Als die Epstein Files veröffentlicht wurden, entdeckte man eine intensive Korrespondenz zwischen dem damals bereits als Sexualstraftäter verurteilten Epstein und dem bekannten Meditationslehrer und Arzt Deepak Chopra. Jetzt diskutiert die weltweite spirituelle Szene aufgeregt, was Sätze wie "God is a concept, girls are real" und die Einladung an Epstein zu einem Besuch in Israel mit dem Zusatz "bring your girls" (und andere, drastischere Bemerkungen) zu bedeuten haben. Ich diskutiere nicht mit, denn ich habe vor vielen Jahren ein Video mit Chopra gesehen und wusste, dass ich ihm als Mann und deshalb als Lehrer nicht über den Weg trauen würde.
Liebe Schwester auf dem spirituellen Weg, ich möchte dir sagen: Laufe keinen Gurus hinterher. Du hast alles, was du brauchst, um ein erwachtes, freudiges, liebevolles Leben zu führen. Du findest es in dir selbst.
Das hat dir aber nie jemand gesagt. Und gerade die Gurus werden das nicht tun, denn es würde ihr Geschäft verderben. Und so gehst du auf die Suche nach jemandem, der dir das geben kann, was du ersehnst. Und dann ist da so ein faszinierender, berühmter Mann, der interessante Dinge sagt (doch, die Gedanken sind meistens klug, lass dich ruhig inspirieren), und der lädt dich ein, seinem Tempel oder seiner Gruppe oder weltweiten Bewegung beizutreten, dich ganz persönlich, als spezielle Auszeichnung, und du fühlst dich geehrt, gesehen, gewürdigt. Und irgendwann kommt eine noch persönlichere Einladung, nur an dich. Und im Grunde ahnst du es: Dies ist der Moment, der mein Leben entscheiden wird. Ja oder nein.
Aber die Gefahr ist groß, dass nicht du - die junge, kluge, sensible Frau auf dem spirituellen Weg - die Entscheidung trifft, sondern etwas in dir, das du noch nicht bemerkt und begriffen hast: die tiefe Sehnsucht nach dem Gesehenwerden, dem Umarmtwerden, dem Geliebtwerden. Hier scheint die Erfüllung dieser Sehnsucht zum Greifen nah zu sein.
Wir alle sind so bedürftig. Auch die wunderbarsten Eltern und die liebevollsten Partner können diese Bedürftigkeit nicht stillen. Sie kommt aus einer anderen Ebene des Seins und muss auf dieser beantwortet werden.
Spirituelle Arbeit heißt vor allem und über lange Zeit, sich selbst und seine Regungen und Wünsche vollkommen kennenzulernen. In einer guten Meditations-Schulung gehen wir tief in die Schmerzen hinein, die wir vor uns immer versteckt haben. Wir lassen diese Schmerzen zu und halten sie aus, und dann geschieht etwas. Wir stellen fest, dass sie gar keine feste, unveränderliche Masse sind, wie ein Stein, den wir mit uns herumschleppen müssen. Nein, sie sind organisch, beweglich, verflüssigen sich geradezu, und plötzlich bemerken wir: Sie haben sich aufgelöst. Jetzt öffnet sich etwas in uns und lässt uns eine Weite und Tiefe spüren, die wir nie zuvor bemerkt haben. Und in dieser Tiefe finden wir das, was wir so lange auf der persönlichen Ebene gesucht haben. Etwas Warmes, Liebevolles, etwas, das uns wiegt und trägt. Und weil wir von anderen nichts mehr bekommen wollen, fühlen sie sich von uns angezogen. Menschen, die in sich ruhen, sind unwiderstehlich.
Das ist es, was die Gurus dir verschweigen, liebe Schwester: Sie können dir nichts geben, denn das, was du suchst, ist auf der relativen Ebene des Seins und in persönlichen Beziehungen nicht zu finden. Und es wäre gerade die Aufgabe des spirituellen Lehrers und der Lehrerin, dich dabei zu unterstützen, diese Tiefe in dir zu finden. Der Wunsch guter Lehrerinnen und Lehrer ist es, sich überflüssig zu machen.
Die meisten Gurus tragen klangvolle Titel. Sind in ihrer Schule oder ihrem Tempel anerkannte Meister, und es ist durchaus möglich, dass sie tiefe Erwachens-Erfahrungen gemacht haben. Aber wenn sie es versäumt haben, die innere Arbeit - sich kennenlernen, sich unablässig weiter beobachten - fortzuführen (oder sogar erst mal anzufangen), weil sie doch so unglaublich erleuchtet sind, dann wird es gefährlich für ihre Schüler. Und vor allem ihre Schülerinnen.
Ich war Mitte dreißig, als ein bekannter Zen-Meister aus Japan in München zu Besuch war. Mein damaliger Lehrer lud ihn zu einem zazen-kai in unsere Zen-Gruppe ein. Der Mann hatte eine beeindruckende Leibesfülle und gewaltige Stimme. So hatte ich mir immer einen Zen-Meister vorgestellt. Aber die gierigen Blicke, mit denen er mich abtastete, passten nicht in meine Vorstellung. Unser Lehrer dankte dem Meister und wollte gerade die Glocke läuten, da beugte sich der Mann vor und zwinkerte mir zu: "Du und ich - Hofbräuhaus?"
Entscheidender Moment. Und wenn du, liebe Schwester, jetzt ein paar Atemzüge innehältst und in deinen Körper hineinspürst, wirst du wissen, was du tun musst. Du wirst das leise Ziehen im Solarplexus spüren oder ein Zusammenziehen des Magens. Vielleicht krampft sich dein Bauch zusammen, ballt sich unbewusst eine Faust, wird dein Atem flach. Dein Körper weiß die Antwort, immer. Du musst ihm nur zuhören und gehorchen.
Ich habe mich damals nicht einmal von dem Mann verabschiedet.
Liebe Freundin, höre auf deine Intuition. Sie leitet dich auf deinem Weg. Es wird ein guter Weg sein.
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