Sonntag, 16. August 2026

Hermann Hesse als Maler



"Daß ich kein Maler mehr werden kann, weiß ich schon, aber das intensive Selbstvergessen in der Hingabe an die Erscheinungswelt ist ein Erlebnis. Daß ich tagelang mich selber und die Welt und den Krieg und alles ganz und gar vergessen habe, war seit 1914 das erste Mal". Schreibt Hermann Hesse in einem Brief an einen Freund im Jahr 1917. 

Hesse ist in einer schweren Krise. Seine Ehe mit der psychisch kranken Maria Bernoulli ist zerbrochen, sein Vater ist ein Jahr zuvor gestorben, und nach einem Aufenthalt im Sanatorium Sonnmatt in Luzern beginnt er eine Psychoanalyse bei J. B. Lang in Zürich. Lang hat eine Idee, die sich als lebensrettend erweisen soll: Er rät Hesse, mit dem Malen anzufangen.

Hesse kauft Papier, Aquarellfarben und Pinsel. "Ich öffne den Schrank und gehe ans Auswählen eines Papieres, manchmal locken mich die glatten, manchmal die rauhen, manchmal die edlen Aquarellpapiere. Diesmal bekam ich beim Suchen Lust auf ein sehr einfaches, leicht gelbliches Papier, von dem ich noch wenige gesparte Bogen pietätvoll aufbewahre. Es ist das Papier, auf dem einst eines meiner liebsten Bücher, die 'Wanderung' gedruckt wurde."

Kurze Zeit später zieht er nach Montagnola ins Tessin, und die Farben des Südens sind auch für seine Malkunst eine Befreiung. Das Schreiben war ihm, dem Grübler, zuletzt schwergefallen. Mit dem Malen erobert er sich die verschüttete Sinnlichkeit neu. 



Foto: Kunsthalle Messmer

Die Kunsthalle Messmer in Riegel am Kaiserstuhl zeigt zur Zeit eine Ausstellung mit den Aquarellen von Hermann Hesse. Ein durchaus konservativer Malstil: Häuser, Bäume, Pflanzen, mit Bleistift vorgezeichnet, mit Farbe ausgefüllt. Aber nichts daran wirkt unbeholfen. Die Perspektiven stimmen und vor allem sind da die Farben: Leuchtende Rot-, Orange-, Gelb- und Grüntöne, ein Feuerwerk der sinnlichen Wahrnehmung. In den späten Bildern wagt er sich sogar ans Expressionistische. Auf die Frage, warum er schreibe, sagte Hesse einmal: "Weil man nicht immer malen kann."

Eine schöne Ausstellung. Dass sie mich etwas melancholisch gestimmt hat, liegt an meiner Geschichte. Als ich jung war, hat man meine Zeichnungen lächerlich gemacht und ich habe nie den Weg in diese naive Freude an der Farbe und am Gestalten gefunden. Heute weiß ich zu viel über Kunst, um damit noch anzufangen.


Mehr über die Ausstellung - in der auch Gedichte an den Wänden hängen - findet ihr hier (klick).

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