Sonntag, 15. Dezember 2019

Weihnachten still & einfach


Sechs Empfehlungen für ein Weihnachtsfest, das so werden könnte, wie es eigentlich nie war. Aber immer hätte sein sollen. Nur haben wir das aus irgendeinem Grund nicht hingekriegt. Bei den Gründen halten wir uns nicht auf. Wir erschaffen jetzt einfach das stille, gelassene, leuchtende, freudvolle Weihnachtsfest ohne Konsumrausch und Stress. Allein, mit kleiner Familie, mit großer Familie, mit Freundin, Hund und Katze.

1. Die Weihnachtsdekoration sollte politisch korrekt sein, also schadstofffrei, ressourcenschonend, nachhaltig produziert und klimafreundlich. Das gibt ein gutes Gefühl, und mit gutem Gefühl schläft man besser.


2. Die Kinos sind an den Weihnachtstagen überfüllt mit Teenies, die dem weihnachtlichen Familienstress entflohen sind, hinter dir mit Popcorntüten knistern und die Kniee in deine Sitzlehne rammen. Ich empfehle, eine DVD zu kaufen, die auch nicht viel mehr kostet als ein Kinobesuch für eine Person, aber viele Male von vielen Menschen mit Freude angeschaut werden kann. Zum Beispiel den schönen Film "Zeit für Stille" von Patrick Shen.


3. Feine Empfehlungen für ein ganz und gar gansloses, sogar komplett tiertodfreies Weihnachtsessen gibt es in meiner Rubrik "Rezepte" auf der rechten Seite. Wer besonders viel Platz lassen will für die fabelhaften Plätzchen von Oma oder von mir (auch unter dem Stichwort Rezepte), wählt vielleicht diese federleichten Kartoffelküchlein mit Avocadocreme. Rezept hier (klick).


4. Selbst das stillste Weihnachtsfest wird geadelt durch das Geräusch umgeblätterter Buchseiten. Damit ihr nicht vor den randvollen Regalen in der Buchhandlung verzweifelt, hier vier Empfehlungen für garantiert kluge Unterhaltung von Autoren, die mit Sprache umgehen können.  

Matias Faldbakken "The Hills", Heyne Verlag: Ein altmodisches Restaurant, eingefahrene Rituale, ein herrlich schräges Personal - und dann taucht ein kleines Mädchen auf, und alles gerät ins Rutschen. Gérard Salem "Du wirst an dem Tag erwachsen, an dem du deinen Eltern verzeihst", Dumont Verlag: Der Roman des Psychiaters Gérard Salem. Ein Sohn hat vor Jahren mit der Familie gebrochen, wird krank und schreibt auf Anraten seines Therapeuten der Familie einen Brief. Plötzlich schreiben sie alle, jeder jedem, ehrlich und selbstkritisch. Und dann naht das Weihnachtsfest. Adam Haslett "Stellt euch vor, ich bin fort", Rowohlt: Die Geschichte einer Familie, die mit der bipolaren Erkrankung des Vaters gelebt hat - und der Sohn hat sie geerbt. Nein, nicht nur traurig - voller Wärme und Hoffnung. Peter Kurzeck "Ein Kirschkern im März, Fischer tb: Ich liebe alles von Kurzeck, diesen Titel vielleicht ein klein wenig mehr. Ein großer Sprachkünstler, der den Moment zu dehnen vermag, uns sehen lehrt und auf die Welt voller Schmerz und Liebe blickt.


5. An Weihnachten muss unbedingt gesungen werden. Nur Mut - es geht! Einfach ganz leise anfangen, mehr Herz als Stimme, dann wird das schon. Und als Belohnung dann meine Lieblingsgruppe Voces8 anhören. Hier mit dem modernen Arrangement des alten englischen Christmas Carols "Lully, Lulla, Lullay".


6.  Weihnachten war einst die Zeit der Wunder. Wir waren schon Wochen vorher aufgeregt, aus der Küche duftete es vielversprechend, hoch oben im Kleiderschrank lagen seltsame Päckchen, nachts raschelte Mutter hinter verschlossener Tür, und schon am Tag vor Heiligabend war es strikt verboten, das Wohnzimmer zu betreten. Die Wunder sind nicht ausgewandert, nicht verlorengegangen - nur wir haben uns ein wenig im Erwachsenenleben verirrt. Jetzt finden wir sie wieder. Ich bitte, bis zum 6. Januar pro Tag ein kleines Wunder zu erleben.

Wie das geht? Irgendwo, wo man gerade ist, stehenbleiben, die Augen schließen. Nicht denken, nichts erwarten, keine Angst vor irgendwas haben. Sich langsam zwei, drei Mal im Kreis drehen, stehenbleiben, blitzschnell die Augen öffnen, ganz bewusst schauen. Nur schauen, was sich da zeigt. Es nicht benennen, beurteilen, kritisieren. Es SEHEN. Dann ist es ein Wunder. Ein Sekundenwunder. Ein Lidschlagwunder. Nie vorher gesehen. Nie wieder zu sehen. So schnell vorbei.

Und das ganz kleine Wunder dann bitte bestaunen.



Kommentare:

  1. Danke dir. viele liebe Grüße von Ellen

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  2. Danke, das waren wieder so viele schöne Anregungen!
    Und die Musik ist wunderbar!
    Herzliche Vorweihnachtsgrüße,
    Helga

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