Mittwoch, 11. September 2013

Die Geschichte von der Teeschale


Der Abt eines japanischen Zen-Klosters fand seine Frau eines Tages weinend in der Teeküche vor. "Warum weinst du?" fragte er sie. "Ich weine, weil alle Dinge so vergänglich sind", schluchzte sie.

Der Abt runzelte die Stirn. "Du musst härter werden", sagte er belehrend. "An die Vergänglichkeit müssen wir uns alle gewöhnen."

"Ich bin froh, dass du es so siehst", sagte die Frau und zog aus ihrem Kimonoärmel ein paar Scherben. "Deine Lieblings-Teeschale ist nämlich soeben in die Vergänglichkeit eingegangen."

Aus: Margrit Irgang "Dieser Augenblick. Achtsam leben im Geist des Zen",  Herder Verlag, ISBN 978-3-451-06385-5

(Meine Teeschale ist eine Winter-Teeschale des wunderbaren Keramikers Aisaku Suzuki aus Breisach. Hier geht es zu seinem Atelier.)
0 Kommentare

Kommentar veröffentlichen