Samstag, 7. Dezember 2019

Wie - nicht Was


Den ganzen November über nahm ich online an einem Foto-Workshop bei einer kanadischen Fotografin teil. Jeden Morgen bekamen wir eine E-Mail mit anspruchsvollen Fotoaufgaben; unsere Fotos teilten wir abends in einer eigenen Gruppe auf Instagram. Die Natur in Südbaden war aber offenbar in das Projekt nicht eingeweiht und schickte erst einmal ausgiebig Regen. Dann hüllte sie sich tagelang in Nebel. Als endlich die Sonne herauskam, lag ich krank im Bett. Wir waren eine internationale Gruppe, und täglich deprimierter betrachtete ich die Bilder vom sonnenglitzernden Meer der Fotografin aus Florida und die vom funkelnden Schnee der Kanadier. Und dachte: Was um alles in der Welt soll ich fotografieren?

Das kennen wir doch: Wir haben das Gefühl, unsere Umgebung biete uns nicht genug Anregung und suchen nach neuem Inhalt. Wir sehnen uns nach Begegnungen mit interessanten Leuten, einem neuen Partner, wollen uns nun doch einen Hund anschaffen oder wenigstens im Fernsehen einen spannenden Film anschauen, der unsere innere Leere mit Bildern füllt. Das Zen in seiner klaren Art lässt einen ja nie im Stich, und ich besann mich auf die einfache Zen-Anweisung: WIE, nicht WAS. Ich schaute mir also den Nebel genau an, spürte, wie er mich watteweich umgab, lauschte seiner großen Stille. Ich verfolgte das sich verändernde Licht hinter dem Vorhang in meiner Wohnung. Und fing das, was ich wahrnahm, in meinen Fotos ein.

... und dann haben mir auch noch die Tauben ein Geschenk auf den Balkon gelegt ...
 
Es gibt immer etwas zu entdecken. Wir müssen keine Leere füllen - wir brauchen nur unsere Sinne zu öffnen. Dann gibt es auch keine Langeweile mehr, keine Sehnsucht nach Mehr.

Vielleicht in diesem Monat, der so übervoll ist an Geklingel und Geblinke und aufdringlichen Aufrufen zum Konsum, mal das Wie in den Vordergrund stellen?


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