Dienstag, 27. Juni 2017

Schnipp Schnapp II



Immer noch 32°.
Also noch was schnippeln.

Und kalten Marajuca-Orangen-APFELsaft trinken.

Schnipp Schnapp I findet man hier.


Mittwoch, 21. Juni 2017

Sara Maitland "Das Buch der Stille"


"Ich sitze auf der Eingangsstufe meines kleinen Hauses mit einer Tasse Kaffee und schaue ins Tal hinunter auf die außergewöhnliche Aussicht auf Nichts. Das ist einfach wunderbar. Virginia Woolf hat uns in ihrem berühmten Essay die Einsicht vermittelt, dass jede Autorin ein Zimmer für sich allein braucht. Was meiner Meinung nach aber längst nicht genügt. Ich brauche ein ganzes Moor für mich allein. Oder, wie eine pikierte, doch offensichtlich einfühlsame Freundin kommentierte, als sie zu Besuch kam, um sich meine neueste Marotte anzuschauen: "Das gibt es nur bei dir, Sara - zwanzig Meilen Aussicht auf praktisch rein gar nichts!" Tatsächlich ist da aber gar nicht "nichts" - da sind die Wolkengebilde und die verschiedenen Bewegungen von Schilf und Gräsern, da gibt es Heide und Farn im Wind und wechselnde Farben, nicht nur im Jahresverlauf, sondern auch im Verlauf eines Tages, während sich Sonne und Wolken verändern und weiterwandern ..."

Sara Maitland, britische Roman- und Sachbuchautorin, hat ihr Haus in der Stille gefunden. Und kann nun endlich ein Buch schreiben über ihre jahrzehntelange Reise in die Stille und durch die Stille. Sie erzählt von Wanderungen im schottischen Hochmoor, Aufenthalten auf Inseln und der absoluten Stille in der Wüste. Sie erzählt, wie und wo Eremiten, Weltumsegler und Polarforscher die Stille gefunden haben und spricht über die Freuden und Gefahren von Stille. Was für ein fundiertes, gut recherchiertes Buch. Aber Stille ist ja eins meiner Lieblings-Themen, und ich vermisse hier einen wesentlichen Aspekt von Stille.

Für Sara Maitland ist Stille von äußeren Bedingungen abhängig; deshalb sucht sie entlegene Orte auf, und Stille, Schweigen und Alleinsein sind für sie nicht zu trennen. Sie betet drei Stunden am Tag, liest, denkt nach. Sogar auf ihrer Wüstenreise saß sie, abgesondert von ihrer Gruppe, in einer Felsspalte und las. Wer jemals eine Woche in einem Schweige-Retreat verbracht hat, weiß, dass der größte Lärm nicht außen, sondern innen ist: das unablässige Kommentieren, Beurteilen, Abwägen, Hoffen und Befürchten, das im Geist abläuft. Mit Verblüffung habe ich gesehen, dass dies für Sara Maitland kein Thema ist, im Gegenteil: Sie sucht die Stille auch, um nachdenken zu können und "eine bessere Autorin" zu werden.

Einmal vergleicht sie die Stille der christlichen Mystiker mit jener der Buddhisten. Der Christ, sagt sie, stelle seine Beziehung zu Gott durch seine Persönlichkeit her, die immer erhalten bleibe; der Buddhist dagegen wolle sich im Nirvana oder der Erleuchtung auflösen. Dieses falsche Verständnis von Buddhismus begegnet mir häufig. Der Mensch mit seiner "Persönlichkeit", also seiner eigenen Ausdrucksform des Göttlichen, löst sich natürlich nicht auf; wer Zen und andere buddhistische Meditationsformen praktiziert, kann erkennen, dass er Nirvana und erleuchtetes Sein ist. Der Urgrund des Seins ist Stille - deshalb ist das tiefste Wesen des Menschen die Stille. Um das erkennen zu können, muss man nicht unbedingt allein sein; gerade eine Gruppe schweigender Menschen in einem Retreat kann ungemein tragend sein und die Stille und somit die Erfahrung vertiefen. Letztendlich ist nicht einmal Schweigen eine Bedingung: Wenn man die Praxis der Alltags-Meditation gelernt hat, steigen auch die Worte aus der Stille auf und sind von Stille durchtränkt.

Mir scheint, es ist genau diese Stille, die Sara Maitland im Tiefsten sucht, aber sie ist ihr noch nicht ganz geheuer. Denn sie hat schon bemerkt, dass das Eintauchen in die Stille sich nicht gut verträgt mit dem Erzählen von Geschichten, die einen "Plot" verlangen, eine Dramaturgie brauchen und die Existenz von Anfang und Ende suggerieren. Sie erkennt: "Ich möchte Stille schreiben", weiß aber noch nicht, wie das gehen soll.

Auf jeden Fall ist dies ein kundiges, eloquent formuliertes Buch über die Stille, geradezu ein Standardwerk zum Thema. Ich finde es schön, dass der kleine und feine Verlag edition steinrich das Buch jetzt auf Deutsch herausgebracht hat. Es ist wie ein Spiegel, in dem wir unsere eigene Erfahrung von Stille überprüfen können. Sara Maitland "Das Buch der Stille", übersetzt von Karin Petersen, edition steinrich. Kann man auch direkt beim Verlag bestellen (hier). Versandkostenfrei. Da beutet kein Großversender seine Mitarbeiter aus.

For my English speaking readers: Sara Maitland "A Book of Silence" has been published by Granta Books.

Montag, 5. Juni 2017

Der Bote

 

Der Bote

(von Jane Hirshfield)

Einmal, in jenem Raum, eine kleine Ratte. 
Zwei Tage später eine Schlange.

Die, als sie mich hereinkommen sah,
den langen Streifen ihres Körpers
unters Bett peitschte
und sich zusammenrollte wie ein fügsames Haustier.

Ich weiß nicht, wie sie kamen oder gingen.
Das Licht der Taschenlampe, später, fand nichts.

Ein Jahr lang beobachtete ich,
wie etwas - Entsetzen? Glücklichsein? Kummer? -
in meinen Körper eintrat und ihn verließ.

Ich weiß nicht, wie es hineinkam.
Ich weiß nicht, wie es ging.

Es nistete, wo Worte es nicht erreichen konnten.
Es schlief, wo das Licht nicht hin drang.
Es roch nicht nach Schlange, nicht nach Ratte,
weder nach Lüstling noch nach Asket.

Es gibt Öffnungen in unserem Leben, 
von denen wir nichts wissen.

Durch sie reisen
die mit Glocken behängten Herden nach Belieben,
langbeinig und durstig, bedeckt mit fremdem Staub.

(Übersetzung aus dem Amerikanischen: Margrit Irgang) 

Jane Hirshfield ist Dichterin, ordiniert als Laiin in der Linie von Suzuki Roshi. Sie hat einen Beitrag in dem schönen Buch "Das verborgene Licht". Mehr darüber hier.

***

The Envoy

by Jane Hirshfield

One day in that room, a small rat.
Two days later, a snake.

Who, seeing me enter,
whipped the long stripe of his
body under the bed,
then curled like a docile house-pet.

I don't know how either came or left.
Later, the flashlight found nothing.

For a year I watched
as something - terror? happiness? grief? -
entered and then left my body.

Not knowing how it came in.
Not knowing how it went out.

It hung where words could not reach it.
It slept where light could not go.
Its scent was neither snake nor rat,
neither sensualist nor ascetic. 

There are openings in our lives
of which we know nothing.

Through them
the belled herds travel at will,
long-legged and thirsty, covered with foreign dust.

Jane Hirshfield is a poet, ordained as a lay member in the lineage of Suzuki Roshi. She has contributed to the beautiful book "The Hidden Lamp". More about the German translation of the book here (click).

 

Donnerstag, 1. Juni 2017

Eivor "On my way to somewhere"


Sie ist so jung. Und der Text ihres Liedes ist so sehr Anfang, Aufbruch. Alles ist noch möglich, auch das Scheitern. Alles ist offen. Die Fragen sind noch nicht durch Antworten zum Schweigen gebracht.

Sie erinnert mich an mich, als ich noch jünger war als sie und nur für die Musik lebte. Nächte hindurch mit Freunden sang und spielte. Auftrat, wo immer sich eine Möglichkeit bot. Mit dem Chor oder der Gruppe. Eine große Zeit; nie wieder wird es so sein. Ich bin froh, sie erlebt zu haben.

Eivor Pálsdóttir von den Färöern. Inselmusik. Nördlich und ganz klar. Gut für heiße Sommernächte.