". 

Es ist Zeit für ein Innehalten auf der Schwelle zu einer anderen Freiheit, die nicht dieselbe sein wird wie die alte. 


Montag, 28. Juni 2021

Kintsugi. Die Schönheit der Brüche.

 

Vor ein paar Monaten schrieb ich zum ersten Mal über die japanische Kunst des Kintsugi, bei der zerbrochene Schalen mit einer Goldpuder-Paste nicht nur repariert, sondern zum Kunstwerk erhoben werden. Ich schrieb, dass diese Kunst für mich eine Metapher ist für einen klugen Umgang mit den Brüchen in unserem Leben. Wer's noch nicht kennt: hier zum Beispiel (klick) 

Es erreichte mich die Bitte vom Netzwerk ethik heute, das Thema noch einmal unter dem Gesichtspunkt der Ethik zu betrachten. Habe ich also getan.

"Es war Anfang der 1980er Jahre, als ich in München die erste Installation von Joseph Beuys sah. Das Lenbachhaus hatte sie kurz zuvor angekauft, der Kauf hatte bundesweite Empörung ausgelöst; die Installation wurde unter anderem als 'der teuerste Sperrmüll aller Zeiten' bezeichnet.

Ich stand in einem kargen, wie ein Krankenzimmer eingerichteten Raum und sah zwei Leichenbahren, dann Kästen aller Art, zwei Forken, zwei gerahmte Ausgaben der italienischen Zeitung 'Lotta Continua', zwei Schäleisen (Schepser) und zwei Tafeln, auf die Beuys geschrieben hatte: 'Zeige deine Wunde'.

Hin und wieder begegnen wir einem Kunstwerk, das in uns eine Resonanz auslöst. Es spricht unmittelbar unser Gefühl und unsere Emotionen an; wir verstehen es auf einer tiefen Ebene, ohne darüber nachdenken zu müssen, 'was das Kunstwerk bedeutet'. So ging es mir mit der Installation 'Zeige deine Wunde'."

Den ganzen Artikel könnt ihr lesen auf ethik heute hier (klick)

 


Bei der Gelegenheit weise ich gern noch einmal darauf hin, dass ich in zweieinhalb Wochen ein Retreat zu diesem Thema im schönen Intersein-Zentrum in Hohenau gebe: Kintsugi - die Schönheit des Zerbrochenen, vom 17. - 21. Juli 2021. Es sind noch ein paar Plätze frei. Mehr Informationen und Anmeldung hier (klick) 


Freitag, 25. Juni 2021

Neues Blog-Abo


Wenn ihr bisher meinen Blog per E-Mail-Benachrichtigung abonniert habt und wollt, dass weiterhin (oder vielleicht zum ersten Mal?) die Nachricht über jeden neuen Post in euren Briefkasten fliegt (gute Wendung, um das Foto zu legitimieren, nicht wahr?!), beachtet bitte folgende Änderung:

Mein Blogbetreiber Google stellt zu Ende Juni den Feedburner ein, mit dem ihr bisher die Benachrichtigungen bekommen habt. Ich habe einen neuen Benachrichtigungs-Dienst installiert, er heißt follow.it Ihr müsst Euch aber erneut registrieren, das geht nicht automatisch.

Bitte scrollt zum Fuß der Seite (ist nicht weit, nur zehn Blog-Beiträge lang), dort findet ihr ein Formular, in das ihr eure Mail-Adresse eintragen könnt. Ihr bekommt dann einen Bestätigungslink. Wenn ihr euch bei follow.it registriert habt, könnt ihr wählen, wann (Uhrzeit) und in welcher Form ihr die Mails erhalten wollt. Ich empfehle, die Option "ganze E-Mail" zu wählen, dann bekommt ihr genau das Layout des Beitrags in meinem Blog. Also viel ästhetischer als jetzt. Das Ganze ist selbstverständlich kostenlos und unverbindlich, und ihr könnt das mit dem Abmeldelink in jeder Mail jederzeit abbestellen.

Beachtet bitte, dass der "Absender", unter dem ihr in Zukunft die Nachrichten bekommt, nicht mein Name ist, sondern follow.it. Der Betreff lautet jedes Mal "Margrit Irgang, neuer Beitrag".

Natürlich biete ich weiterhin Bloglovin an (ebenfalls am Fuß der Seite), ihr könnt auch jeden anderen Feedreader verwenden oder ab und an einfach hier reinschauen.

Ich würde mich freuen, wenn ihr meinem Blog treu bliebet.

 

Sonntag, 20. Juni 2021

Mein Wildbienen-Wildpflanzen-Balkon


Ich habe in meinem geheimen Garten Unkräuter gesät. Ja, diese wuchernden Gewächse, die vor der Zeit der allgegenwärtigen Maisfelder und der Gentechnik auf Äckern und Wiesen standen. Einfach so. Von irgendwoher angeflogen. Sie blühten dort unbeachtet vor sich hin, tranken Regen und Sonnenstrahlen, und wenn der Bauer sie abmähte, hatten die Kühe den Salat. Den besten.

 

 

Dieses Zeug auf dünnen Stängeln, das jeder ernsthafte Gärtner, der in der sommerlichen Abendruhe mit Argusargen durch den Garten geht, sofort ausrupfen würde, habe ich in Töpfe, Kübel und Kästen gesät. In bester Demeter Bio-Qualität! Das verrate ich niemandem, nur meinen Blogleserinnen und -lesern. Ich will ja nicht als gaga angesehen werden. Damit die Pracht nicht mit dem Sommer endet, habe ich ein paar Gefährten dazwischengeschmuggelt, die mich hoffentlich ein paar Jahre begleiten werden. Und vieles kann ich essen. Blüten und Blätter. Bester Demeter-Salat.



Es ist nämlich so: Bei uns gibt es 585 Wildbienenarten, deren Arbeit nicht darin besteht, Honig zu erzeugen, sondern die Pflanzen in der Natur zu bestäuben. Es sind dies Hummel-, Pelz-, Zottel-, Sand- und Seidenbienen. Durch Industrialisierung und Versiegelung der Flächen finden sie kaum noch Blütennahrung und Nistplätze. Über die Hälfte von ihnen steht bereits auf der Roten Liste. Von ihnen aber hängt die Ernte zahlreicher Obst- und Gemüsesorten ab und der Erhalt der Vielfalt der Blühpflanzen.

Deshalb habe ich den Wildbienen ihre Wildpflanzen-Nahrung gepflanzt.



 

Jetzt sitze ich an warmen Abenden in meinem Garten im zweiten Stock und lausche dem Gesumm und Gebrumm. Erfreue mich an zarten Farben, die an Juwelen erinnern: Amethyst, Zitron, Rosenholz, Aquamarin, Mondstein. Schmetterlinge stellen sich ein. Die Namen meiner Pflanzen könnte ich aufsagen, und es wäre von selbst und ohne mein Zutun ein Gedicht.

Sommer-Adonisröschen. Acker-Hundskamille. Schafgarbe. Borretsch. Rapunzel-Glockenblume. Rundblättrige Glockenblume. Saat-Wucherblume. Wilde Möhre. Strahlen-Breitsame. Klatschmohn. Gelb-Senf. Acker-Senf. Herderich. Flachs. Kamille. Kuhkraut. Blauer Lein. Wildes Stiefmütterchen. Nachtviole. Wiesensalbei. Büschelschön. Kornblume. Ringelblume. Kapuzinerkresse. Moschusmalve. Nachtkerze. Taglilie. 


Dienstag, 15. Juni 2021

Retreat im Intersein-Zentrum

Foto: Intersein-Zentrum

Mit großer Freude teile ich Euch mit, dass das Intersein-Zentrum im Bayerischen Wald wieder geöffnet hat. Mein Seminar kann also stattfinden:

17. - 21. Juli 2021

Kintsugi - die Schönheit des Zerbrochenen  

Mehr darüber und Anmeldung: hier (klick)

Das Intersein-Zentrum ist ein Meditationshaus in der Tradition von Thich Nhat Hanh, wird geleitet von meinen lieben langjährigen Freunden Helga und Karl Riedl und liegt im Nationalpark Bayerischer Wald. Es ist absolut still dort, der Blick geht weit ins Land, der Garten ist voller Schmetterlinge und Bienen und Bio-Gemüse. Morgens sind die Wiesen taufeucht, es duftet nach Blüten, und ab und an steht müßig ein Reh am Waldrand. Man kann dort sehr schön Urlaub machen - einfach ein paar Tage früher kommen oder länger bleiben.

 

 
Foto: Intersein-Zentrum
 
Bei meinem Retreat im letzten Jahr habe ich gesehen, dass die Hygienebedingungen im Intersein-Zentrum wirklich sicher sind und prima funktionieren. Ich kann Euch guten Gewissens empfehlen, Euch für dieses Retreat anzumelden.

Sehen wir uns? Ich würde mich freuen.


Freitag, 11. Juni 2021

Lebensfreude

 

Ich habe gesehen, dass mein Artikel "Die Schönheit liegt im Detail" in der neuen Ursache\Wirkung 116 mit dem Schwerpunkt-Thema "Leben, lieben, lachen" diesmal online steht. 

"Eine herrlich paradoxe Frage: Meinen wir es ernst mit der Lebensfreude? Dann sollten wir das unserem Gehirn mitteilen, indem wir sie regelmäßig praktizieren. Über kurz oder lang werden wir feststellen, welch eine Kraftquelle wir da bisher übersehen haben. Es ist doch so: Nach dem Sektempfang zur Feier der Beförderung wird schnell klar, wie schwer die neue Verantwortung wiegt. Der ersehnte Umzug in das neue Haus ist der Beginn einer Serie von Herausforderungen, die mit so trivialen Dingen wie falsch verlegten Rohren und der Abzahlung von Krediten zu tun haben. Euphorie und Begeisterung sind nicht stabil genug, um die Ernüchterungen, die der Alltag bereithält, zu überstehen. Wenn wir jetzt nicht in depressive Stimmung verfallen wollen, brauchen wir eine andere Kraft, die uns durch die alltäglichen Schwierigkeiten tragen kann."

Ihr könnt den Artikel in voller Länge lesen hier (klick)

 

Mittwoch, 9. Juni 2021

Die Frühstückszubereitungs-Meditation

 

 

Wie schön war doch die Morgenmeditation im Retreat. Das frühe Aufstehen fiel ganz leicht, der Gang zum Zendo durch das Haus (den taufeuchten Garten) war eine kleine Sensation. Die ersten Vögel zwitscherten schlaftrunken. Ein Igel verschwand in der Hecke. Und die Stille im Zendo, während das Tageslicht über den Hügel kletterte: So erholsam. So friedvoll. Das werden wir zu Hause auch so machen! Wir stehen früher auf, meditieren und sammeln Gelassenheit für den Tag.

Kennt Ihr den guten Vorsatz? Und? Haltet Ihr ihn durch? Wusste ich's doch ...

Ich mache einen Alternativ-Vorschlag für alle, die es nicht schaffen, früher aufzustehen, um sich auf das Kissen oder den Stuhl zu setzen: Die Frühstückszubereitungs-Meditation. Meine tägliche dauert genau 20 Minuten, die Länge einer Sitzrunde. Ich praktiziere dabei NUR DIES.

Ich hacke einen halben Zentimeter Ingwer und eine Dattel in winzige Stücke und erwärme sie leicht in drei Esslöffeln Apfelsaft. Füge drei Esslöffel Haferflocken hinzu, eine Prise Zimt, einen Esslöffel Kokosmilch. Ergänze mit Wasser. Koche auf. Rühre. (NUR DIES: hacken, einfüllen, rühren.) 

 


 

Ich schaue nach, was der Balkongarten zum Frühstück beisteuern kann, und befrage auch gleich den Himmel nach seinen Wetterabsichten. In welchem Licht steht dieser Morgen, wie riecht er? (NUR DIES: schauen, riechen, wahrnehmen, aufnehmen.) In der Küche breite ich meine Obstschätze aus und schneide sie klein. Diese Farben, die Aromen, die unterschiedlichen Konsistenzen! Inzwischen simmert im Kessel das Teewasser. Der Hafer ist warm und zerfällt zu Brei. Ich wähle meinen Tee aus (Seogwang Sencha aus Korea). Die Küche ist voller Duft und Dampf, ich fülle den Brei in die Schale und garniere ihn mit dem Obst. Ein paar gehackte Nüsse darüber? Oder Sanddornmus für Vitamin C?

 


Granatapfelkerne, die haben gefehlt. Ein paar Kokosraspeln. Die Spatzen auf dem Balkon futtern ihr zweites Frühstück. Ich jetzt gleich mein erstes. NUR DIES: genießen!