Sonntag, 28. Juni 2026

Warmes Essen

 

Das war in Kyoto. War auch heiß.

Eigentlich wollte ich nur einen Salat essen. Aber dann sah ich das große Büfett im großen Kaufhaus, und meinem Magen fiel ein, dass ich seit Beginn der Hitzewelle nur Kaltes gegessen hatte. Ich merkte: Ich brauche etwas Warmes. Es gibt da eine schöne asiatische Abteilung. Man wählt aus einem üppigen Angebot Gemüse und Gewürze aus und lässt sie im Wok braten. Der Koch hinter der Theke wischte sich mit einem Tuch den Schweiß aus dem Nacken. Er gab Öl in den Wok, warf mein Gemüse hinein und rührte. 

Von der Seite eilte ein Gast heran. Er hatte es sichtlich eilig, schaufelte wahllos aus dem Angebot sein Schälchen voll und rief dem Koch zu: "Ich will Fleisch!" Der Koch bewegte sich langsam zum Kühlschrank, holte Fleischbrocken heraus und warf sie in den zweiten Wok. Er steht hier seit Jahren, ein Mann aus dem, schätze ich, südpazifischen Raum, der nie mit jemandem ein Wort wechselt. Ich habe mich schon gefragt, ob er stumm ist. Inzwischen bin ich fast sicher, dass er nicht sprechen kann.

Der eilige Kunde verfolgte das Geschehen an den Woks mit wachsendem Unmut. Er rannte zur Kasse, die Kassierin telefonierte, und aus einer unscheinbaren Tür trat eine offiziell aussehende Dame. Also nicht nur ein eiliger - auch ein wichtiger Mann. Eine Beschwerde von mir würde die Kassiererin abwimmeln. Ich sagte gerade dem Koch, dass ich gerne süßsauer hätte, da stellten sich die beiden neben mich. Der erregte Kunde erklärte, er habe nicht mehr als zehn Minuten Zeit, und beschwerte sich über die langsamen Rührbewegungen jenseits der Scheibe. Die offizielle Dame bedauerte die Langsamkeit und sagte: "Das ist nicht das einzige Problem, das wir mit ihm haben." 

Der Koch rührte. Er hatte den Satz nicht verstanden oder er war ihm egal. Wer jahrelang tagaus tagein an Woks arbeitet, muss gelassen oder stoisch sein. Aber er wusste, dass Fleisch bei dieser Hitze besonders sorgfältig durchgebraten werden muss, und er briet. Der Kunde hatte natürlich nicht erwähnt, dass in seiner Pfanne Fleisch war. 

Ich wandte mich zu den beiden um und sagte: "Der Arme, es ist so heiß da drin." Die Dame sagte knapp: "Das geht uns allen so." Ihre Stimme war das einzig Kühle in diesem Saal; ich fühlte mich davon nicht erfrischt. Sie wandte sich dem Kunden zu und fragte liebenswürdig: "Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?"

(Kann ich sonst noch jemanden verraten, einen Kollegen, eine Kollegin, damit du wichtiger Mann bei Laune bleibst? Nur zu, mach ich gern.) 

Ich setzte mich auf die Terrasse und aß mein Gemüse süßsauer, für das ich nicht selbst am Herd hatte stehen müssen. Ein Hauch von Wind wehte. Mein bescheidener Luxus, ermöglicht von einem Menschen, der ihn mir bereitet hatte. Natürlich hatte ich dafür bezahlt, wie ich auch indirekt für den Paketboten zahle und den Mann, der meinen Müll entsorgt. Aber der kleine Wortwechsel zuvor hatte mich für eine simple Tatsache sensibilisiert: Für jede Bequemlichkeit, die ich mir gönne, muss jemand anderes arbeiten. 

Intersein. No man is an island. 

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