Montag, 28. Juni 2021

Kintsugi. Die Schönheit der Brüche.

 

Vor ein paar Monaten schrieb ich zum ersten Mal über die japanische Kunst des Kintsugi, bei der zerbrochene Schalen mit einer Goldpuder-Paste nicht nur repariert, sondern zum Kunstwerk erhoben werden. Ich schrieb, dass diese Kunst für mich eine Metapher ist für einen klugen Umgang mit den Brüchen in unserem Leben. Wer's noch nicht kennt: hier zum Beispiel (klick) 

Es erreichte mich die Bitte vom Netzwerk ethik heute, das Thema noch einmal unter dem Gesichtspunkt der Ethik zu betrachten. Habe ich also getan.

"Es war Anfang der 1980er Jahre, als ich in München die erste Installation von Joseph Beuys sah. Das Lenbachhaus hatte sie kurz zuvor angekauft, der Kauf hatte bundesweite Empörung ausgelöst; die Installation wurde unter anderem als 'der teuerste Sperrmüll aller Zeiten' bezeichnet.

Ich stand in einem kargen, wie ein Krankenzimmer eingerichteten Raum und sah zwei Leichenbahren, dann Kästen aller Art, zwei Forken, zwei gerahmte Ausgaben der italienischen Zeitung 'Lotta Continua', zwei Schäleisen (Schepser) und zwei Tafeln, auf die Beuys geschrieben hatte: 'Zeige deine Wunde'.

Hin und wieder begegnen wir einem Kunstwerk, das in uns eine Resonanz auslöst. Es spricht unmittelbar unser Gefühl und unsere Emotionen an; wir verstehen es auf einer tiefen Ebene, ohne darüber nachdenken zu müssen, 'was das Kunstwerk bedeutet'. So ging es mir mit der Installation 'Zeige deine Wunde'."

Den ganzen Artikel könnt ihr lesen auf ethik heute hier (klick)

 


Bei der Gelegenheit weise ich gern noch einmal darauf hin, dass ich in zweieinhalb Wochen ein Retreat zu diesem Thema im schönen Intersein-Zentrum in Hohenau gebe: Kintsugi - die Schönheit des Zerbrochenen, vom 17. - 21. Juli 2021. Es sind noch ein paar Plätze frei. Mehr Informationen und Anmeldung hier (klick) 


Freitag, 25. Juni 2021

Neues Blog-Abo


Wenn ihr bisher meinen Blog per E-Mail-Benachrichtigung abonniert habt und wollt, dass weiterhin (oder vielleicht zum ersten Mal?) die Nachricht über jeden neuen Post in euren Briefkasten fliegt (gute Wendung, um das Foto zu legitimieren, nicht wahr?!), beachtet bitte folgende Änderung:

Mein Blogbetreiber Google stellt zu Ende Juni den Feedburner ein, mit dem ihr bisher die Benachrichtigungen bekommen habt. Ich habe einen neuen Benachrichtigungs-Dienst installiert, er heißt follow.it Ihr müsst Euch aber erneut registrieren, das geht nicht automatisch.

Bitte scrollt zum Fuß der Seite (ist nicht weit, nur zehn Blog-Beiträge lang), dort findet ihr ein Formular, in das ihr eure Mail-Adresse eintragen könnt. Ihr bekommt dann einen Bestätigungslink. Wenn ihr euch bei follow.it registriert habt, könnt ihr wählen, wann (Uhrzeit) und in welcher Form ihr die Mails erhalten wollt. Ich empfehle, die Option "ganze E-Mail" zu wählen, dann bekommt ihr genau das Layout des Beitrags in meinem Blog. Also viel ästhetischer als jetzt. Das Ganze ist selbstverständlich kostenlos und unverbindlich, und ihr könnt das mit dem Abmeldelink in jeder Mail jederzeit abbestellen.

Beachtet bitte, dass der "Absender", unter dem ihr in Zukunft die Nachrichten bekommt, nicht mein Name ist, sondern follow.it. Der Betreff lautet jedes Mal "Margrit Irgang, neuer Beitrag".

Natürlich biete ich weiterhin Bloglovin an (ebenfalls am Fuß der Seite), ihr könnt auch jeden anderen Feedreader verwenden oder ab und an einfach hier reinschauen.

Ich würde mich freuen, wenn ihr meinem Blog treu bliebet.

 

Sonntag, 20. Juni 2021

Mein Wildbienen-Wildpflanzen-Balkon


Ich habe in meinem geheimen Garten Unkräuter gesät. Ja, diese wuchernden Gewächse, die vor der Zeit der allgegenwärtigen Maisfelder und der Gentechnik auf Äckern und Wiesen standen. Einfach so. Von irgendwoher angeflogen. Sie blühten dort unbeachtet vor sich hin, tranken Regen und Sonnenstrahlen, und wenn der Bauer sie abmähte, hatten die Kühe den Salat. Den besten.

 

 

Dieses Zeug auf dünnen Stängeln, das jeder ernsthafte Gärtner, der in der sommerlichen Abendruhe mit Argusargen durch den Garten geht, sofort ausrupfen würde, habe ich in Töpfe, Kübel und Kästen gesät. In bester Demeter Bio-Qualität! Das verrate ich niemandem, nur meinen Blogleserinnen und -lesern. Ich will ja nicht als gaga angesehen werden. Damit die Pracht nicht mit dem Sommer endet, habe ich ein paar Gefährten dazwischengeschmuggelt, die mich hoffentlich ein paar Jahre begleiten werden. Und vieles kann ich essen. Blüten und Blätter. Bester Demeter-Salat.



Es ist nämlich so: Bei uns gibt es 585 Wildbienenarten, deren Arbeit nicht darin besteht, Honig zu erzeugen, sondern die Pflanzen in der Natur zu bestäuben. Es sind dies Hummel-, Pelz-, Zottel-, Sand- und Seidenbienen. Durch Industrialisierung und Versiegelung der Flächen finden sie kaum noch Blütennahrung und Nistplätze. Über die Hälfte von ihnen steht bereits auf der Roten Liste. Von ihnen aber hängt die Ernte zahlreicher Obst- und Gemüsesorten ab und der Erhalt der Vielfalt der Blühpflanzen.

Deshalb habe ich den Wildbienen ihre Wildpflanzen-Nahrung gepflanzt.



 

Jetzt sitze ich an warmen Abenden in meinem Garten im zweiten Stock und lausche dem Gesumm und Gebrumm. Erfreue mich an zarten Farben, die an Juwelen erinnern: Amethyst, Zitron, Rosenholz, Aquamarin, Mondstein. Schmetterlinge stellen sich ein. Die Namen meiner Pflanzen könnte ich aufsagen, und es wäre von selbst und ohne mein Zutun ein Gedicht.

Sommer-Adonisröschen. Acker-Hundskamille. Schafgarbe. Borretsch. Rapunzel-Glockenblume. Rundblättrige Glockenblume. Saat-Wucherblume. Wilde Möhre. Strahlen-Breitsame. Klatschmohn. Gelb-Senf. Acker-Senf. Herderich. Flachs. Kamille. Kuhkraut. Blauer Lein. Wildes Stiefmütterchen. Nachtviole. Wiesensalbei. Büschelschön. Kornblume. Ringelblume. Kapuzinerkresse. Moschusmalve. Nachtkerze. Taglilie. 


Dienstag, 15. Juni 2021

Retreat im Intersein-Zentrum

Foto: Intersein-Zentrum

Mit großer Freude teile ich Euch mit, dass das Intersein-Zentrum im Bayerischen Wald wieder geöffnet hat. Mein Seminar kann also stattfinden:

17. - 21. Juli 2021

Kintsugi - die Schönheit des Zerbrochenen  

Mehr darüber und Anmeldung: hier (klick)

Das Intersein-Zentrum ist ein Meditationshaus in der Tradition von Thich Nhat Hanh, wird geleitet von meinen lieben langjährigen Freunden Helga und Karl Riedl und liegt im Nationalpark Bayerischer Wald. Es ist absolut still dort, der Blick geht weit ins Land, der Garten ist voller Schmetterlinge und Bienen und Bio-Gemüse. Morgens sind die Wiesen taufeucht, es duftet nach Blüten, und ab und an steht müßig ein Reh am Waldrand. Man kann dort sehr schön Urlaub machen - einfach ein paar Tage früher kommen oder länger bleiben.

 

 
Foto: Intersein-Zentrum
 
Bei meinem Retreat im letzten Jahr habe ich gesehen, dass die Hygienebedingungen im Intersein-Zentrum wirklich sicher sind und prima funktionieren. Ich kann Euch guten Gewissens empfehlen, Euch für dieses Retreat anzumelden.

Sehen wir uns? Ich würde mich freuen.


Freitag, 11. Juni 2021

Lebensfreude

 

Ich habe gesehen, dass mein Artikel "Die Schönheit liegt im Detail" in der neuen Ursache\Wirkung 116 mit dem Schwerpunkt-Thema "Leben, lieben, lachen" diesmal online steht. 

"Eine herrlich paradoxe Frage: Meinen wir es ernst mit der Lebensfreude? Dann sollten wir das unserem Gehirn mitteilen, indem wir sie regelmäßig praktizieren. Über kurz oder lang werden wir feststellen, welch eine Kraftquelle wir da bisher übersehen haben. Es ist doch so: Nach dem Sektempfang zur Feier der Beförderung wird schnell klar, wie schwer die neue Verantwortung wiegt. Der ersehnte Umzug in das neue Haus ist der Beginn einer Serie von Herausforderungen, die mit so trivialen Dingen wie falsch verlegten Rohren und der Abzahlung von Krediten zu tun haben. Euphorie und Begeisterung sind nicht stabil genug, um die Ernüchterungen, die der Alltag bereithält, zu überstehen. Wenn wir jetzt nicht in depressive Stimmung verfallen wollen, brauchen wir eine andere Kraft, die uns durch die alltäglichen Schwierigkeiten tragen kann."

Ihr könnt den Artikel in voller Länge lesen hier (klick)

 

Mittwoch, 9. Juni 2021

Die Frühstückszubereitungs-Meditation

 

 

Wie schön war doch die Morgenmeditation im Retreat. Das frühe Aufstehen fiel ganz leicht, der Gang zum Zendo durch das Haus (den taufeuchten Garten) war eine kleine Sensation. Die ersten Vögel zwitscherten schlaftrunken. Ein Igel verschwand in der Hecke. Und die Stille im Zendo, während das Tageslicht über den Hügel kletterte: So erholsam. So friedvoll. Das werden wir zu Hause auch so machen! Wir stehen früher auf, meditieren und sammeln Gelassenheit für den Tag.

Kennt Ihr den guten Vorsatz? Und? Haltet Ihr ihn durch? Wusste ich's doch ...

Ich mache einen Alternativ-Vorschlag für alle, die es nicht schaffen, früher aufzustehen, um sich auf das Kissen oder den Stuhl zu setzen: Die Frühstückszubereitungs-Meditation. Meine tägliche dauert genau 20 Minuten, die Länge einer Sitzrunde. Ich praktiziere dabei NUR DIES.

Ich hacke einen halben Zentimeter Ingwer und eine Dattel in winzige Stücke und erwärme sie leicht in drei Esslöffeln Apfelsaft. Füge drei Esslöffel Haferflocken hinzu, eine Prise Zimt, einen Esslöffel Kokosmilch. Ergänze mit Wasser. Koche auf. Rühre. (NUR DIES: hacken, einfüllen, rühren.) 

 


 

Ich schaue nach, was der Balkongarten zum Frühstück beisteuern kann, und befrage auch gleich den Himmel nach seinen Wetterabsichten. In welchem Licht steht dieser Morgen, wie riecht er? (NUR DIES: schauen, riechen, wahrnehmen, aufnehmen.) In der Küche breite ich meine Obstschätze aus und schneide sie klein. Diese Farben, die Aromen, die unterschiedlichen Konsistenzen! Inzwischen simmert im Kessel das Teewasser. Der Hafer ist warm und zerfällt zu Brei. Ich wähle meinen Tee aus (Seogwang Sencha aus Korea). Die Küche ist voller Duft und Dampf, ich fülle den Brei in die Schale und garniere ihn mit dem Obst. Ein paar gehackte Nüsse darüber? Oder Sanddornmus für Vitamin C?

 


Granatapfelkerne, die haben gefehlt. Ein paar Kokosraspeln. Die Spatzen auf dem Balkon futtern ihr zweites Frühstück. Ich jetzt gleich mein erstes. NUR DIES: genießen!


Donnerstag, 3. Juni 2021

Drei besondere Bücher

Mein Buch des Jahres 2021. Die Dichterin und Wissenschaftsredakteurin Helen Macdonald erzählt in 41 Essays von den Wundern der Natur. Sie beobachtet den Hochzeitsflug der Ameisen, bei dem nur die Königin überlebt, und erklärt uns die windgestützte Migration, mit deren Hilfe Blattläuse, Käfer und Spinnen auf elektrostatisch aufgeladenen Seidenfäden Hunderte Kilometer reisen. Helen Macdonalds Sprache ist wunderschön. Die Ringelnatter z.B. stellt sie uns vor als "60 cm biegsames Khaki und Gold". Diese Essays sind in einer Haltung der Ehrfurcht und mit dem Blick einer Liebenden geschrieben, denn: "Wir sind derzeit Zeugen des sechsten großen Aussterbens der Natur". Helen Macdonalds Buch ist auf sanfte Weise radikal in seinem Aufruf, unser Verhalten sofort zu ändern. Meine Rezension in SWR 2 wartet noch darauf, gesendet zu werden. Helen Macdonald "Abendflüge", aus dem Englischen von Ulrike Kretschmer, Hanser Verlag, ISBN 978-3-446-26930-9. In English: "Vesper Flights"

                                               

Dieses Buch besitze ich im englischen Original; auf Deutsch wird es erst am 31. Oktober erscheinen. Katherine May hat einen Burn-out, ihr Mann erkrankt dramatisch, der Sohn verweigert die Schule. Was tut eine Schriftstellerin, wenn alles zusammenbricht? Sie denkt schreibend nach über die Winterzeiten des Lebens. Sie spricht mit anderen, denen es ähnlich ergangen ist, schreibt über den Winter am Polarkreis und erkennt allmählich, wie wichtig es ist, in schwierigen Zeiten gut mit sich selbst umzugehen. Denn wie die Jahreszeit Winter ist auch der Winter im Leben eine Zeit der Ruhe, in der sich unbemerkt eine tiefe Transformation vorbereitet. Ein tröstliches und kluges Buch für alle, die wissen, was Verlust und Trauer bedeutet. Katherine May "Überwintern", Insel Verlag. In English: Wintering, Penguin UK

 

  

A book for my English-speaking readers: Kyo Maclear's father had fallen ill and she found herself lost. In the midst of this crisis, she met a musician who loved birds. She began to accompany him on his urban birdwatching expeditions and gained a new perspective by learning to cherish the urban wild spaces in which we live. This book honors the slow life, the patience and the impermanent beauty of the world. Kyo Maclear ist also an illustrator, and her lovely drawings add to the charm of this book. Kyo Maclear overcomes her anxieties by finding meaning in the everyday and the ever-changing moment. "You will discover that the magic of a sitting spot is that it teaches you to go nowhere." Kyo Maclear "Birds, Art, Life, Death", 4th Estate book, ISBN 978-0-00-822504-9

 

Drei Bücher, die auf unterschiedliche Weise Meditationen sind über die Natur, von der wir selbst ein Teil sind. Sie zeigen uns, dass es keine Grenzen gibt zwischen Innen und Außen, zwischen "uns" und "dem Anderen".