Samstag, 23. Juli 2016

Frau Irgang kocht heute vegan: Dal mit Süßkartoffel und Kokos-Chutney


Nizza. Türkei. Würzburg. München. Wir hören die Nachrichten. Wir sehen fern. Wir lesen die Zeitungen. Wir fühlen uns hilflos. Und deshalb tun wir vermutlich das Einzige, was wir tun können: Wir wenden uns der winzigen Ecke der Welt zu, die wir bewohnen, und kümmern uns um sie, weil ihre Unversehrtheit auf einmal nicht mehr selbstverständlich ist. Backen mit dem Kind Sandkuchen. Werfen dem Hund Stöckchen zu. Singen ein Lied. Laden jemanden ein und kochen etwas besonders Feines. Vielleicht dies:

Dal mit knuspriger Süßkartoffel und Kokos-Chutney

Für die Süßkartoffeln:

2 kleine Süßkartoffeln, geschält, in 1,5 cm große Würfel geschnitten / Salz / Pfeffer / 1 TL Kreuzkümmel (Samen oder Pulver) / 1 TL Fenchelsamen / Olivenöl

Die Kartoffelwürfel auf einem Backblech verteilen, alle Gewürze darüberstreuen und mit Olivenöl beträufeln. Im Ofen bei 220° ca. 20 Minuten rösten, bis sie außen knusprig, innen weich sind.

Für das Dal:

2 Knoblauchzehen, gehackt / 1 daumengroßes Stück Ingwer, gehackt / 1 grüner Chili, fein gehackt / 1 rote Zwiebel, gehackt / 1 TL Kreuzkümmel / 1 TL Koriander / 1 TL Kurkuma / 1 TL Zimt / 200 g rote Linsen / 1 Dose Kokosmilch (400 ml) / 400 ml Gemüsebrühe / wenn vorhanden: etwas Blattspinat und Koriandergrün / Saft 1/2 Zitrone

In einem großen Topf Knoblauch, Ingwer, Chili und Zwiebel in etwas Öl anbraten, bis sie weich sind. Die anderen Gewürze dazugeben und einige Minuten anbraten. Linsen, Kokosmilch und Brühe hinzufügen und zum Simmern bringen. Ca. 20 Minuten sanft köcheln lassen. Vor dem Servieren Zitronensaft, Spinat und Koriandergrün einrühren.

Für das Chutney

50 g Kokosraspeln / 1 TL schwarze Senfsamen / 10 Curryblätter (frisch oder getrocknet) / 1 Stückchen Ingwer, fein gerieben / 1 roter Chili, fein gehackt, oder Pulver

Kokosraspeln mit etwas kochend heißem Wasser übergießen. Senfsamen und Curryblätter in etwas (Kokos-)Öl anbraten, bis sie knistern, und über die Kokosraspeln gießen. Mit Salz und Pfeffer würzen, dann Ingwer und Chili unterrühren und vermischen.



Dies ist ein Rezept aus dem sehr guten Kochbuch von Anna Jones "a modern way to eat". Vegetarische und vegane Rezepte, ganz ungewöhnlich gewürzt. Es gibt auch einfache Rezepte darin, aber die Konzentration auf etwas Aufwendigeres hat mir heute gut getan.

Mosaik Verlag, ISBN 978-3-442-39286-5

Montag, 11. Juli 2016

"Der Gast im Garten" von Takashi Hiraide

Ein kleines zartes Buch für Menschen, die eine japanische Seele haben (also solche wie ich ...). Da wird von Menschen erzählt, die es vollkommen selbstverständlich finden, sich zu einer bestimmten Tageszeit im Sommer in den Garten zu begeben, um darauf zu hoffen, dass eine ganz bestimmte Libelle sich wieder auf ihren ausgestreckten Arm setzen wird. Menschen, die sich in ihrem Haus auf den Boden legen, um stundenlang die Veränderungen des Lichts durch das Oberlichtfenster zu beobachten. Menschen, die untröstlich sind, weil ihnen verwehrt wird, auf das Grab einer geliebten Katze einen Blumenstrauß zu legen.

Worum "geht" es in diesem Roman? Um eine kleine, schöne, den Nachbarn zugelaufene Katze, die auch das Paar mittleren Alters, das nebenan wohnt, regelmäßig besucht und eines Tages angeblich verstorben ist? Um eine alte Villa, die verkauft werden muss, weil die Besitzer ins Altenheim gehen; um das kleine Teehaus auf demselben Grundstück, das für kurze Zeit ein Paradies für das Ehepaar im mittleren Alter war, und nun zusammen mit der Villa einem modernen Wohnblock weichen muss? Um Japan am Beginn der Wirtschaftskrise und die Frage, wie ein Schriftsteller mit kargem Einkommen über die Runden kommen kann? Um eine Katze, die zu einer Seelenfreundin wird?

Die Frau des Paares im mittleren Alter erzählt einmal ihrem Mann von dem Aphorismus eines Denkers, "demzufolge die Beobachtung der Kern einer Liebe sei, die nicht in Gefühlsduselei verfalle". Die Menschen in diesem Buch haben gelernt, in Ruhe und Gelassenheit zu beobachten - die Art, in der Chiibi, die Katze mit dem Glöckchen, auf einen Baum springt, einen Fisch verschlingt. Der Zaun hat ein Astloch, das wie eine camera obscura wirkt; entzückt werden die Wirkungen betrachtet, die durch am Astloch vorbeigehende Passanten ausgelöst werden. Die Pflanzen, das Licht, der Mond: nichts ist unwichtig, alles wird beobachtet, bedacht, gewürdigt.

Wenn es um überhaupt etwas "geht" in diesem Buch, das eigentlich gar kein Roman ist, dann um den Augenblick und das Wissen um seine Vergänglichkeit. Und ja, es liegt eine leise Melancholie über dem Buch, aber die kleine Katze - ich muss das einfach sagen, das kann ja eine Katzenliebhaberin sonst gar nicht aushalten -, also die kleine Katze ist wohl doch nicht gestorben. Mehr verrate ich jetzt nicht.

Takashi Hiraide "Der Gast im Garten", aus dem Japanischen von Ursula Gräfe, mit schönen Bildern von Quint Buchholz, Insel Verlag, ISBN 978-3-458-17626-8

Mittwoch, 29. Juni 2016

Dieser Augenblick ist das ewige Jetzt


"Wir leben in einem ewigen Jetzt, und wenn wir uns Musik anhören, dann hören wir nicht auf Vergangenes, wir hören nicht auf Zukünftiges, sondern wir hören auf Gegenwärtiges, das sich vor uns entfaltet. Genau wie wir ein Gesichtsfeld haben, das sich in die Breite und die Ferne erstreckt, so ist auch der gegenwärtige Augenblick nicht bloß ein Haarstrich auf der Zeitlinie, die die Uhr misst. Der gegenwärtige Augenblick ist ein Erfahrungsfeld, das sehr viel mehr als ein bloßer Augenblick ist. Eine Melodie hören, heißt auch die Intervalle zwischen den Tönen hören. Innerhalb des gegenwärtigen Augenblicks können wir Intervalle hören und Rhythmen sehen. So können wir innerhalb jedes Augenblicks spüren, dass sich etwas Kontinuierliches abspielt.

Wenn ich vom ewigen Jetzt spreche, dann ist das nicht zu verwechseln mit dem Bruchteil einer Sekunde. Das ewige Jetzt ist geräumig, leicht und reich, aber auch leichtsinnig! Jesus sprach tatsächlich vom Leichtsinn: "Seht die Lilien des Feldes, wie sie wachsen. Sie graben nicht, sie spinnen nicht, und doch war Salomo in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen." Damit soll gesagt werden: Sorgt nicht ängstlich für das Morgen, sondern gönnt euch ein wenig Leichtsinn.

Es gibt einen göttlichen Leichtsinn. Die Liebe, die die Sonne und die anderen Sterne bewegt, ist Leichtsinn. Daher könnte man von Gott sagen, er sei ernsthaft, aber nicht ernst."

Alan Watts (1915 - 1973), Philosoph, anglikanischer Priester, Professor und einer der großen Interpreten östlicher Philosophie
(Aus seinem Buch "Leben ist jetzt", Herder Spektrum)

Die Kalligraphie ist von Thich Nhât Hanh
 

Freitag, 24. Juni 2016

Musik für eine Sommernacht


Meine Lieblingsgruppe Rajaton mit
"Dobbin's Flowery Vale".

Finnische Sommernachtsmusik!


Dienstag, 21. Juni 2016

Heute ist Sommeranfang


Ist das nicht schön? Ein Hauch von Farbe, der vor dem Hintergrund in solidem Grau besonders gut zur Geltung kommt.

Dieser Sommer hat einfach Stil.


Montag, 13. Juni 2016

Was ist Achtsamkeit?



Meinen Artikel zum Thema Achtsamkeit, der im Sonderheft "Achtsamkeit" von Buddhismus aktuell 1/2016 abgedruckt wurde, kann man jetzt in ganzer Länge auf meiner Homepage lesen; hier ist der Link dorthin.

Freitag, 27. Mai 2016

Geh bis an deiner Sehnsucht Rand


Gott spricht zu jedem nur, eh er ihn macht,
dann geht er schweigend mit ihm aus der Nacht.
Aber die Worte, eh jeder beginnt,
diese wolkigen Worte, sind:

Von deinen Sinnen hinausgesandt,
geh bis an deiner Sehnsucht Rand;
gib mir Gewand.

Hinter den Dingen wachse als Brand,
dass ihre Schatten, ausgespannt,
immer mich ganz bedecken.

Lass dir alles geschehn: Schönheit und Schrecken.
Man muss nur gehn: Kein Gefühl ist das fernste.
Lass dich von mir nicht trennen.
Nah ist das Land,
das sie das Leben nennen.

Du wirst es erkennen
an seinem Ernste.

Gib mir die Hand.

Rainer Maria Rilke

  

Samstag, 21. Mai 2016

Die Welt von oben


Es gibt Tage, an denen ich die Welt von oben betrachten muss. Weil unten auf einmal alles so eng wirkt, zu viele Zäune, Mauern, Häuser. Von allem zuviel. Oben gibt es von allem sehr wenig, das tut mir gut. 1 großer Vogel, der hoch oben im Blau seine Kreise zieht. Am Horizont 1 Burg. 1 Wanderer mit Hund. Die Weinberge: sehr überschaubar. Noch keine Reben und deshalb keine Selbstschussanlagen. Dazwischen fließt was, das erst ein Bach werden will - ein noch nicht erwachsenes Wässerchen. Weit unten in der Ebene schnürt ein Motorradclub über die Landstraße, ihre Mitglieder gleichmäßig aufgefädelt wie eine Kette, jeder Motorradfahrer eine schwarze Perle. Im Osten hinten im Dunst Berge mit Schneemützen. Ich weiß nicht, wie die Berge heißen.

Und das ist die eigentliche, die ganz große Freiheit: das Nichtwissenmüssen und Einfachnurschauendürfen.

Donnerstag, 19. Mai 2016

Frau Irgang bäckt: der etwas andere Früchtekuchen


Bei den kühlen Temperaturen hier im Südwesten ist ein schmackhafter Winterkuchen zum Tee willkommen. Man nehme:

125 g Mehl
2 TL Backpulver
1 TL Zimt
120 g Rohrohrzucker
80 g feingeriebene Möhren
180 g gemischtes gehacktes Dörrobst (Rosinen, Datteln, Feigen, Aprikosen ...)
90 g klein gehackte Blockschokolade
30 g Kokosflocken
2 Eier
90 g zerlassene Butter

Mehl, Backpulver und Zimt in eine Schüssel sieben, mit Zucker, Möhre, getrockneten Früchten, Schokolade und Kokosflocken mischen. Eier und Butter zugeben. In eine Springform von ca. 25 cm Durchmesser füllen und bei 180° ca. 30 Minuten backen. In der Form abkühlen lassen, dann auf ein Kuchengitter stürzen.

Für den Belag 200 g Frischkäse und 30 g weiche Butter mit dem Handrührgerät glatt rühren. 150 g Puderzucker hinzugeben und alles zu einer luftigen Masse schaumig rühren (dauert ein paar Minuten). 1 TL heißen Zitronensaft einrühren. Den Belag auf dem Kuchen verteilen und nach Wunsch mit gehackten Nüssen und/oder Kokosflocken bestreuen.

Guten Appetit!