Sonntag, 29. März 2020

Let's sing!



Join my favourite group, the fabulous Voces 8, for a sing-along!

Enjoy your quiet Sunday evening at home. 


Mittwoch, 25. März 2020

Jetzt entstehen Möglichkeitsräume


Neues Leben entsteht

Man hat unser tägliches Leben am letzten Wochenende von Hundert auf ungefähr Null Komma fünf heruntergefahren. Das kommt für viele von uns einer Vollbremsung gleich. Da stehen (sitzen) wir nun, schauen uns verwirrt um und fragen uns: Wo bin ich denn bloß gelandet? Diese merkwürdige Stille, kaum ein Mensch auf der Straße, die Regale im Supermarkt gähnend leer. Die Freunde nur zwei Kilometer weiter weg, aber wie auf einem anderen Planeten. Und die Enkel tun uns etwas Gutes, wenn sie uns nicht besuchen. Auf diese Weise ausgebremst, beginnen wir, im Eingeschränkten erstaunliche Möglichkeiten zu entdecken.

Aus unseren in Vorzeiten wahllos zusammengestellten Vorräten entwickeln wir notgedrungen kreative Gerichte. (Die getrocknete Mango von schuhlederartiger  Konsistenz wanderte heute bei mir ins Gemüsecurry.) Wir entdecken die Bücher in unseren Regalen neu (Eduard von Keyserling "Wellen"! Nur mal so als Tipp), trinken miteinander virtuell vernetzt einen Tee und machen einen Abendspaziergang, der uns wichtig ist, weil er vielleicht in der nächsten Woche nicht mehr erlaubt ist. Wir entdecken den Minimalismus auf allen Gebieten - früher ein Modetrend, der uns faszinierte, aber wir schafften es einfach nicht, auf die schönen Überflüssigkeiten zu verzichten. Jetzt stellen wir fest: Minimalismus hat gar nichts zu tun mit Verzicht, sondern mit Erleichterung und Leichtigkeit.

Werden wir es schaffen, diese kreative Energie zu bewahren, wenn die Grenzen wieder offen, die Läden wieder gefüllt sind und die Versuchungen der Überflusswelt wieder um unsere Aufmerksamkeit werben?

Werden wir das schaffen?

"Die Welt ist im Retreat" betitelte ich - hier - meinen Post vor einer Woche. Ich sprach aus der Sicht meiner buddhistischen Praxis von der großen Chance, die diese Krise uns bietet, unser Leben dauerhaft zu verändern. Vor ein paar Tagen schickte mir ein Freund einen wichtigen Artikel des Zukunftsforschers Matthias Horx, der aus Sicht seiner eigenen Disziplin zu demselben Schluss kommt: "Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Wir nennen sie Bifurkationen. Diese Zeiten sind jetzt." Er bietet uns ein Denk-Experiment an: Schauen wir von der Zukunft aus zurück ins Heute, um zu staunen und zu fragen: Wie kam das alles, was wir jetzt - sagen wir, im September 2020 - sehen und erleben? Wie kam es zu dieser neuen, menschlicheren Welt, die wir möglicherweise vorfinden im September 2020?

Bitte lest diesen Artikel, hier (klick).

Vielleicht schaffen wir es ja wirklich.

Samstag, 21. März 2020

Thich Nhat Hanh: Gesund bleiben in schwieriger Zeit


Beschütze deinen Morgen (und beginne ihn sanft). Übe dich darin, deinen Tag mit ein paar ruhigen Atemzügen und einem Lächeln zu beginnen, sogar bevor du dein Bett verlässt (oder das Smartphone in die Hand nimmst). Gelobe dir selbst, jede Stunde des Tages bewusst und mit Mitgefühl zu leben.

Genieße deinen Tee oder Kaffee, trinke langsam und würdige ihn so, als wäre er die Achse, um die die Welt sich dreht. Folge deinem Atem, entspanne den Körper, schau aus dem Fenster und lausche deinem Herzschlag (das ist nichts weniger als Meditation).

Genieße jede Einzelheit der Zubereitung des Frühstücks. Das Leben besteht aus kleinen Momenten. Du musst nirgendwo hinrennen, es gibt nichts zu erledigen. DIES IST ES! Freue dich, dass deine geliebten Menschen da sind und ihr wunderbarerweise genug zu essen habt.

Wenn du bereit zum Arbeiten bist, arbeite. Befreie dich von Ablenkungen, fokussiere deinen Geist. Aber vergiss nicht, für deinen Körper zu sorgen, während du am Computer sitzt. Stelle dir eine Glocke, damit du dich etwa alle 30 Minuten strecken kannst.


Nimm dir Zeit, achtsam zu gehen. Wunderbar, wenn du das draußen tun und dich mit der Natur verbinden kannst. Wenn du im Haus bleiben musst, ist das auch kein Problem: Du kann langsame Gehmeditation machen, eine kraftvolle Art, Spannungen und Ängste zu lösen.

Mach ein Nickerchen nach dem Mittagessen für 20 Minuten oder praktiziere, wenn du das gelernt hast, den Bodyscan im Liegen. Selbst wenn du nur 10 oder 15 Minuten lang Spannungen löst, kann es dich befreien und erfrischen, bevor du mit der Arbeit fortfährst.

Nähre dich. Nichts kann ohne Nahrung überleben. Furcht, Angst und Verzweiflung können genährt werden durch das, was wir lesen, sehen und hören. Genauso können unser Mitgefühl, unser Vertrauen und die Dankbarkeit genährt werden, indem wir inspirierende Bücher, Musik, Podcasts und Unterhaltungen wählen.


Komm jeden Tag ins Schwitzen. In unseren Praxiszentren machen die Mönche und Nonnen jeden Tag Körperübungen oder treiben Sport. Das ist wichtig, damit deine Energie zirkuliert, du gesund bleibst und Spannungen und Gefühle löst, die in jeder Zelle deines Körpers sitzen.

Suche den Kontakt zu geliebten Menschen. Lass sie wissen, dass du für sie da bist. Frage sie nach ihren tiefsten Hoffnungen und Befürchtungen. Schreibe ihnen einen Liebesbrief. Vergib denen, die Vergebung benötigen. Versäume nicht diese wichtige Gelegenheit, verletzte Beziehungen zu heilen.

(Eine Zusammenstellung von Sr. True Dedication. Übersetzung: Margrit Irgang)

Für alle, die gut Englisch verstehen: In Zusammenarbeit mit der Thich Nhat Hanh Foundation bietet das buddhistische Magazin Lion's Roar ein kostenloses Online-Seminar "In the Footsteps of Thich Nhat Hanh" an mit Mönchen, Nonnen und Laienlehrern des Order of Interbeing. Vom 25. bis 28. März. Anmeldung hier (klick)

Achtet auf Euch, damit Ihr andere schützt. Und habt keine Angst. Seid voller Vertrauen. Wir gehen gemeinsam durch eine außergewöhnliche Zeit und haben jetzt die Möglichkeit, das Beste in uns zu zeigen.  

Beziehung

Du bist ich, und ich bin du.

Ist es nicht offensichtlich, dass wir miteinander verbunden sind?

Du pflegst die Blume in dir, damit ich schön bin.

Ich verwandle den Unrat in mir, damit du nicht leiden musst.

Ich unterstütze dich, du unterstützt mich.

Ich bin auf der Welt, um dir Frieden geben.

Du bist auf der Welt, um mir Freude zu bringen.

Thich Nhat Hanh


Dienstag, 17. März 2020

Die Welt ist im Retreat


Zu.

Wir sind gerade in einem Schockzustand. Das wird nicht so bleiben. Spätestens, wenn die Fallzahlen sinken (was wir natürlich ersehnen), wird die Diskussion um die Angemessenheit der Maßnahmen beginnen (zu spät, zu früh, zu viel, zu wenig), und sie wird, wie ich die Medien kenne, heftig sein. Im Moment sind wir in einer Zwischenzeit, es wurde über und für uns entschieden, und das ist auch richtig so. Dieser Zustand ist eine Chance, die es in unserer Lebenszeit noch nie gegeben hat: Die Welt ist im Retreat.

So ein Meditations-Retreat kann ein Leben verändern. Wie passiert das? Indem der Schüler die feste Absicht fasst, es geschehen zu lassen. Solch ein Retreat ist nicht billig (das, in dem wir uns gerade befinden, wird uns extrem teuer zu stehen kommen). Also will der Schüler die Zeit, die ihm da gegeben ist, nutzen, da er ohnehin bezahlen muss. Allerdings hatte er sich die Sache leichter vorgestellt.

Gut, es ist ruhig dort, wo die Schülerin sich jetzt befindet. Zeitweise geradezu still (eine erste leichte Beklommenheit schleicht sich in ihr Gemüt). Aber die Verhaltensregeln sind schon rigide. Wie, sie soll mit niemandem engen Kontakt haben, darf niemanden umarmen? Der Schüler würde gern in einer Kneipe sein gewohntes Abendbier trinken, die Schülerin sich in einen hübschen Film flüchten. Nichts davon ist an diesem Ort möglich. Nach drei Tagen haben beide nur einen Gedanken:

Ich. Will. Hier. Raus.

Aber die Tore des Klosters sind verschlossen (Grenzen zu, Flüge gestrichen). Unseren beiden Schülern dämmert die Wahrheit: Sie müssen sich in ihre Situation fügen. Sehr gut. Jetzt kann die Meditation beginnen. Was ist Meditation? Etwas ganz Natürliches: Die beiden schauen sich an, was in ihrem Geist geschieht. Zum ersten Mal wahrscheinlich, das kann also ungemütlich werden. Sie werden vermutlich - die Szenarien gleichen sich nämlich erfahrungsgemäß - von Ängsten und Befürchtungen bis zur Panik heimgesucht werden, aber auch von Glücksgefühlen bis zur Euphorie. Sie werden beobachten, wie eine Regung von einer anderen abgelöst wird, dass keine lange bei ihnen verweilt (früher hatten sie den Eindruck, endlos in einer Regung festzustecken). Man hat sie angewiesen, sich nicht von der Stelle zu rühren. Und all die hübschen Spielzeuge, mit denen sie sich früher abgelenkt haben, sobald sie ein Unbehagen spürten, hat man ihnen weggenommen. Da sitzen sie also und lernen sich kennen.

Wie gesagt: anfangs ziemlich ungemütlich. Aber nur Mut, das bleibt nicht so. Wenn die beiden ihren Gedanken und Gefühlen erlauben, sich zu zeigen, und sie mit ihrer Aufmerksamkeit begleiten, ohne sie auszuagieren oder zu unterdrücken, wird sich der ganze Wirbel sehr schnell beruhigen. Dann, erst dann, werden sie erkennen, dass hinter all den Ängsten, Bewertungen, Urteilen und, ja, auch hinter der Euphorie eine ganz andere Dimension des Seins zum Vorschein kommt.


Auch in einem Retreat findet man immer etwas zum Umarmen.

Die Krise, in der wir uns global befinden, zeigt uns, wie fragil das Leben ist. Wir hatten geglaubt, die Kontrolle zu haben, und lernen gerade: Es gibt keine Sicherheit. Wir hätten das schon längst wissen können, aber wir brauchten anscheinend diese Winzigkeit namens Virus, um es zu begreifen.

Die beiden in unserem fiktiven Retreat haben Glück. Sie sind an eine Lehrerin geraten, die klare Worte liebt. Diese fiese Frau konfrontiert sie mit den Fünf Kontemplationen des Buddha, die der Dalai Lama jeden Morgen rezitiert als Vorbereitung auf seinen Tag, der danach ganz bestimmt ein Tag ohne Illusionen ist:

* Es ist meine Natur, alt zu werden. Es gibt keinen Weg, dem Altwerden zu entgehen.
* Es ist meine Natur, krank zu werden. Es gibt keinen Weg, dem Krankwerden zu entgehen.
* Es ist meine Natur, zu sterben. Es gibt keinen Weg, dem Tod zu entrinnen.
* Alles, was mir wertvoll ist, und jeder, den ich liebe, wird sich von Natur aus verändern. Ich werde von allem getrennt werden, dem kann ich nicht entgehen.
* Mein einziges Erbe sind meine Handlungen in Körper, Rede und Geist.

Hinter dem Wirbel, den unsere Gedanken und Gefühle machen, ruht die Dimension der grenzenlosen Weite, in der das Mitgefühl lebt. Wir haben jetzt die Chance, in eine neue Offenheit einzutreten. Wir könnten beschließen, den Wunsch nach Sicherheit aufzugeben, und uns stattdessen der Unsicherheit stellen. Wir könnten sehen - ganz klar sehen an dem, was weltweit geschieht -, dass wir alle miteinander verbunden sind. Dass, was einem geschieht, auch anderen geschieht. Dass es unsere "Handlungen" sind, die wirken und bleiben werden: Unsere Gedanken und Gefühle, die zu Worten und Handlungen führen. Zum Schaden - oder zum Wohl aller Wesen.

In einem Retreat kann man das lernen. Wie gesagt, es kann ein Leben verändern.


Samstag, 14. März 2020

Reisen in Zeiten von Corona


Vor einem Jahr um diese Zeit bereitete ich meine Reise nach Japan vor. Jetzt reise ich an den Ozean vor meinem Haus. 

Ich lebe in einer heiklen Gegend. Das Elsass, eines der Hochrisikogebiete für den Virus, ist nur 20 km von mir entfernt. Aus mehreren Gründen gehöre ich zur Gruppe mit dem höchsten Risiko. Deshalb ist es mir sehr recht, dass ab heute in Freiburg alle Schulen, Volkshochschulen, Kitas, Museen, Theater, Bäder, Kirchen, Konzertsäle, die Unibibliothek und die Universität geschlossen sind und die Uniklinik und Altenheime ein Besuchsverbot erlassen haben. Dass Sportveranstaltungen ausfallen und sämtliche Zusammenkünfte jeder Art - auch private Feiern - mit mehr als 50 Personen untersagt sind (leider fallen darunter auch die Konzerte Ende März meines Chores).

Aber jetzt zum Erstaunlichen. Ganz süß finde ich die Aufforderungen an die Jungen, für Menschen wie mich einzukaufen, damit ich zu Hause bleiben kann. Und so viele wollen das unbedingt machen! Ich habe gehört, dass arbeitende Eltern untereinander Kinderbetreuung organisieren und dass für Arbeitnehmer, die ihre Arbeit verloren haben, gesammelt wird. Unter dem Hashtag #andratuttobene (alles wird gut) teilen die in Quarantäne zu Hause lebenden Italiener ihre Ermutigungen auf sozialen Netzwerken. Kennt Ihr das Video, in dem Anwohner einer Gasse in Siena von Fenster zu Fenster singen? Mehrstimmig! Man findet es auf Twitter.

So viel Solidarität auf einmal. Abgesehen davon, dass ich erst im dritten Laden noch ein Paket Toilettenpapier bekam ...


Also reise ich statt in die Toscana an den Kaiserstuhl - sieht doch fast genauso aus, oder? Schön warm ist es da auch. 

Ja, ich weiß, das Virus verbreitet sich exponentiell; in Freiburg haben sich die Fallzahlen von Donnerstag auf Freitag verdoppelt. Ich bin keine Mathematikerin, und deshalb habe ich mir den Begriff an Hand der fiktiven Geschichte von dem Schachspiel und dem Reis erklären lassen. Ein indischer König war so beeindruckt von dem neuartigen Spiel namens Schach, dass er dessen Erfinder belohnen wollte. Was willst du von mir haben? fragte er, und der Erfinder sagte: Gib mir für jedes Feld doppelt so viele Reiskörner wie für das vorherige. Der König war sicher froh, so billig davonzukommen. Der Erfinder bekam also ein Korn für das erste Feld, zwei für das zweite, vier für das dritte, und so weiter. Am Ende hätte der König eine neunzehnstellige Zahl an Reiskörnern schenken müssen, mehr als die globale Ernte mehrerer Jahrhunderte.

Ich lese gerade für eine Rezension im SWR das Buch "Im Grunde gut" von Rutger Bregman. Das ist jener junge Historiker, der beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2019 die großartige und empörte Rede hielt, die um die Welt ging. Über das Buch demnächst hier mehr. Heute nur ein Zitat, das ich gerade darin gefunden habe. Es ist von dem Umweltbiologen Professor Jan Boersema; er spricht hier über den Klimawandel, aber seine Metapher ist das Schachspiel und die Reiskörner:

"Es besteht ein Unvermögen zuzugeben, dass neben Problemen auch Lösungen exponentiell wachsen können." Jan Boersema

Bleibt gesund und optimistisch, liebe Freundinnen und Freunde. Morgen soll es, zumindest bei uns im Risikogebiet an der französischen Grenze, sehr sonnig und frühlingshaft werden!

Sonntag, 8. März 2020

Heute nur Frauen. Today only women.


Sie schreiben

Empfehlung 1: Marion Poschmann "Die Kieferninseln": Gilbert Silvester reist nach Japan, um den (eingebildeten) Betrug seiner Frau zu vergessen, will wie einst Basho den Mond über den Kieferninseln aufgehen sehen, muss sich aber erst mal mit seinem japanischen Reisebegleiter Yosa befassen, der will nämlich rituellen Selbstmord begehen.

Empfehlung 2: Keri Hulme "Unter dem Tagmond": Eine archaisch anmutende Erzählung aus Neuseeland. Drei vom Leben verletzte Außenseiter nähern sich einander an und bilden so etwas wie eine Familie. Wunderbar erzählt.

Empfehlung 3: Tania Blixen "Wintergeschichten": Wer nur ihr Afrika-Buch gelesen hat, kennt diese großartige Autorin nicht. Geheimnisvolle und kluge Geschichten, nicht nur für Winterabende.



Sie singen

Die magische Sängerin Eivor von den Faröern.


Sie malen

Seit jeher bin ich fasziniert von den Bildern von Georgia O'Keeffe, von ihrem Adobe-Haus in New Mexico und von ihrem Gesicht. Sollte ich je 99 werden, will ich so aussehen wie sie.



Die schwedische Malerin Hilma af Klint malte abstrakt, noch bevor es Kandinsky gab. Erst jetzt wird sie entdeckt, und der Film über sie läuft in den Kinos gerade an. 


Sie kochen

Meine Lieblings-Köchin ist Anna Jones. Von ihr habe ich gelernt, mit ungewöhnlichen Gewürzen zu experimentieren. Viele ihrer vegetarischen und veganen Gerichte gibt es auf ihrer Website Anna Jones

Auch bei Sarah Britton werde ich oft fündig: hier



Sie erschaffen Schönheit mit Tiefe

Alle Installationen von Beili Liu sind die Antwort einer Frau und Künstlerin auf das Leiden in der Welt. In diesem Video ist es das Elend der Flüchtlinge. "Life can be as light as a feather or as heavy as a mountain."



Sie machen den Mund auf

Die Kriegsreporterin und Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels Carolin Emcke hier philosophisch in der "Sternstunde Philosophie" des Schweizer Fernsehens.

Immer empfehlenswert sind die Bücher der Schriftstellerin und Aktivistin Rebecca Solnit. Mehr auf ihrer Website 


... und alle Frauen lieben und lachen, weinen und empören sich, erziehen Kinder zu guten Menschen, heilen und helfen, unterstützen, sorgen, lehren, hören zu, machen sich ihre Gedanken und haben das alte Wissen der weisen Frauen und Magierinnen bewahrt, die von einer patriarchalen Kultur fast ausgerottet wurden in dunklen Zeiten, aber eben nur fast, denn das Wissen lebt weiter, in den Genen, in Träumen und Erinnerungen, in Ahnungen und Intuitionen - das Wissen um heilende Kräuter, die Zyklen der Natur, die Rhythmen des Mondes, um die Gefühle der Menschen und eine Spiritualität, die nichts mit Religion zu tun hat ...

... and all women love and laugh, cry and rebel, raise children, want them to become good human beings, heal and help, support, care, teach, listen, think and keep the old wisdom of wise women and female magicians, those who once were almost exterminated by a patriarchal culture, almost, not completely, for their wisdom has survived, in their genes, in dreams and memories and inspirations - the knowledge of healing herbs, the cycles of nature and the moon, the knowledge of the deep feelings and a spirituality which has nothing to do with religion ...

Sonntag, 1. März 2020

Kleine Wunder in schwieriger Zeit


Ich weiß: Nichts ist einfach. Täglich neue Hiobsbotschaften. Ihr kennt sie auch, ich zähle sie hier nicht auf. Wir tun, was wir können, um Schlimmes zu verhüten. Wir geben unser Bestes (was immer das im gegebenen Moment ist). Der Rest liegt nicht in unserer Hand.

Nicht vergessen: Es gibt noch kleine Wunder. Bitte das Staunen nicht verlernen. Über das Leben, das jenseits von Angst und Befürchtung weitergeht. Immer weiter, still vor sich hin. Hier ein paar winzige Wunder, die mir begegnet sind in den letzten Wochen. 

Die Sonnenblumen zwischen den Betonplatten auf meinem Balkon, im Januar gesät von den Spatzen ...


... der Himmel, der auf die Erde fiel, mir vor die Füße ...


... das Licht, das eine Botschaft an meine Wohnzimmertür hängte ...


... und das Gras, das ein Zen-Bild auf die Mauer tuschte.

"Es gibt zwei Möglichkeiten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder." Albert Einstein

"Instuctions for living a life: Pay attention. Be astonished. Tell about ist." Mary Oliver


Mittwoch, 26. Februar 2020

Sarah Lesch "Der Einsamkeit zum Trotze"


Schöne Stimme.

Guter Text.

Tolle Musik.

Hören.


Freitag, 21. Februar 2020

Entscheidung zur Leichtigkeit


Die Praxis der Achtsamkeit führt zu schwereloser Leichtigkeit.

Also wirklich, Leichtigkeit ...? Wir sind doch ernsthaft Praktizierende, wir geben uns Mühe mit dem Achtsamsein, wir sind von dieser Praxis voll überzeugt, wir belehren auch gern andere darüber, die zu unserem Leidwesen so schrecklich unachtsam sind. Da hat schon wieder einer seinen Müll nicht ordentlich getrennt, schon wieder hat sich einer in der Kassenschlange vorgedrängelt, die Nachbarn essen immer noch nicht vegetarisch, es ist deprimierend.

Nein, wir sind nicht leichtfertig, wir werden mit der Unachtsamkeit um uns herum nicht leicht fertig. Wir leiden darunter, wir wissen, wie die Welt zu funktionieren hat, warum wissen das nicht alle. Wir sind schon gar nicht leichtsinnig, wir sinnen über die Welt in ernsthafter, tiefer Weise nach. Wir sind keine Leichtgewichte, wir stehen jeden Morgen um sechs Uhr auf und sitzen auf dem Kissen, selbst wenn wir krank sind. Ja, wir nehmen diese Praxis ungeheuer ernst.

Leichtigkeit hat in Deutschland kein gutes Image.

Wir schätzen sie nicht. Wir wissen gar nicht, wie sie sich anfühlen würde und wie wir sie herstellen könnten: eine Leichtigkeit, die auf tiefen Ernst gegründet ist und die Probleme in der Welt nicht leugnet. Eine Leichtigkeit, die uns erst fähig macht zum Handeln, die es uns erlaubt, unsere Stimme zu erheben gegen den Hass, die Ungerechtigkeit, den Rassismus.

Eine solche Leichtigkeit entsteht, wenn wir erkannt haben, dass wir nie getrennt waren von der Natur, den Mitmenschen, dem gesamten Kosmos. Wenn wir unsere unauflösbare Verbundenheit erkennen, begreifen wir, dass auch wir zum Hass, zur Ungerechtigkeit, zum Rassismus beigetragen haben, mit flüchtigen Gedanken, mit kleinen alltäglichen Handlungen, oder eher: mit dem, was wir unterlassen haben. Nicht mit Absicht, nein, natürlich nicht. Einfach aus Unachtsamkeit, aus Unwissenheit. Weil wir keine Ahnung hatten, wie viel von uns selbst abhängt: Von unserer Klarheit, unserer genauen Wahrnehmung. Von unserer Entschlossenheit, nur noch Heilsames in die Welt zu tragen.

Wenn wir das begriffen haben, wird das Leben leicht. Wir müssen keine kleinen Entscheidungen mehr treffen. Wir müssen nicht in jeder Situation des Alltags aufs Neue grübeln: Soll ich mich wirklich einmischen? Soll ich wirklich widersprechen, protestieren? Soll ich mich wirklich dafür entscheiden, Freude und Freundlichkeit zu verbreiten, Blumen zu verschenken, aufmunternde Karten zu verschicken?

Darüber muss ich in Zukunft nicht mehr nachdenken, und das spart viel Energie. Die eine grundsätzliche Entscheidung ist getroffen: Ich will das Heilsame in der Welt stärken. Diese Entscheidung hat die Eigenschaft, in erstaunlicher Schnelligkeit von uns Besitz zu ergreifen. Sie nimmt uns in Beschlag, sie ist nicht mehr rückgängig zu machen. Sie erweist sich als organisch: Wir brauchen sie nicht zu nähren, sie arbeitet von selbst.

Unser verbissener Ernst und unsere Selbstgerechtigkeit haben das Ego genährt. Bei jeder kleinen Entscheidung fragte das Ego sofort: Und was habe ich davon? So ist es groß und stark geworden, eine Wand zwischen uns und der Welt. Aber jetzt wird das Ego ausgelüftet. Die Leichtigkeit hat in der Wand Fenster weit geöffnet, und dieses Ding, das sich so aufgeblasen hatte, fällt erstaunlich schnell in sich zusammen. Da war nur Luft drin. Ach so.

Leichtigkeit heißt: Mein Ego steht nicht mehr Weg.

 

Freitag, 14. Februar 2020

Das Gedankenland ist ganz nah



Personal der Handlung: Hull, Eule. Filli, Fink. Häkäkä, Rabe. Baula, Taube. Nika Regenwein, 8 Jahre alt.
Ort der Handlung: Irgendwo an der Grenze zum Gedankenland.

"Jeder Mensch", sagte Hull, braucht ab und an einen frischen Wind in seinem Kopf, damit er alleine weiterdenken kann."

"Und darum sind die Huhlis die Begleiter der Gedanken der Menschen", sagte Häkäkä. "Aber das wissen die Menschen nicht. Die Menschen haben Milliarden von Gedanken gemacht in ihrer Geschichte, aber keinen einzigen Gedanken über die Huhlis."

"Weil sie zuwenig Phantasie haben", bemerkte Baula.

"Ach was, sie halten sich für den Mittelpunkt der Welt", sagte Filli.

"Moment mal", unterbrach Nika, die auf einmal tausend Fragen hatte. "Wie könnt ihr wissen, welchen Gedanken der Mensch gerade braucht, und wie findet ihr ihn?"

"Den Gedanken, den er braucht, macht er sich selbst", sagte Baula, und ihre Stimme klang ehrfürchtig. "Wir schicken ihm nur den Anstoß dazu."

"Das können ganz verschiedene Dinge sein", sagte Häkäkä. "Zum Beispiel ein Lied oder ein Gedicht."

"Der Gedanke an eine schöne Blume", sagte Filli.

"Oder der Einfall, den Keller aufzuräumen", sagte Baula.

"Na, ich weiß nicht", meinte Nika zweifelnd.

"Du glaubst nicht, was die Arbeit mit Besen und Lappen alles in Gang bringt", schwärmte Häkäkä. "Ich erinnere mich da an einen Mann, der beim Aufräumen seines Kellers einen Schuh fand, der mit einer Zeitung ausgestopft war, in der er Bilder sah von einer Insel namens Maui, die ihm so gut gefiel, dass er dort hinfuhr, wo er seine Frau kennenlernte, mit der er heute drei Kinder hat."

"Das klingt ja wie eine Geschichte", staunte Nika.

"Liebes Kind, jedes Menschenleben ist eine aufregende Geschichte!" rief Baula.

"Und wenn der Mensch sie sich nicht weitererzählen kann", sagte Hull, "greift ein Huhli ein."


Aus der Rezension im "Eselsohr": "Das Gedankenland mit seinen Verwaltern, den weißen Vögeln, wird nicht zur himmlischen, übermenschlichen Zone, sondern humorvolles Abbild alltäglicher Unvollkommenheiten, an der letztendlich unsere Gedanken den größten Anteil haben."

Margrit Irgang "Die erste und einzige Geschichte vom Gedankenland", Oetinger Verlag. Für Kinder von 8 bis 80 Jahren. (Oder 95 ...)

Nur noch erhältlich bei der Autorin.