Mittwoch, 22. März 2017

Das Netz des Indra


"'Es gibt für jeden Tag zwei Pläne - meinen und den des Geheimnisses', sagen die Ureinwohner von Grönland, die Inuit. Wie alle indigenen Völker wissen sie noch, was auch wir einst wussten: Wir sind so viel größer als das, was wir im Allgemeinen für unser Ich halten. Wir sind verbunden mit der Sonne, dem Regen, dem Wind und dem Schnee. Wir teilen diese Welt mit den Tieren, den Pflanzen und allen anderen Menschen. Wir sind eingebettet in eine Ganzheit, und alles in dieser Ganzheit lebt, atmet, webt an dem großen Netz, das wir Leben nennen, und wirkt auf uns ein.

Wie kommen wir dazu, zu glauben, wir könnten unabhängig von diesem großen Zusammenhang unsere kleinen egoistischen Pläne machen, die sich gefälligst auch zu erfüllen haben? Woher nehmen wir unsere Arroganz, uns zu beklagen, wenn diese Pläne entschieden durchkreuzt werden?

In Hinduismus und Buddhismus gibt es ein schönes Bild für die Verbundenheit alles Seienden. In diesen Traditionen wird erzählt, Gott Indra habe ein Netz geknüpft und jeder Knoten darin sei ein in viele Facetten geschliffenes Juwel. Wenn nun in einem Juwel eine Bewegung stattfindet, spiegeln alle anderen Juwelen diese Bewegung wieder, werden von der Bewegung, die sie aufgenommen haben, verändert, und ihr verändertes Sein wird wiederum von allen anderen Juwelen gespiegelt. Jeder Mensch, jedes Tier, jede Pflanze und jedes Mineral - sagt die Tradition - ist ein solches Juwel. Wenn also in einem Menschen eine Bewegung stattfindet, wird sie von den Menschen in seiner Umgebung aufgefangen und weitergespiegelt."





Aus dem Buch : Margrit Irgang "Die Kostbarkeit des Augenblicks. Was der Tod für das Leben lehrt", Kreuz Verlag, ISBN 978-3-451-61303-6

Donnerstag, 16. März 2017

Mein Seminar im Kloster St. Trudpert


Da mich etliche Seminarteilnehmer in den vergangenen Jahren gefragt haben, ob ich nicht einmal ein etwas längeres Seminar anbieten will, habe ich die Einladung von Herder-Reisen angenommen. Ich lade Sie und Euch also herzlich ein in das schöne Kloster St. Trudpert in Münstertal, südlich von Freiburg. Münstertal ist Bahnstation und deshalb problemlos auch ohne Auto erreichbar.

Leuchtende Stille

Meditations-Seminar mit Margrit Irgang

Dienstag, 25. April, bis Freitag, 28. April 2017

Hier Informationen und Anmeldung (klick) 

Wer die Stille ein wenig ausklingen lassen will, kann seinen Aufenthalt im Kloster verlängern. 

Das Video zeigt einen Drohnen-Flug über die Klosteranlage - ist das nicht der perfekte Ort für ein Seminar mit dem Titel "Leuchtende Stille"?

Ich freue mich sehr darauf, mit Euch und Ihnen die Stille zu teilen und Achtsamkeit zu praktizieren.
 

Sonntag, 12. März 2017

Museumsinsel Hombroich


Ich lernte Karl-Heinrich Müller vor etwa zwanzig Jahren bei einem Retreat mit Thich Nhât Hanh kennen. Ein Immobilienmakler, der Kunst liebte; ein Sammler, der sich einen Traum erfüllt hatte: eine "Insel" für seine Sammlung zu schaffen, auf der Natur und Kunst, Musik und Literatur einander inspirieren können. Karl-Heinrich Müller war auch ein zutiefst spiritueller Mann, und wir begannen ein Gespräch. Jahre später schlug ich dem SWR ein Feature vor über das Museum, das Karl-Heinrich Müller inzwischen in eine Stiftung überführt hatte, und fuhr auf seine "Insel", eine Auenlandschaft in der Nähe von Neuss: die Museumsinsel Hombroich.

Die Museumsinsel kann man nicht beschreiben, man muss sie erleben: Die atemberaubende Architektur (vor allem die von Tadao Ando), der Graubner-Pavillon, die ehemalige Raketenstation auf dem Gelände, die damals gerade zu einem Ort der Kunst umgebaut wurde, die Landschafts-Architektur. Ich unterhielt mich mit Karl-Heinrich Müller über Kunst und Spiritualität; saß im Häuschen des Beuys-Schülers Anatol neben dem prasselnden Holzofen und ließ mir von der Aufbruchszeit damals an der Düsseldorfer Akademie erzählen, als Anatol Beuys mit einem Kahn über den Rhein zurückholte, nachdem dieser entlassen worden war. Ich streifte durch die Wiesen, lauschte den Vögeln, entdeckte in den Pavillons - die selbst begehbare Skulpturen sind - geliebte Künstler wie Brancusi und Graubner, aber auch Statuen der Khmer und aus der Ming-Zeit und sitzende Buddhas voll ewiger Ruhe. Ich sah dem Spiel von Licht und Schatten zu, hörte die fast greifbare Stille und blieb drei Tage.

Karl-Heinrich Müller, dieser große Mäzen und bescheidene Mensch, ist tot, Anatol ist tot, und mein Feature ist nicht mehr in der SWR-Mediathek zu finden. Auch das gehört zur Vergänglichkeit, zum unablässigen Fließen der Phänomene. Nichts bleibt. Aber - noch - gibt es die Stille und das Licht und die Kunst auf der Museumsinsel Hombroich.

Im Frühjahr ist sie am schönsten. Und: Man sollte ganz früh dort sein, am besten als Erste. Hier die Homepage der Insel.

Donnerstag, 9. März 2017

Lesung in Salzburg


Ich lese aus meinem Buch "Wunderbare Unvollkommenheit" (und vielleicht auch ein wenig aus zwei, drei anderen Büchern) in Salzburg:

Freitag, 24. März 2017, 19.30 Uhr

Bildungshaus St. Virgil, Salzburg, Ernst-Grein-Straße


Das anschließende Seminar mit demselben Titel ist ausgebucht.
Ich freue mich auf viele bekannte (und viele noch ganz unbekannte) Besucher!

Freitag, 3. März 2017

Zeit zum Spielen!

Von links nach rechts: Rabe Sixtus, Hund Lutz, Ziege Sissi und der Esel

Wenn ich in der Freiburger Innenstadt bin, muss ich unbedingt durch die Fischerau gehen. Denn in der Fischerau gibt es drei Lieblings-Geschäfte: die Honig-Galerie, den japanischen Laden Kido und Barlebens Handspielpuppen. Die Puppen von Maria Barleben sind einzeln handgefertigt aus den edelsten Materialien und haben einen unverwechselbaren Ausdruck. Ich habe jedes dieser Tiere ins Herz geschlossen. Das Hausschwein Rosalie (war gerade abwesend, als ich gestern die Fotos machte), die Kuh Mathilde, die Katze, die Maulwürfe ... Gestern habe ich ein wenig mit Terrier Lutz und der Katze gespielt. Soll ich mir die Ziege Sissi zulegen? Was würde mein Kater dazu sagen?

Fragen über Fragen ...

Für alle, die sich noch scheuen, ihre Hand in ein weiches Mohairfell zu stecken und ihre Gefühle durch ein Tierchen lebendig werden zu lassen, zitiere ich den seriösen Friedrich Schiller: "Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt."

Hier könnt Ihr übrigens Herrn von Räudenfell begegnen. Na, das ist ein Typ, sage ich Euch.


Mehr hier auf der Website von Barleben

Montag, 27. Februar 2017

Ease. Wohlgefühl.


"In your willingness to pause during a moment of difficulty, to take a few breaths and tune in to all that is there, you may notice that a comforting presence starts to arise. It's by allowing yourself to feel and experience this presence that you can open yourself more and more to what is revealing itself in this moment. Even if it feels frightening, there is an underlying sense of well-being that is always with you and fully available, even if you don't feel well. My teacher used to call it 'the you who has no difficulty, even when you're having difficulty.'

When your're experiencing fear, if you really stop and open, you'll see that fear happens within a space of fearlessness, that sorrow happens within a comforting presence, that when we have the willingness to really open ourselves and experience our own resistance to that openness, we experience a state of ease and relaxation that underlies all of our trauma, all of our 'dis-ease'. In the end, it's opening to this other field of being - which is literally the foretaste of another state of consciousness - that allows us to move beyond suffering."


Adyashanti

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"Wenn Sie in einem schwierigen Moment bereit sind, ein paar Mal tief zu atmen und sich auf alles, was gerade da ist, einzustimmen, bemerken Sie vielleicht, wie eine beruhigende Präsenz sich auszubreiten beginnt. Wenn Sie sich erlauben, diese Präsenz zu spüren und zu erfahren, können Sie sich mehr und mehr dem öffnen, was sich in diesem Moment entfaltet. Selbst wenn es sich erschreckend anfühlt, liegt darunter das Gefühl von Wohl-Sein, das immer bei Ihnen ist und Ihnen ganz und gar zur Verfügung steht, selbst wenn Sie sich nicht gut fühlen. Meine Lehrerin nannte es "das Du, das keine Schwierigkeiten hat, selbst wenn du Schwierigkeiten hast'.

Wenn Sie Furcht erleben und wirklich innehalten und sich öffnen, werden Sie sehen, dass die Furcht innerhalb eines Raumes der Furchtlosigkeit geschieht, dass Kummer inmitten einer beruhigenden Präsenz geschieht und dass wir, wenn wir bereit sind, uns wirklich zu öffnen und unseren eigenen Widerstand gegen diese Offenheit wahrzunehmen, einen Zustand des Wohlseins und der Entspannung erfahren, der unter all unseren Traumata liegt, unter all unserem Un-Wohlsein. Letztendlich ist es das Sichöffnen für diesen anderen Raum des Seins - und das ist buchstäblich der Vorgeschmack für einen anderen Bewusstseinszustand -, der es uns ermöglicht, uns jenseits des Leidens zu begeben."

Adyashanti

Photo credit to David Nyblack
 

Donnerstag, 23. Februar 2017

Ein wenig Stille an diesen lauten Tagen


Hier, im Süden Deutschlands, sind die nächsten sechs Tage lärmig, laut, voller Konfetti; lustig auf eine Weise, die ich nicht verstehe.

Ich werde mit meinen Seminarteilnehmern meditieren.

Und vorher und nachher zum Beispiel John Rutter hören. Gesungen von den Cambridge Singers.

Bis bald!

Mittwoch, 15. Februar 2017

Frau Irgang bäckt die wirklich knusprige (und dazu noch glutenfreie) Pizza


Warum stelle ich hier hin und wieder so etwas Banales wie Kochrezepte vor, obwohl es doch auf diesem Blog um ernstzunehmende Spiritualität geht? Als Erklärung verweise ich 1. auf meinen Post vom 20. Januar ("Form ist Leerheit. Leerheit ist Form"), 2. auf das Motto dieses Blogs "die poesie des augenblicks" und 3. auf Seite 117 in meinem Buch "Wunderbare Unvollkommenheit"; der Text trägt den Titel "Vom Kochen der Suppe", und er gehört zu dem Kapitel "Tief in der Arbeit".

Alles klar? Dann holen wir jetzt mal ein Backblech, eine Waage und eine Schüssel und fangen an.

Der Boden:

80 g glutenfreie Mehlmischung (ich nehme die von Bauck aus dem Bioladen)
45 g Buchweizenmehl
1/2 TL Psyllium husk (gemahlener Flohsamen)
12 g frische Hefe
100 ml lauwarmes Wasser
1/4 TL Salz
1 EL Olivenöl

Die Hefe im lauwarmen Wasser auflösen; alle Zutaten einschließlich des Hefewassers rasch verrühren. Ein Backblech mit Backpapier auslegen, den Teig auf dem Papier unter einer Lage Frischhaltefolie sehr dünn ausrollen und zugedeckt an warmem Ort 30 Minuten gehen lassen. Backofen auf 220 Grad vorheizen. In der Zwischenzeit den Belag vorbereiten. Bei mir heute:

Der Belag:

Eine Handvoll Champignons sehr dünn blättern, mit einem Spritzer Olivenöl, einer zerdrückten Knoblauchzehe und etwas getrocknetem Basilikum kurz in der Pfanne anrösten. Mit Salz und Pfeffer würzen, beiseite stellen.

1/2 Glas Bio-Tomatensauce, 1 EL Ricotta und 1 TL Red Pesto verrühren, kräftig würzen mit Chili, Cayenne-Pfeffer und Salz. Die Mischung auf den Boden streichen, die Champignons verteilen, eine Handvoll geriebenen Käse und eine zerzupfte Kugel Mozzarella darüberstreuen.

Pizza ca. 15 Minuten bei Ober- und Unterhitze backen. Dann das Blech auf den Ofenboden stellen und noch weitere 2-5 Minuten backen (je nach Herd). Aufpassen, dass der Pizzaboden nicht verbrennt.

Die Pizza ist wirklich knusprig und schmeckt besser als die bei meinem Italiener an der Ecke! Guten Appetit!

Sonntag, 12. Februar 2017

Ken Wilber: Religion - oder eine Spiritualität, die transformiert?

Fotos: Margrit Irgang, Proesi via Wikipedia, Fangkong via Wikipedia

Als ich vor über dreißig Jahren meine Zen-Praxis aufnahm, hatte ich große Probleme mit meinem christlichen Umfeld. Man war der Meinung, ich sei auf einem gefährlichen Weg, "das Östliche" sei "für uns westliche Menschen" ein Rückschritt. Das Christentum, so die allgemeine Ansicht, sei "weiter" als der Buddhismus, und ein anthroposophischer Freund versuchte geradezu fanatisch, mich davon zu überzeugen, dass "Jesus die Reinkarnation von Buddha" sei. Das Vergleichen zweier Religionen war an sich schon absurd, aber das Wichtigste entging meinen Bekannten, weil ich es einfach nicht vermitteln konnte: Ich bewegte mich gar nicht im religiösen Kontext.

Ich hatte schon als Kind das, was ich heute (ungern, ich mag den Ausdruck nicht, finde aber keinen passenderen) "spirituelle Erfahrungen" nennen würde. Es gab niemanden, mit dem ich darüber sprechen konnte; erst, als mir im Alter von 18 Jahren ein Zen-Buch in die Hände fiel, erkannte ich darin Teile meiner Erfahrungen wieder. Das Zen-Training, das ich später aufnahm, war wie Heimkommen für mich: Ich verstand auf einmal, was ich erlebt hatte und wie ich es in einen großen Kontext einordnen konnte. Und ich lernte weiter (und lerne immer noch, es gibt kein Ende). Ich hatte eine spirituelle Praxis aufgenommen, die alle Annahmen über das Wesen des Seins und alle Illusionen über mein "Ich" zu transformieren versprach.

Kürzlich fiel mir zu diesem Thema beim Aufräumen ein langer Artikel von Ken Wilber in die Hände, den ich vor -zig Jahren ausgedruckt habe. Er ist irgendwann in der Zeitschrift "What is Enlightenment?" erschienen. Ich möchte ihn hier in Auszügen zusammenfassen, denn er befasst sich genau mit diesem Thema: Was ist Religion - und was ist eine Spiritualität, die transformiert?

Für Wilber hat Religion zwei Funktionen. In ihrer ersten bietet sie Mythen, Legenden und Rituale an. "Diese Funktion der Religion ändert normalerweise nicht den Grad des Bewusstseins eines Menschen. Sie führt zu keiner radikalen Transformation. Und sie sorgt auch nicht für eine umfassende Befreiung vom getrennten Selbst. Vielmehr tröstet sie das Selbst, baut es auf, verteidigt es, fördert es." Die zweiten Funktion der Religion sieht Wilber "normalerweise für eine sehr, sehr kleine Minderheit" in einer radikalen Transformation und Befreiung. "Diese Funktion der Religion stärkt nicht das getrennte Selbst, sondern zerschmettert es und bedeutet nicht Trost, sondern Zerstörung, nicht Einigelung, sondern Leere, nicht Wohlbehagen, sondern Revolution."

Die erste Funktion nennt Wilber "Übersetzung", also eine Auslegung von Welt-Erfahrung, die dem  Leben Sinn verleiht. Die zweite Funktion nennt er "Transformation". Die erste Funktion wird von der institutionellen Religion ausgeübt, die zweite fällt in den Bereich, in dem die Mystiker zu Hause sind. Und diese hatten - und haben eigentlich immer noch - Probleme mit der Kirche. Wer wie Meister Eckhart klar erkannt hat, "Gott ist nicht verschieden von mir", braucht keine Institution mehr, die ihm eine "Übersetzung" liefert. Er hat selbst erfahren, gesehen, erkannt. Denn, wie es Wilber ausdrückt: "Eine authentische Transformation ist keine Frage des Glaubens, sondern des Todes des Glaubenden, keine Frage der Übersetzung der Welt, sondern der Transformation der Welt. Nicht darum, wie man Trost findet, geht es, sondern wie man die Unendlichkeit jenseits des Todes findet."

Das klingt alles sehr radikal, nicht wahr? Erschreckend vielleicht? Als Frau möchte ich das deshalb etwas sanfter formulieren. Ich habe bei etlichen Menschen erlebt, dass die neue Sicht manchmal ganz leise daherkommt, auf Katzenpfoten. Als Erstaunen, als Staunen. Als Glück sogar: Sieh an, dieses vom Ganzen abgetrennte "Ich" gibt es gar nicht. Das ist "der Tod des Glaubenden", und davor haben die meisten Menschen Angst. Ich habe bemerkt, dass selbst in spirituellen Schulen, die transformative Praktiken anbieten - Zen, Vipassana, Sufismus - die wenigsten Menschen "die Unendlichkeit jenseites des Todes" finden wollen.

Fotos: Schorle via Wikipedia, zenways.org, Margrit Irgang

Natürlich spielt die Religion im Zusammenleben der Menschen eine wichtige Rolle. Wo wären wir ohne den gesellschaftlichen Hintergrund der Zehn Gebote im Christentum und der Gelöbnisse im Buddhismus, die eine zumindest grundlegende Ethik bereitstellen, die unsere Welt rudimentär zusammenhält? Wo wären wir ohne das Engagement von religiösen Menschen, die schlecht bezahlt oder unbezahlt Gemeindearbeit und karitative Hilfe leisten? Religion begleitet Geburt und Tod mit Ritualen und bietet eine Deutung an. Wilber sieht den Wert der Religion vor allem für den für die Erfahrung der Transzendenz unvorbereiteten Geist. "Diejenigen, die nicht angemessen übersetzen können, enden schnell in Neurosen oder sogar Psychosen. Das ist kein Durchbruch, sondern Zusammenbruch, nicht Transzendenz, sondern Desaster. Doch ab einem bestimmten Punkt innerhalb unseres Reifungsprozesses hört die Übersetzung einfach auf, uns zu trösten. Kein neuer Glaube für das Selbst, sondern die Transzendenz des Selbst insgesamt ist der Weg."

Was also tun wir, wenn uns Trost nicht mehr interessiert, wir keine weiteren Geschichten und Legenden hören wollen, aber sehen und erfahren wollen, anstatt zu glauben? Wir nehmen eine spirituelle Praxis auf, die uns transformiert. "Sie selbst, in der Unmittelbarkeit Ihres gegenwärtigen Bewusstseins, sind tatsächlich die ganze Welt, mit all ihrem Frost und ihrem Fieber, mit all ihrem Glanz und ihrer Würde, mit all ihren Erfolgen und ihrer Trauer. Sie sehen nicht bloß die Sonne, Sie sind die Sonne; Sie hören nicht den Regen, Sie sind der Regen. Sie fühlen nicht die Erde, Sie sind die Erde. Und so hat die Übersetzung in allen Bereichen ein Ende gefunden, und Sie wurden in das Herz des Kosmos transformiert - und dort, genau dort, wird alles ganz einfach, ganz still aufgelöst. Unter diesem offensichtlichen Schock der Erkenntnis - wo Ihr Selbst Ihr Meister und dieses Selbst der Kosmos und der Kosmos Ihre Seele ist - werden Sie in sanfter Weise durch die Nebel der Welt schreiten und diese vollständig transformieren, ohne etwas zu tun."

(Zitate aus: Ken Wilber "Eine Spiritualität, die transformiert". What is Enlightenment, Jahr unbekannt)

Montag, 6. Februar 2017

Schubert "Nacht und Träume"


Nun muss ich mich nach einem Jahr Proben von Schubert verabschieden. Mein Chor sang in zwei schönen intensiven Konzerten am Wochenende die Chorfassung von Schuberts "Winterreise" und Schuberts Messe in G-Dur. Eine neue Probenphase beginnt, mit anderer Literatur.

Und so schenke ich mir zum Abschied von Schubert diese zauberhafte Aufnahme seines Liedes "Nacht und Träume", das in unserem Konzert von der Sopranistin Jutta Plomer gesungen wurde.

Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern, dass sie in dieser politisch so heftigen Zeit, in der das Grobe und Gewöhnliche immer mehr Raum einnimmt, das Träumen nicht vergessen.