Sonntag, 27. März 2016

Ostern aus der Sicht des Zen

Piero della Francesca. Quelle: wikipedia.de

Ein anderer Blick auf das Oster-Geschehen, weder biblisch noch religiös noch psychologisch: Wiederauferstehung als die Erfahrung des Erwachens zu unserem wahren Wesen. Adyashanti schreibt:

"Jesus' life ends on the cross; that death is the great release, the great transcendence of time and space. But of course, his life doesn't really end with the crucifixion; it culminates in the resurrection, as once again Jesus comes back to the world of time and space. In the journey of awakening, when self has been annihilated and dropped away, we experience a kind of resurrection. We realize a new orientation. In other words, we are no longer the center of our individual lives, and life is no longer about satisfying oneself, not even in order to arrive at some spiritual state of development. (...)

"Das Leben Jesu endet am Kreuz; dieser Tod ist die große Erlösung, die große Überwindung von Zeit und Raum. Aber natürlich endet sein Leben nicht wirklich mit der Kreuzigung. Es findet seinen Höhepunkt in der Wiederauferstehung, als Jesus zurückkehrt in die Welt von Zeit und Raum. In der Reise des Erwachens erfahren wir eine Art Wiederauferstehung, wenn das Selbst vernichtet und aufgelöst wurde. Wir erfahren eine neue Orientierung. Mit anderen Worten: Wir sind nicht länger das Zentrum unseres individuellen Lebens, und das Leben kreist nicht mehr um die eigene Befriedigung; wir wollen nicht einmal einen Zustand spiritueller Entwicklung erreichen. (...)

"Part of the resurrection occurs when what is left in the wake of the crucifixion opens its eyes and discovers that everything it ever thought itself to be - not only ego, but all the spiritual experiences and definitions - is dead. (...) What remains is a great heartfulness, a great sense of compassion for the world. Even though the word resurrection implies a rising, it's not as if we rise above everything and everyone. Resurrection is the rising from the death of self, but there's no hierarchy in it. There's no sense of being better than, or nobler than, or more elevated than anyone else - all of that belongs to ego and self. There's just a simple, profound intimacy with all things, and with all beings, and with that which transcends all things and all beings. Life is experienced in all of its original completeness and unity.

That intimacy is the resurrected state. We see that all that we perceive is actually our own being."

"Ein Teil der Wiederauferstehung geschieht, wenn das, was im Geschehen der Kreuzigung zurückgeblieben ist, die Augen öffnet und entdeckt, dass alles, was es je geglaubt hatte zu sein, tot ist - nicht nur das Ego, sondern alle spirituellen Erfahrungen und Definitionen. (...) Was bleibt, ist eine große Herzenswärme, ein tiefes Mitgefühl für die Welt. Auch wenn das Wort Wiederauferstehung eine Aufwärtsbewegung andeutet, erheben wir uns doch nicht über alles und jeden. Wiederauferstehung ist das Aufsteigen aus dem Tod des Selbst, aber das beinhaltet keine Hierarchie. Da ist kein Gefühl, besser oder edler oder erhobener zu sein als andere. Das alles gehört zum Ego und zum Selbst. Da ist nur eine schlichte, tiefe Intimität mit allen Dingen und allen Wesen und mit dem, was alle Dinge und alle Wesen übersteigt. Leben wird in seiner Ganzheit und Einheit erfahren. Diese Intimität ist der Zustand der Wiederauferstehung. Wir sehen, dass alles, was wir wahrnehmen, tatsächlich unser eigenes Sein ist."

Aus: Adyashanti "Resurrecting Jesus. Embodying the Spirit of a Revolutionary Mystic", Sounds True, Boulder, CO
0 Kommentare

Kommentar veröffentlichen