So beginnt mein Porträt über Etty Hillesum in meinem Buch "Erwachen im Hier und Jetzt". Sie ist eine von fünf tief erleuchteten Menschen, deren Erwachenserfahrungen ich in dem Buch vorstelle. Etty Hillesum ist Jüdin und nimmt genau wahr, was ihrem Land von den Nazis angetan wird. Freunde und Verwandte werden abtransportiert; Juden dürfen die Straßen nur noch zu bestimmten Zeiten betreten. Um sie herum herrscht Angst und Verzweiflung, aber Etty wird umso sicherer und unbeugsamer, je enger ihre Welt wird. Sie hat ein ungebrochenes und strahlendes Gefühl in sich, das Leiden und Gewalt mit einbezieht und nicht leugnet: "Auch wenn uns nur eine enge Straße bleibt, auf der wir gehen dürfen, steht über dieser Straße der ganze Himmel." Etty Hillesum ist eine Mystikerin, gerade weil sie erkannt hat, dass ein Mystiker sich nicht vor den Schwierigkeiten des Alltags in eine rosarote geistige Welt flüchten darf.
1942 wird Etty Hillesum in das Durchgangslager Westerbork transportiert und dort zum Trost und Halt für ihre Mitgefangenen. Sie setzt sich zu jedem, der reden will, spricht mit denen, die verzweifelt sind und längst mit dem Leben abgeschlossen haben. Am 7. September 1943 wird sie mit ihrer Familie auf den Transport nach Polen geschickt. Ein Bericht des Roten Kreuzes meldet Etty Hillesums Tod am 30. November 1943 in Auschwitz.
Auf Arte gibt es jetzt eine Serie über Etty Hillesum in sechs Folgen. Ich habe noch nicht alle Folgen gesehen, aber was ich gesehen habe, hat mich überzeugt. Julia Windischbauer als Etty ist ein Glücksfall und Sebastian Koch als ihr Therapeut und Geliebter scheint mir dem Julius Spier zu entsprechen, den Etty in ihren Tagebüchern schildert. Und dass der Regisseur Hagai Levi die Nazi-Zeit nur in wenigen Requisiten andeutet, ist stimmig. Seine ganze Aufmerksamkeit gilt der Entwicklung seiner Protagonistin von einer Studentin, die ihren Platz im Leben sucht, zu der kraftvollen Person, die sie innerhalb von nur zwei Jahren geworden ist. Ihr könnt die Serie sehen hier (klick).
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Etty Hillesum "Das denkende Herz", Hg. J. G. Gaarlandt, übersetzt von Maria Csollany, Rowohlt TB, 14 EUR. Bei Buch 7 bestellen hier (klick).
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