Freitag, 27. Januar 2023

Warum alles schwarz sehen?

 

 

Hast du auch das Gefühl, immer in der langsamsten Schlange an der Supermarktkasse zu stehen? Dann ist dieses Video für dich. Die ausgezeichneten youtube-Videos des Journalisten Gert Scobel will ich hier schon lange vorstellen. Stöbere dort doch mal, es lohnt sich. Gert Scobel präsentiert seine anspruchsvollen wissenschaftlichen und philosophischen Themen sehr lebendig und witzig - das ist eine Kunst, langweilig und ernsthaft kann jeder. Und wie cool sind denn all diese Hemden, die er da trägt ...

Inzwischen behandelt er zunehmend auch spirituelle Themen, befasst sich mit Meditation und steht auch dazu, seit Jahrzehnten Zen-Schüler zu sein. Prompt hat ihm das den wohl etwas mäkelig gemeinten Kommentar eines Zuschauers eingebracht: "Scobel wird immer mehr zum Mystiker". In diesem Video gibt er uns ein schönes Koan, den 19. Fall aus dem Mumonkan.

 
Die Blumen im Frühling
Der Mond im Herbst
Im Sommer die kühle Brise
Im Winter der Schnee
 
Wenn unnütze Sachen
den Geist nicht vernebeln
ist dies des Menschen glücklichste Jahreszeit


Für alle, die noch Nachrichten vom alten Google-Feedreader bekommen, der keine Videos einbettet, hier (klick) der Link.


Samstag, 21. Januar 2023

No birth, no death

 


Zum Todestag von Thay hat Plum Village den Film "I have arrived, I am home" veröffentlicht über Thays letzte Monate im Tempel in Hue und die Begräbniszeremonie. Schön, die Bilder aus den Klöstern überall auf der Welt zu sehen, und zu hören, dass Thay die weltweite Sangha so organisiert und stabilisiert hat, dass in seinem Geist weiter praktiziert und gelehrt wird. Wie es eine Praktizierende sagt: Früher machten wir Gehmeditation mit Thay, jetzt ist Thay die Gehmeditation.

 

Donnerstag, 19. Januar 2023

Hochsensibilität


Ich bin ja eine bekennende Hochsensible und habe schon viel darüber geschrieben. In der immer sehr empfehlenswerten Sendung "Leute" in SWR 1 war jetzt die Professorin Corina Greven zu Gast, die zum Thema Hochsensibilität forscht. Ich finde das deshalb so wichtig, weil die meisten Ärzte und Psychologen keine Ahnung von diesem Thema haben und uns nach wie vor als Gestörte ansehen, deren besondere Merkmale nach einer Therapie bitte zu verschwinden haben. Ich selbst habe meinem Arzt vor ein paar Jahren einen Stapel Informationsmaterial auf den Tisch gepackt. Er hatte nie vom Persönlichkeitsmerkmal "Hochsensibilität" gehört, aber er ist lernfähig (sonst wäre er nicht mein Arzt) und hat sich eingearbeitet.

Leider kann ich das Video nicht direkt auf den Blog stellen, deshalb hier (klick) der Link zur SWR-Seite. Es gibt ein Audio und, weiter nach unten scrollen, das Video der Sendung.


Freitag, 13. Januar 2023

Wunderbare Unvollkommenheit


Als ich in den Intersein-Orden eintrat, gab Thay mir den Namen "True Lotus of Virtue". "Virtue", habe ich mir sagen lassen, steht hier nicht für das, was wir Tugend nennen, sondern für "Erleuchtung". Das kommentiere ich jetzt mal nicht. Im Shop in Plum Village erstand ich danach diese Kalligrafie von ihm. 

Ich habe gelegentlich den Hang zur Perfektion; dann werde ich ungeduldig, weil jemand mein doch klar formuliertes Anliegen nach mehreren Rückfragen immer noch nicht kapiert oder die Frau in der Postagentur mit der Kundin vor mir nicht ein wenig plaudert, sondern ihre halbe Lebensgeschichte ausbreitet. Kürzlich stand ich an der Supermarktkasse und klaubte mein Kleingeld aus dem Beutel, weil das mal dringend wegmusste. Erst fiel mir eine Euromünze hinunter, dann fand ich das notwendige Centstück nicht. Die Frauen in der Schlange hinter mir begannen zu stöhnen. 

Das sind die Momente, in denen ich meine kleine Kalligrafie brauche.

 


Seit Jahren hat mein Nicht-Fasnet-Faschings-Karneval-Retreat im Waldhof Tradition. Es findet wieder statt:

17. - 19. Februar 2023, Waldhof Freiburg

"Wunderbare Unvollkommenheit" 

Auch wir feiern an diesem Wochenende, aber anderes: die Stille, die Gemeinschaft und - mit Humor - vor allem uns selbst mit allem "Schlamm", in dem wir wurzeln müssen, um blühen zu können. 

Ich freue mich über jede und jeden, die/der mitfeiern will. Hier (klick) kann man sich anmelden.

Leider hat mein Feedreader follow den Link zu meinem Beitrag "Der Alltag als Meditationsraum" in der Ursache\Wirkung versemmelt. Auf dem Blog-Beitrag funktioniert er zwar, aber hier noch mal (klick).

 

Freitag, 6. Januar 2023

Der Alltag als Meditationsraum


"Wenn der Alltag zum Meditationsraum wird, erfährt der Begriff „Meditation“ eine ungeahnte Erweiterung. Während wir in einem Zen-Retreat tagelang auf eine weiße Wand schauen, sprüht im Alltags-Zendo das Leben. Ständig kreuzen andere Menschen in unserem Wahrnehmungsbereich auf, mit ihren eigenen Absichten und Ansichten. Der Sohn weigert sich, sein Zimmer aufzuräumen; wir suchen nach einem Kompromiss, der für alle Beteiligten nervenschonend ist. Die Katze maunzt vor dem Fressnapf, wir füllen Futter ein. Jemand hat eine Delle in unser Auto gefahren und ist geflüchtet; wir rufen die Werkstatt an. In der formalen Schulung haben wir gehört und vielleicht erfahren, dass es keine Trennung gibt zwischen „mir“ und „den anderen“, zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen und Mineralien. In unserem ganz gewöhnlichen Leben mit seinen täglich vierundzwanzig Stunden voller Herausforderungen bleibt die „wechselseitige Durchdringung alles Seienden“ garantiert kein Konzept mehr. Unser stets auf seinen Vorteil bedachtes empfindliches Ego mit seinen Wünschen wird mit den Wünschen aller anderen Menschen konfrontiert und muss lernen, zurückzustecken. Wir können uns aus dem Leben nicht heraushalten, wir sind mittendrin im Geschehen und erfahren mit Herz und Geist in aller Deutlichkeit, was „Intersein“ bedeutet. Eine solch hervorragende Schulung bietet selbst das beste Meditationshaus nicht, und kostenlos ist sie auch."

Ein Auszzug aus meinem Beitrag in der Ursache\Wirkung Nr. 117 "Meditation". Hier (klick) ist er zu lesen.


Sonntag, 1. Januar 2023

Da bist du ja


 

Gestern Nacht wurde ich wach. Über meinen Dachfenstern ergossen sich Sternenregen, Kometenschweife in allen Farben sausten durch den Himmel, die Scheiben vibrierten. Mir schien, ein so üppiges Feuerwerk hätte ich hier noch nie gesehen, aber die selige Silvesterstille der letzten beiden Jahre hat vielleicht meinen Maßstab verschoben. So werden royale Babies begrüßt, dachte ich, und weil wir zum Glück keine Monarchie mehr haben, feiern wir was anderes, das angeblich auch mit Ankunft und Abschied zu tun hat.

Noch ist das Baby 2023 duftig wie frisch gebadet. Es hatte noch keine Gelegenheit, uns zu enttäuschen. Das wird es aber unter Garantie tun, wenn wir uns nicht auf die kleinste Zeit-Einheit besinnen, die einzige Zeit, die es gibt, die immer neu ist, immer anders, wir müssen nur ganz genau hinschauen. Ihr wisst schon, was ich meine: dieser Augenblick. 

Ich wünsche Euch, dass Ihr wirklich dem Augenblick vertraut und mit ihm nicht zu handeln anfangt, egal, was er gerade im Gepäck hat. Ihm nicht sagt, was er hätte mitbringen sollen, was besser gefallen und gepasst hätte, was hübscher und angenehmer gewesen wäre. Ihn einfach begrüßen - es muss ja nicht mit Feuerwerk sein - und sagen, aha, da bist du ja. So schaust du aus. Dann wollen wir mal miteinander. Was auch immer. Wir sind nämlich untrennbar verbunden, du und ich. Wenn du nicht mehr bist, ist mein Körper auch nicht mehr.

Aber eigentlich wollte ich mit diesem Post nur eine schlichte Mitteilung machen: Wer mir dieses Jahr zum Geburtstag gratulieren will, findet mich auf der Bühne im Projektchor des Konzerts "Hamburger Weihnacht" des John Sheppard Ensemble im Konzerthaus Freiburg. 😉