Manchmal ist es gut, sich über die Welt der Nachrichten zu erheben,
um den Weitblick wiederzufinden.
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die poesie des augenblicks. the poetry of the moment.
Manchmal ist es gut, sich über die Welt der Nachrichten zu erheben,
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Irusu - 居留守 - Gib vor, nicht zu Hause zu sein
Und wieder so ein wunderbares japanisches Wort, für das westliche Sprachen kein Äquivalent haben: irusu besteht aus 居 (wohnen), 留 (gehen, anhalten) und 守 (schützen, verteidigen). Und das ganze Wort bezeichnet die Behauptung: Ich bin nicht zu Hause (obwohl ich zu Hause bin). Man sagt, erzählte mir ein Japaner, irusu, wenn man seiner Frau oder seinem Mann die Anweisung gibt: Wenn jemand anruft, sag, ich bin nicht da.
Man verteidigt also sein Recht auf Privatheit in der Wohnung, in die niemand so einfach eindringen darf. Als ich in Japan war, habe ich auch in traditionellen Häusern übernachtet, in denen sämtliche Räume nur durch shoji - die mit Reispapier bespannten Schiebetüren - oder sogar nur durch Noren, die Vorhänge aus Stoff oder Jute, abgeteilt waren. Auch die Gastgeber wohnten hinter solch eher symbolischen Abtrennungen, und auch vor dem Onsen, dem Badekabinett, gab es nur einen shoji. Während wir eine Tür schließen und vielleicht auch noch den Schlüssel umdrehen, muss in diesem durchlässigen, luftigen Wohnen Privatheit anders hergestellt werden: durch Respekt, Zurückhaltung und gegenseitige Rücksichtnahme.
Irusu, scheint mir, ist eine Haltung, die den ganzen Alltag durchzieht. Weil das Land so klein und dicht besiedelt ist, findet man die gegenseitige Rücksichtnahme überall: in der U-Bahn, im Kaufhaus, im Restaurant. Japaner verströmen ihre Energie nicht wahllos nach außen, sondern nehmen sich in der Gesellschaft energetisch zurück. Sie haben ihre unsichtbaren Noren vor ihr Innenleben gezogen, und ich würde nie wagen, einen solchen Japaner anzusprechen, denn er teilt mir mit: irusu.
Irusu bedeutet für mich kluge Selbstfürsorge. Ich sende anderen das Signal, mich in meiner Innerlichkeit nicht zu stören. Und das Besondere in Japan ist: Das Signal wird verstanden und respektiert. In Deutschland dagegen wird diese Art Verinnerlichung und Zurückhaltung oft missverstanden als Reserviertheit, Unfreundlichkeit, Schüchternheit oder unsoziales Verhalten.
Ich weiß das, denn ich werde seit meiner Kindheit mit allen vier oben genannten Etiketten belegt.
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Ich hatte einen hübschen Beitrag vorbereitet. Aber dann sah ich vorhin in der Online-Zeitung die Rauchsäulen der Bomben über Teheran und Tel Aviv und fand etwas Hübsches nicht mehr angemessen. Ich spürte eine tiefe Müdigkeit in mir. Was würde Thich Nhat Hanh, lebte er noch, zu diesem erneuten Krieg sagen?
"Wir halten Frieden oft für die Abwesenheit von Krieg und glauben, wenn die mächtigen Staaten der Welt ihre Kriegswaffen abschaffen würden, hätten wir Frieden. Aber wenn wir genau hinschauen, sehen wir in den Waffen unseren eigenen Geist - unsere Vorurteile, Ängste und unsere Ignoranz. Selbst wenn wir alle Bomben auf den Mond schicken würden, wären die Wurzeln der Bomben und des Krieges noch hier, in unseren Herzen und in unserem Geist, und früher oder später würden wir neue Bomben herstellen. Für den Frieden zu arbeiten heißt, die Wurzeln des Krieges in uns und in den Herzen der Menschen auszureißen. Kriege werden vorbereitet, wenn Millionen Männer und Frauen Tag und Nacht in ihren Herzen töten. So werden Millionen Samen der Gewalt, der Wut, Frustration und Angst gesät, die an viele zukünftige Generationen weitergereicht werden."
"Ja, der Krieg ist hier, und wenn wir uns umschauen, erkennen wir seine vielen Gesichter: Religiöse Intoleranz, Hass auf Ethnien und Rassen, Kindesmissbrauch, die Ausbeutung der Ressourcen unserer Erde. Aber wir wissen auch, dass die Samen von Frieden, Verständnis und Liebe da sind und wachsen werden, wenn wir sie kultivieren."
(Thich Nhat Hanh, aus "Living Buddha, Living Christ" und "Creating True Peace". Übersetzung Margrit Irgang)
Wer das Video nicht angezeigt bekommt, findet es hier (klick).
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The plum
you’re going to eat next summer
doesn’t
exist yet; its potential
lives inside a tree you’ll never see, will be touched
by a certain number of water droplets
before it reaches you, by certain angles
of light, by a finite amount of bugs
and dust motes and hands
you’ll never know. The plum you are
going to eat next summer will gather
sugar, gather moss, will harden
at its center so it can soften toward
your mouth. The plum
you’re going to eat next
summer doesn’t know
you exist. The plum you are
going to eat next summer
is growing just for you.
Gayle
Brandeis
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Cees Nooteboom, ein großer Autor, ist im Alter von 92 Jahren in seiner Wahlheimat Spanien gestorben. Der Niederländer war ein Reisender. Neugierig, auch unruhig, unterwegs in Afrika, Asien und Europa. Über seine - körperlichen und geistigen - Reisen hat er kluge, nachdenkliche Bücher geschrieben. Auf Niederländisch, das in der Welt kaum jemand spricht, denn nur in seiner Heimatsprache konnte er sich so genau und sensibel ausdrücken, wie es ihm vorschwebte. Nooteboom lehrt uns sehen, mit den äußeren und inneren Augen. Es ist kein Zufall, dass so viele seiner Protagonisten Fotografen sind.
Zwei seiner Bücher hier als meine persönliche Empfehlung. "Allerseelen" erzählt von dem niederländischen Fotografen Arthur Daane, der Frau und Kind bei einem Flugzeugabsturz verloren hat und den Verlust nicht überwinden kann. Mit seiner Filmkamera streift er durch das verschneite Berlin und trifft Menschen, die wie er heimatlos sind und zu Freunden werden. In die junge Elik, die voller Geheimnisse ist, verliebt er sich und folgt ihr bis nach Madrid. Ein nachdenkliches Buch, das große Ruhe vermittelt und in klugen Dialogen von Heimatlosigkeit, Verlust, Sehnsucht und Freundschaft erzählt. "Allerseelen", aus dem Niederländischen von Helga van Beunigen. Suhrkamp TB.
Nootebooms große Liebe gehörte Japan. In dem schmalen Buch "Mokusei" unterhalten sich ein belgischer Diplomat und ein niederländischer Fotograf in Tokio über die zwei Gesichter Japans: Die europäische "Idee" von Exotik und die Wirklichkeit. Der Diplomat vermittelt dem Fotografen eine Japanerin als Modell, und der Niederländer verliebt sich in die Frau, die sich ihm in ihrer geheimnisvollen Exotik entzieht. Ein kunstvolles Spiel mit Projektionen, dem Gesicht und den Masken, dem Foto und der Wirklichkeit, dem Idealbild der Geliebten und dem Kontrast zu der gewöhnlichen Frau. "Mokusei", sein Name für die Geliebte, ist die einzige japanische Blume, die duftet. Ein leises Buch voller Schönheit. "Mokusei", aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen. Suhrkamp TB.
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"Ich begegnete der Stille vor vierzig Jahren auf einem
überfüllten Bahnhof in irgendeiner Stadt in der indischen Tiefebene. Seit ein paar Wochen reiste ich mit dem Rucksack
durch das Land des Buddha. Es war heiß, ich hatte mir ein Virus
eingefangen, das mir Bauchschmerzen bereitete, und durch meine Träume krochen
Leprakranke ohne Arme und Beine. Ich hockte auf einem Bahnsteig zwischen Hunderten
Menschen, gackernden Hühnern in Käfigen und einer Ziege mit zusammengebundenen
Beinen und wartete auf meinen Zug, der mich irgendwohin bringen sollte. Da sah
ich die Stille.
Sie saß auf einem der gegenüberliegenden Bahnsteige im
Lotossitz, völlig entspannt inmitten von Lärm und Dreck. Sie war ungefähr so
alt wie ich, Amerikanerin, schätzte ich, und ich erriet an der nicht ganz
sauberen Kleidung, dass sie schon lange unterwegs war. Sie ruhte auf diesem Bahnsteig in ihrer Stille wie im Auge
des Zyklons. Mit leisem Lächeln beobachtete sie den Kampf an den geöffneten
Zugtüren, wo die Ankommenden hinaus- und gleichzeitig die Abreisenden
hineindrängten. Irgendwann würde auch ihr Zug einlaufen, sie würde sich
erheben, den Rucksack schultern und auf ihre gelassene Weise irgendwie ins
Abteil gelangen.
Ich warf einen Blick auf sie, und meine Reise nahm eine
Wendung. Diese unbekannte Amerikanerin erinnerte mich an den Ort der Stille in
mir, den ich sehr wohl kannte, aber in diesem überwältigend fremden Land
verloren hatte. Wohin wollte ich denn in Wirklichkeit, wenn ich durch die Welt
reiste, wie ich das seit einigen Jahren tat? An einem glühend heißen Tag
irgendwo in Indien belehrte mich eine Frau, die ich nur fünf Minuten zu Gesicht
bekam und nie wiedergesehen habe, darüber, dass es nichts zu finden gibt, weil
ich bereits zu Hause bin. In jedem Augenblick. In jedem Land der Erde."
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Der Systemische Coach Helmut Prodinger hat mich eingeladen, zu Gast in seinem Podcast SpurenSuche zu sein. Wir kennen uns seit Jahren aus Salzburg. Helmut hat kluge Fragen gestellt zum Schreiben, zum Zen und hat mich um Tipps für Anfänger in der Meditation gebeten. Und weil der Podcast das Motto SpurenSuche trägt, ging es natürlich auch um meinen verschlungenen Lebensweg, denn ich wollte weder Schriftstellerin noch Meditationslehrerin werden. Irgendwann sage ich den Satz: "Es gibt keine Umwege, nur Wege." Das fasst dieses Gespräch schön zusammen.
Ich habe gern mit Helmut gesprochen.
Den Podcast kannst du auf spotify hören hier (klick) oder auf meiner Homepage hier (klick).
Und Helmuts Website findest du hier (klick).
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Ich freue mich sehr, Dir heute mein neues Buch vorstellen zu können. Es brauchte lange, um in die Welt zu kommen. Aber jetzt ist es da.
"Wir haben das Privileg, in einer außergewöhnlich schwierigen Zeit zu leben. Die alten Lösungen und Ideen funktionieren nicht mehr. Wir sind gezwungen, unser Bewusstsein auf eine neue Ebene zu heben und unsere Verbundenheit mit allem Seienden zu erkennen. Es liegt an jeder und jedem Einzelnen von uns, sich zu entscheiden: Für das Dunkel mit seiner zerstörerischen Kraft oder für das Licht, das immer da ist und nur darauf wartet, durch uns hindurch in die Welt zu strömen."
Das Ziel des Zen ist die Erleuchtung, und viele Zen-Schülerinnen und -Schüler haben die Vorstellung, dass dies eine einmalige, überwältigende und das Leben für immer auf den Kopf stellende Erfahrung ist, die man nur nach jahrelangem Training erreichen kann. Ich aber sage: Erwachen ist unsere Praxis.
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Wie wäre es, für das nächste Jahr ein paar sehr gute Vorsätze zu fassen und sie tatsächlich einzuhalten? Zum Beispiel diese:
* Ich möchte weniger über die Zukunft grübeln und stattdessen mehr im Augenblick leben.
* Ich möchte meine innere Stille kennenlernen und sie im Alltag jederzeit wiederfinden können.
* Ich möchte herausfinden, wie ich meinen inneren Frieden herstellen und aufrechterhalten kann in einer Welt, die alles andere als friedvoll ist, ohne mich von der Welt zurückzuziehen.
* Ich möchte für mich selbst mehr Mitgefühl und Verständnis entwickeln, damit ich auch anderen Mitgefühl und Verständnis schenken kann.
* Ich möchte akzeptieren, dass alles unvollkommen ist und deshalb nie perfekt sein kann. Und mit Gelassenheit sehen, wie unvollkommen und nicht-perfekt ich selbst bin.
* Ich möchte die Tatsache, dass sich alles unablässig verändert, als aufregende Möglichkeit sehen, vor der ich keine Angst zu haben brauche.
Damit diese guten Vorsätze nicht schon in der ersten Januarwoche im Alltag untergehen, könntest du dir eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten suchen und dich zum Beispiel jetzt schon anmelden für mein nächstes Seminar in Freiburg:
13. bis 15. Februar 2026, Waldhof Freiburg
Wunderbare Unvollkommenheit
Ja, das ist das Fasnet-Karneval-Faschings-Wochenende, an dem unten in der Stadt getrötet und gegrölt wird. Aber wir sind drei Tage lang geborgen oben am Waldrand in der schönen alten Villa. Es ist dort so still, dass auch wir ganz von selbst still werden. In dieser Stille sitzen wir (auf dem Kissen oder dem Stuhl), speisen miteinander, hören Vorträge (meine) und tauschen uns einmal am Tag miteinander aus. Und weil wir aus unserer inneren Stille heraus sprechen, wird das Gespräch tief und für alle wertvoll sein.
Machst du mit? Ich freue mich auf dich.
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