Donnerstag, 3. November 2016

Bilder aus der Schwarzwald-Stille: Albi Maier



Vor nahezu 30 Jahren zog ich aus München auf einen 1000 m hohen Berg im Schwarzwald. Es dauerte ein Jahr, bis ich - immer noch das Lenbachhaus, die Alte und die Neue Pinakothek im Herzen - mich an einen Besuch im winzigen örtlichen Museum wagte. Ich streifte die Bilder mit meinem Blick. Hmm, nun ja ... Als ich mich schon abwenden wollte, sah ein Bild mich an. Es sah direkt in mich hinein, ohne Umweg über den Geist, der keine Gelegenheit hatte, es zu bewerten. Es zeigte einen verschneiten Schwarzwaldhof und war von einem mir nicht bekannten Maler namens Albi Maier.

Das Bild spiegelte mir die Eremitin in mir mit ihrer Sehnsucht nach Stille und Einsamkeit. Es machte mir klar, dass es richtig gewesen war, München zu verlassen und in einen Schwarzwaldhof zu ziehen - in genau solch einen Hof wie auf dem Bild, mit dem tief gezogenen Walmdach, das mir damals so viel Geborgenheit gab. Wenn im Dezember der Schnee fiel in dicken Flocken und innerhalb von einer Stunde das ganze Dorf weich einwickelte, kam die Stille. In der nichts, absolut nichts mehr zu hören war als das zarte Huschen von Flocken, die sich auf Flocken türmten. Es war die tiefste Stille, die ich je erfahren habe. Dieses Bild des unbekannten Malers enthielt genau jene Stille, und ich sah, ganz konkret mit meinen Augen: Diese tiefe Stille ist in mir, immer und überall. Ich brauche sie nur zu berühren.

In den folgenden Jahren pilgerte ich immer wieder einmal zu "meinem" Bild und erlaubte ihm, meine Stille zu wecken.




Im Skimuseum Hinterzarten ist jetzt eine große Ausstellung der Bilder von Albi Maier zu sehen. Wie riesige sanfte Tiere ducken sich die Schwarzwalddächer in den Schnee oder die Frühlingswiese, werden eins mit der Natur, erweisen sich selbst als Natur. Meine Fotos, in der Ausstellung gemacht, geben die Schönheit der Bilder nicht ansatzweise wieder. Deshalb am besten die website von Albi Maier anschauen: Hier (klick)

Mittwoch, 12. Oktober 2016


"Es sind nicht wir, die durch das Leben gehen.

Es ist das Leben, das durch uns geht."

Hazrat Inayat Khan

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"It is not us who walk through life.

It is life which walks through us."

Hazrat Inayat Khan

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Dank an ein Kleid


Nun ist unsere gemeinsame Zeit also zu Ende. Sie hat immerhin zwanzig Jahre gedauert; das hätte ich nicht gedacht, als ich dich kaufte, damals, als ich mir dich eigentlich gar nicht leisten konnte. Du warst eben nicht von Hasi & Mausi und nicht aus irgendwelchen Kunstfasern, sondern aus reinem Leinen. Zweilagig. Unten weiches grobes Leinen, darüber ein Hauch von Leinengaze. Wenn ich dich trug, guckten die Leute, aus jeweils eigenen Gründen. Du warst lang, als alle anderen Kleider kurz waren. Ein Mann bezeichnete dich als "Kartoffelsack", und eine Stylistin, die mir im Fernsehstudio begegnete, attestierte dir "edle fließende Schlichtheit". Du hast polarisiert, obwohl du die Sanftheit selbst warst. Das wundert mich bis heute.

Wir haben viel miteinander erlebt. Das große Geburtstagsfest von W., als wir bis nach Mitternacht tanzten. Abendessen, Konzertbesuche. Und beim Gedenkgottesdienst für meinen Bruder in Georgia bei 35 Grad im Schatten ("Please don't wear black") kam deine lavendelblaue Kühle gerade recht.

Jetzt ist deine zarte Leinengaze voller Löcher, und dein Lavendelblau ist vom Schweiß rosa verfärbt. Ich brauchte zwei Jahre, um zuzugeben, dass wir uns trennen müssen. Im August trug ich dich ein letztes Mal, zum Einkaufen im Supermarkt um die Ecke. Kurz dachte ich daran, aus deinem Leinen noch etwas zu machen (man nennt das heute "upcycling"), aber ich brachte es nicht über mich. Du bist nicht als Geschirrtuch gedacht.

Du hast mich umhüllt, geschützt, erfreut und vielleicht, manchmal, ein wenig schöner gemacht. Heute werde ich dich in Plastik wickeln und in eine dieser Kleidertonnen tun. Wird dich irgendwo auf der Welt noch irgendjemand tragen wollen? Ich glaube es nicht. 

Vielleicht ist es mir auch lieber so.
 

Donnerstag, 29. September 2016

Amy Sackville "Reise nach Orkney"


Früher las ich ein Buch pro Tag; man traf mich immer mit einem Buch unterm Arm an; sogar beim Warten an der roten Ampel klappte ich mein Buch auf und las rasch ein paar Zeilen. Heute lese ich privat nur noch selten Belletristik. Mich ermüden dieses Kreisen um das eigene Ich (das es gar nicht gibt ...) und die unendlichen Beziehungsdramen, die der "Stoff" sind, aus dem Romane im Allgemeinen bestehen. Aber ab und an bekomme ich von der Redaktion einen Roman auf den Schreibtisch, den ich nach einer Seite schon so liebe, wie ich früher Bücher liebte. Vor ein paar Monaten bekam ich also das Buch "Reise nach Orkney" von Amy Sackville.

Der Literaturprofessor Richard heiratet seine vierzig Jahre jüngere beste Studentin; sie wünscht sich die Hochzeitsreise auf eine einsame Insel der Orkneys, einem Archipel in Schottland. Es ist Herbst, die See ist rau, der Wind tobt; die Frau, deren Namen wir nie erfahren, ist in ihrem Element, sitzt stundenlang am Strand, spricht mit den Robben und wird immer mehr zu einem wilden Wesen der Natur. Während Richard am Fenster steht, seine Frau nicht aus den Augen lässt und nichts von ihr begreift, absolut nichts.Weil er zu ihrem Inneren keinen Zugang findet, versucht er, sie über ihr Äußeres zu begreifen und verfängt sich doch nur in seinen eigenen Projektionen. (Das kennt wohl jede Frau, die ein wenig anders ist als andere, vielschichtiger, nicht einzuordnen, nicht festzuhalten ...) Kann Richard dieses Naturwesen wirklich in seine kleine Londoner Wohnung mitnehmen, um mit ihm stille Abende am Kamin zu verbringen?

Also doch ein "Beziehungsdrama"? Nein. Hier werden Atmosphären evoziert, unterschwellige Stimmungen hörbar gemacht, ohne sie zu benennen. Wie bei jedem Buch interessiert mich auch bei diesem die Geschichte im Grunde nicht. Mich interessiert Sprache - genaue, schöne, leuchtende, ungewöhnliche Sprache. Amy Sackville findet immer neue Bilder für den Wechsel des Lichts, für Kälte und Wärme, für das Aufbäumen des Meeres im Sturm. Die Sprache ist das eigentliche Ereignis des Buches.


Amy Sackville "Reise nach Orkney", wunderbar übersetzt von Eva Bonné, Luchterhand Verlag, ISBN 978-3-630-874357

Hier (klick) meine Besprechung im SWR zum Hören

Dienstag, 27. September 2016

Weitblick


... mal wieder den weiten Blick einschalten ... 

... in der klaren Luft, in der man atmen kann und besser sieht ... 

... und manches, was vorher so riesig aussah, ist auf einmal ganz klein ... 

... so klein, dass man damit spielen könnte ...

... so hübsch auch und harmlos, wie man das noch nie bemerkt hatte ...

... und diesen Weitblick dann mit ins Tal nehmen und nicht zulassen, dass er an Mauern zerschellt ... 

(Sonntag auf dem Kandel)
 

Donnerstag, 25. August 2016

Mondbetrachtung


Vor zwanzig Jahren, als Plum Village noch keine feine Meditationshalle hatte, keine warmen Duschen und, sagen wir mal, auf mönchische Art reduziertes Essen, lebte Thay (Thich Nhat Hanh) in seiner Hütte im Upper Hamlet und lud - wenn wir das Glück hatten, gerade an Vollmond dort zu sein - uns alle auf die Wiese vor seiner Hütte ein, um den Mond zu betrachten. Mondbetrachtung, lernte ich, ist in Vietnam eine weit verbreitete Ehrung des Mondes, und die Vietnamesen, die nach meiner Erfahrung sonst sehr plauderfreudig sind, verfolgen den Mondaufgang in andächtigem Schweigen. In unserem Fall wurde jemand, der gerade seine Flöte dabei hatte, gebeten, den Mondaufgang mit der Flöte zu begleiten.

Als der Mond im August voll wurde, war ich krank, und weil in solchen Momenten nichts "zu tun" ist (außer, dem Immunsystem Ruhe zu gönnen, damit es seiner Arbeit nachgehen kann) und auch wunderbarerweise nie Langeweile aufkommt (Augen und Ohren sind auf Spar-Modus geschaltet, und die Winzigkeiten, die sie verkraften können, sind hochinteressant und ganz und gar außergewöhnlich), widmete ich mich auf meinem Balkon der Mondbetrachtung.

Sonntag, 21. August 2016

Ich bin angekommen. Ich bin zu Hause. I have arrived. I am home.


Ich möchte mit Euch und Ihnen meine allereinfachste Art der Meditation teilen, die ich überall und jederzeit durchführen kann. Weder brauche ich ein Kissen dafür noch einen besonderen Ort, nicht einmal die von mir so geliebte (äußere) Stille ist Bedingung. Ich brauche mich nur an einen Satz zu erinnern, den Thich Nhât Hanh uns gegeben hat (mein Lieblingssatz von ihm): Ich bin angekommen, ich bin zu Hause.

Dieser Satz führt uns sofort und geraden Wegs in die Wahrheit: die Wahrheit dessen, was wir tatsächlich sind. Wer schon eine Zeitlang meditiert, weiß natürlich: Mein wahres Wesen ist weder dieser Körper noch dieser ständig denkende Geist; beide sind nur Erscheinungen, die sich aus der Essenz des wahren Seins heraus manifestieren und wieder auflösen, in die Essenz hinein. Was aber sind wir dann? Wir sind eben dieser Urgrund aus Stille und Ruhe, in dem sich alle Phänomene des Lebens ereignen. Wir sind der Raum, in dem sie sich zeigen; wir sind der Himmel, den die Wolken durchziehen. Und dieser Urgrund ist immer da, wir haben nur nicht gelernt, ihn wahrzunehmen, weil wir zu sehr mit den Phänomenen befasst waren, die sich unablässig manifestieren - den Gedanken, Gefühlen, körperlichen Empfindungen, und im Äußeren den Menschen, Tieren und allem, was an Schönem und Schrecklichem uns umgibt.

Auf diese grundlegende Wahrheit weist der Satz von Thich Nhât Hanh hin. Am Anfang wird er meist verstanden als eine hilfreiche Übung zum Ruhigwerden, zum Zu-Sich-Kommen, um, wie es das Zen sagt, "Geist und Körper wieder zusammenzubringen". Das ist völlig in Ordnung, das ist im Alltag wichtig und ohnehin die Vorbedingung für alles Tiefere, das folgen wird. Aber wirklich verstehen werden wir diese Anweisung erst, wenn wir schon ein wenig weiter sind auf der Reise des Erwachens. Ich bin angekommen. Ich bin schon da, ich bin immer schon da gewesen, in meinem wahren Wesen. Wie könnte ich mein wahres Wesen verfehlen? Ich brauche es nicht zu suchen, ich brauche mich nur zu erinnern: Ich bin zu Hause. Ich war seit jeher zu Hause, immer und überall.

Dieser Satz erschafft eine große innere Stille und Ruhe in mir. Manchmal gehe ich durch die Fußgängerzone (wer mich kennt, weiß, dass ich nur im äußersten Notfall in die Stadt fahre), neben mir rennen Menschen mit prallen Einkaufstüten, die Straßenbahn schrillt, weil wieder ein Hund auf dem Gleis ist, unter dem Gewölbe der Sparkasse, wo die Akustik so sagenhaft ist, steht wieder eine dieser anscheinend in Massen durch die Welt reisenden Panflötentruppen in buntgewebten Umhängen und spielt das unvermeidliche "El Condor Pasa", und ich, die gerade eben den doch sehr heftigen Impuls hatte, auf der Stelle nach Hause zu fliehen, weiß wieder: Ich bin zu Hause. Ein Moment des Innehaltens, ein Atemzug, und mein Geist ist heimgekehrt an den Ort, an dem er zur Ruhe kommt, weil er dort schon immer in Ruhe weilte.

An manchen Orten fällt mir das Erinnern leicht (Blumenwiese, Seeufer), an manchen gar nicht leicht (neulich im vollgestopften Großraumabteil des ICE ...). Aber ich bin mir nach all den Jahrzehnten im Zen bewusst: Mein wahres Zuhause ist nur einen Atemzug "entfernt". Es ist bei mir, wohin ich auch gehe. Du brauchst dich nur daran zu erinnern, sagt der Satz von Thich Nhât Hanh. Dann suchst du nicht mehr im Äußeren nach Erfüllung, wenn auch vielleicht nur für diesen einen Moment. Und dann kommt vielleicht ein weiterer dieser Momente, und so wird das Erinnern ganz leicht und sanft in den Geist eingepflanzt wie ein Same:

Ich bin angekommen. Ich bin zu Hause.

Sonntag, 14. August 2016

Was ist Achtsamkeit?


Vor etlichen Jahren hatte ich das Privileg, meine Mutter in den letzten sieben Stunden ihres Lebens begleiten zu dürfen. Sie lag auf der Intensivstation, konnte nicht mehr sprechen und tauchte nur ab und an aus dem Dämmerzustand auf, in den die Schmerzmittel sie versetzt hatten. Ich saß an ihrem Bett und nahm jede ihrer Regungen wahr, um ihr geben zu können, was sie brauchte. Sie hatte Durst, sie wollte ein Taschentuch, sie wollte, dass ich meine Hand auf ihre lege. Ich wusste all dies mit unfehlbarer Sicherheit, weil ich mich in ihr Sein eingefädelt hatte; sie und ich waren nicht mehr getrennt, sondern ein Wesen, das miteinander atmete, fühlte und empfand. Es war ein Ausnahmezustand, ein Zustand des Nicht-Getrenntseins, den ich in der Meditation auf dem Kissen zuvor manchmal empfunden hatte, aber nie sieben Stunden lang! Etwas in mir wusste, dass diese Erfahrung ein Geschenk war. Eine Stunde, nachdem meine Mutter gestorben war, stiegen auf einmal schmerzhafte Erlebnisse aus meiner Kindheit in mir auf, und ich bemerkte, dass ich aus der Verbundenheit zurückgefallen war in die Begrenztheit meines Ichs. Es fühlte sich schrecklich an, als hätte ich die Freiheit verloren und wäre zurück in meinen Körper gepresst worden, in eine viel zu enge Haut.

Wo war mein "Ich" in diesen sieben Stunden, während meine Hände Durst stillten, Schweiß abwischten, streichelten? Es gab nur völliges Präsentsein in jedem Augenblick, es gab höchste Achtsamkeit auf alles, was geschah und benötigt wurde. Aber es gab kein Ich, das sich bewusst war, achtsam zu sein.

Wir alle kennen das Gefühl der Trennung zwischen "mir" und "dem anderen" und "der Welt". Diese Trennung ist so schmerzhaft, dass wir Verbundenheit herstellen möchten, indem wir Mitgefühl und Liebe entwickeln, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit, Gelassenheit und Geduld. Irgendwann habe ich, ganz nebenbei und in einer alltäglichen Situation, begriffen, dass mein vermeintlich so wertvolles Bemühen im Grunde ein Ausdruck meines Widerstands gegen das Leben ist. Bemühen muss ich mich nur, wenn ich mich nicht völlig und ohne Wenn und Aber einlasse auf das, was das Leben mir in diesem Moment präsentiert.

In den Grenzsituationen unseres Lebens können wir etwas Erstaunliches entdecken: All diese Qualitäten, um die wir uns so bemüht haben, stehen uns mühelos zur Verfügung, denn sie ruhen seit jeher in uns, in unserer wahren Natur. Wenn wir anwesend sein dürfen, während ein Kind geboren wird oder auch nur eine kleine Katze, oder wenn wir jemanden in den Tod begleiten dürfen, fällt auf einmal jeder Widerstand gegen das Leben von uns ab. Hier und jetzt, in diesem Moment, geschieht etwas ganz Großes, etwas, das unsere Meinung und unser Urteil nicht braucht, das unsere Gedanken nicht erfassen und unsere Worte nicht wiedergeben können. Wir wissen einfach, was jetzt von uns benötigt wird: eine Handlung, ein Wort, eine Geste oder schlicht unsere stille Anwesenheit. Wir wissen es, immer. Weil da reines Achtsamsein ist und kein Ego, das die Situation zu seinen Gunsten manipulieren will.

Achtsamkeit ist viel mehr als eine Methode - sie ist eine Qualität und ein Ausdruck unserer wahren Natur. Wenn wir ganz und gar präsent sind im Augenblick und uns nicht in Gedanken und Gefühlen verlieren, wird sie sich äußern. Spontan, mühelos und anmutig, zum "Wohle aller Wesen".

(Aus meinem Artikel "Wer ist es, der achtsam ist", in Buddhismus aktuell 1/2016
 

Freitag, 5. August 2016

Wunder. Miracles.


"Miracles are all around us; we just have to open our eyes and see. The more we open to the reality of our own divinity, the more we start to perceive life as a miraculous event. And though the miracles of our everyday lives may pass unnoticed by the self-obsessed mind, they are there nonetheless. It seems to me that a very intimate aspect of awakening is becoming aware of the daily miracle we move through, the miracle called life."

Adyashanti

"Wunder sind überall um uns herum; wir brauchen nur unsere Augen zu öffnen und sie zu sehen. Je mehr wir uns der Wirklichkeit unserer eigenen Göttlichkeit öffnen, umso mehr beginnen wir das Leben als ein wundersames Ereignis wahrzunehmen. Und auch wenn die Wunder unseres täglichen Lebens vielleicht am von sich selbst besessenen Geist unbemerkt vorübergehen, sind sie dennoch da. Mir scheint, ein sehr intimer Aspekt des Erwachens ist es, sich des täglichen Wunders bewusst zu werden, in dem wir uns bewegen - das Wunder namens Leben."

Adyashanti

Samstag, 23. Juli 2016

Frau Irgang kocht heute vegan: Dal mit Süßkartoffel und Kokos-Chutney


Nizza. Türkei. Würzburg. München. Wir hören die Nachrichten. Wir sehen fern. Wir lesen die Zeitungen. Wir fühlen uns hilflos. Und deshalb tun wir vermutlich das Einzige, was wir tun können: Wir wenden uns der winzigen Ecke der Welt zu, die wir bewohnen, und kümmern uns um sie, weil ihre Unversehrtheit auf einmal nicht mehr selbstverständlich ist. Backen mit dem Kind Sandkuchen. Werfen dem Hund Stöckchen zu. Singen ein Lied. Laden jemanden ein und kochen etwas besonders Feines. Vielleicht dies:

Dal mit knuspriger Süßkartoffel und Kokos-Chutney

Für die Süßkartoffeln:

2 kleine Süßkartoffeln, geschält, in 1,5 cm große Würfel geschnitten / Salz / Pfeffer / 1 TL Kreuzkümmel (Samen oder Pulver) / 1 TL Fenchelsamen / Olivenöl

Die Kartoffelwürfel auf einem Backblech verteilen, alle Gewürze darüberstreuen und mit Olivenöl beträufeln. Im Ofen bei 220° ca. 20 Minuten rösten, bis sie außen knusprig, innen weich sind.

Für das Dal:

2 Knoblauchzehen, gehackt / 1 daumengroßes Stück Ingwer, gehackt / 1 grüner Chili, fein gehackt / 1 rote Zwiebel, gehackt / 1 TL Kreuzkümmel / 1 TL Koriander / 1 TL Kurkuma / 1 TL Zimt / 200 g rote Linsen / 1 Dose Kokosmilch (400 ml) / 400 ml Gemüsebrühe / wenn vorhanden: etwas Blattspinat und Koriandergrün / Saft 1/2 Zitrone

In einem großen Topf Knoblauch, Ingwer, Chili und Zwiebel in etwas Öl anbraten, bis sie weich sind. Die anderen Gewürze dazugeben und einige Minuten anbraten. Linsen, Kokosmilch und Brühe hinzufügen und zum Simmern bringen. Ca. 20 Minuten sanft köcheln lassen. Vor dem Servieren Zitronensaft, Spinat und Koriandergrün einrühren.

Für das Chutney

50 g Kokosraspeln / 1 TL schwarze Senfsamen / 10 Curryblätter (frisch oder getrocknet) / 1 Stückchen Ingwer, fein gerieben / 1 roter Chili, fein gehackt, oder Pulver

Kokosraspeln mit etwas kochend heißem Wasser übergießen. Senfsamen und Curryblätter in etwas (Kokos-)Öl anbraten, bis sie knistern, und über die Kokosraspeln gießen. Mit Salz und Pfeffer würzen, dann Ingwer und Chili unterrühren und vermischen.



Dies ist ein Rezept aus dem sehr guten Kochbuch von Anna Jones "a modern way to eat". Vegetarische und vegane Rezepte, ganz ungewöhnlich gewürzt. Es gibt auch einfache Rezepte darin, aber die Konzentration auf etwas Aufwendigeres hat mir heute gut getan.

Mosaik Verlag, ISBN 978-3-442-39286-5