Mittwoch, 12. Juli 2017

Adyashanti "Jesus, der Zenmeister"


Ich schätze den amerikanischen Zen-Lehrer Adyashanti sehr; von meinen Retreats mit ihm kam ich jedes Mal inspiriert und erfüllt von innerer Weite zurück. Deshalb habe ich dem Herder Verlag sein Buch "Resurrecting Jesus" zur Übersetzung vorgeschlagen. Das Lektorat hat auch sofort zugesagt, und jetzt ist "Jesus, der Zenmeister" in meiner Übertragung aus dem Amerikanischen erschienen. Ich finde, sowohl Christen als auch Buddhisten sollten dieses Buch lesen, denn es übersteigt jede religiöse Form.

Weil er in seiner Zen-Praxis etwas vermisste, wandte sich Adyashanti den christlichen Mystikern zu. Sie wiesen ihn auf Jesus hin, und in den Evangelien fand er, was er vermisst hatte: die Liebe. Und sein eigenes tief gehendes Erwachen befähigte ihn, in Jesus den erwachten Geist zu erkennen.

"In der westlichen Kultur haben die meisten von uns sich angewöhnt, Jesus als die Verkörperung der höchsten Form von Ethik und Moral zu sehen - er ist der gute Hirte, wir sind die Herde, und er zeigt uns den Weg. Das ist der Jesus der Kirche; die Kirchen sind sehr angetan von Jesus als ethischem und moralischem Priester. Das macht Sinn, denn die ethische und moralische Dimension ist Teil dessen, was jede Religion am Leben hält, was sie entwickelt und in die Kultur hinein vermittelt. Aber wenn das alles ist, was wir in der Jesus-Geschichte sehen, werden wir blind für die darunterliegende Transzendenz, für das Strahlen der Präsenz von Jesus. Ohne dieses transzendente Strahlen wird Jesus nur eine weitere Figur in der langen Geschichte moralischer und ethischer Propheten."

Adyashanti lädt uns stattdessen ein, die Jesus-Geschichte mythologisch zu lesen und jeden ihrer Aspekte auf uns selbst zu beziehen: "Wir beginnen zu fragen: 'Was meinen die Metaphern für mich?' Wenn wir Jesus nicht nur als historische Figur ansehen, die geboren wurde und gelebt hat, auf der Erde wandelte, lehrte, seine Botschaft verkündete und schließlich am Kreuz starb, sondern Jesus auch als eine zeitlose lebendige Gegenwart betrachten, als eine Metapher für die Ewigkeit in uns selbst, können wir beginnen, den inneren Raum zu betreten, in dem wir die Söhne und Töchter von Gott werden."

Adyashanti befasst sich mit der Bedeutung der jungfräulichen Geburt, den Versuchungen, den Dämonen, den Gleichnissen und erzählt, was es nach seiner eigenen Erfahrung mit der Verklärung auf sich hat. Und alles, auch die Kreuzigung, hat mit uns selbst zu tun.

Meine Lese-Empfehlung für alle, die nach einer Spiritualität jenseits der Riten und Dogmen von Religionen suchen: Adyashanti "Jesus, der Zenmeister", aus dem Amerikanischen von Margrit Irgang, Herder Verlag, ISBN 9-783-451-376894.

Mehr über Adyashanti hier auf seiner website.

Ich habe den Klappentext, der (wie der Titel des Buches) nicht von mir ist, erst jetzt gelesen und möchte ihn korrigieren: Adya ist sehr früh zum Zen gekommen, und in der christlichen Sonntagsschule, die er gleich wieder verließ, hat er sich gelangweilt. 
 

Kommentare:

  1. Wie einem der Zu-fall in die Hände spielt... Komme gerade von Taija und deiner wunderbaren Zeitungs-Poesie... Und so ein Buch suche ich gerade ;-) Lieben Gruß Ghislana

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    1. Das ist die magische Welt der Bloggerinnen: Wir sind positiv vernetzt! Liebe Grüße, willkommen hier!

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