Einfach nur wahrnehmen, was da ist, sagt Thich Nhat Hanh. Und dann zählt er auf, was alles nicht zur Achtsamkeit gehört: Das Wahrgenommene beurteilen, es haben wollen oder es ablehnen. Warum gehört das nicht dazu? Weil es eine Aktivität des Geistes ist und die reine Wahrnehmung stört.
Mit "sati" wird im Buddhismus das Verweilen im ungestörten Gewahrsein bezeichnet. Wir übersetzen das mit dem unglücklich gewählten Begriff "Achtsamkeit". Ein Substantiv, das "sati" zu einem Ding macht, zu etwas Starrem, Festgefügten. Um das irgendwie aufzulösen, sprechen wir davon, dass wir achtsam sein wollen oder achtsamer werden müssen oder leider wieder mal nicht achtsam genug gewesen sind, weil uns beim Kochen der Löffel heruntergefallen ist oder wir vergessen haben, eine Mail zu schreiben. Jetzt sind wir in einem Tun gelandet, und auch das geht an dem, was dieser Begriff eigentlich bedeutet, völlig vorbei.
Das klare offene Bewusstsein ist unsere Wahre Natur. Wenn wir in ihm "verweilen", wie es so treffend heißt, ruht unser bewertender, im Alltag ständig aktiver Geist. All unsere Bemühungen, achtsam zu sein oder zu werden, sind durchaus hilfreich beim Bewältigen unseres Alltags. Aber spirituell gesehen bleiben sie an der Oberfläche.
Wir können die "Anwesenheit eines Objekts" in tiefer Stille und Ruhe wahrnehmen, ohne das Wahrgenommene zu kommentieren. Das ist kein passiver Zustand, im Gegenteil: Es ist höchste Lebendigkeit. In dieser Ruhe entfalten die Dinge der Welt ihr Wesen; sie zeigen sich so, wie sie sind, und nicht, wie wir sie haben oder nicht haben wollen.
Aber wer sich einmal um diese Klarheit und Ruhe bemüht hat, weiß: So ohne Weiteres gelingt es nicht, sie zu berühren, und in ihr längere Zeit zu verweilen, scheint eine eigene Kunst zu sein. So gibt es eben doch etwas zu tun, aber dieses Tun besteht in meiner sprachlichen Definition nicht darin, achtsamer zu sein. Wir beruhigen vielmehr unseren aufgewühlten Geist, der das klare offene Gewahrsein bewölkt. Dafür gibt es Praktiken, die man lernen und anwenden kann, aber nicht im Sinn einer neuen Fähigkeit. Wir sammeln keine neuen Inhalte an, wir beschweren uns nicht mit neuem Wissen. Wir nehmen vielmehr das weg, was den Zugang zu unserer Tiefe verhindert.
Dann entdecken wir auch, dass wir bereits all das haben, was wir zumeist auf falschen Wegen suchen. Mitgefühl, Verstehen und tiefe Freude sind uns innewohnende Geistesqualitäten, die wir entfalten und in unserem täglichen Leben ausdrücken können.
Wenn Du das lernen möchtest, bist Du herzlich eingeladen, an einem meiner nächsten Retreats teilzunehmen. Zum Beispiel im Juli im Intersein-Zentrum im Bayerischen Wald hier (klick).
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