Mittwoch, 3. Juni 2020

Thich Nhat Hanh: Ehrfurcht vor dem Leben


Black and White. They need each other.

Minneapolis. Ein Video. Ein Mann wird, unfassbare zehn Minuten lang, anscheinend vorsätzlich erstickt. Von einem Polizisten, der für die Bürger da sein sollte. Für alle Bürger. Aller Hautfarben.

In einem solchen Moment kann man sehr viele Worte machen. Man kann Antworten suchen auf falsche Fragen ("Welche gesellschaftlichen Bedingungen führen zum Rassismus?"). Man kann in den sozialen Netzwerken schwarze Kacheln posten. 

Man kann auch schweigen. 

Und die Erste Achtsamkeitsübung aus der Schule von Thich Nhat Hanh praktizieren. An jedem Tag, in jeder Minute. Dann beginnt sie zu wurzeln in Geist und Herz. Vielleicht blüht sie sogar.

Ehrfurcht vor dem Leben
Im Bewusstsein des Leidens, das durch die Zerstörung von Leben entsteht, bin ich entschlossen, Mitgefühl und Einsicht in das „Intersein“zu entwickeln und Wege zu erlernen, das Leben von Menschen, Tieren, Pflanzen und unserer Erde zu schützen. Ich bin entschlossen, nicht zu töten, es nicht zuzulassen, dass andere töten, und keine Form des Tötens zu unterstützen, weder in der Welt noch in meinem Denken oder in meiner Lebensweise. Im Wissen, dass schädliche Handlungen aus Ärger, Angst, Gier und Intoleranz entstehen, die ihrerseits dualistischem und diskriminierendem Denken entspringen, werde ich mich in Unvoreingenommenheit und Nicht-Festhalten an Ansichten üben.

Kommentare:

  1. Vor ein paar Tagen wachte ich nachts nassgeschwitzt auf und war völlig außer mir vor Wut. Ich hatte von dem Mord durch den Polizisten geträumt und das ganze Land in eine Diktatur abdriften sehen, der unzählige weitere Opfer folgen werden. Ich zitterte vor Wut, die mir absolut gerechtfertigt schien. „Man kann auch schweigen“, sagt Thich Nhat Tanh. Das klingt in einer solchen Situation wie eine Provokation. „Nein, man darf nicht schweigen!“ hätte ich am liebsten zornig entgegnet. Jedenfalls dann nicht, wenn ein solche Ungerechtigkeit geschieht.
    Wütend lief ich durch die Wohnung und versuchte etwas ruhiger zu werden. Irgendwann gelang es mir etwas langsamer zu gehen. Und erst dann bemerkte ich, wie giftig diese Wut ist. Sie hat eine vergiftende Wirkung auf mich und auf alles andere. Diese Wut ist eine unglaublich starke Energie. Erst langsam wurde mir klar, dass sie vielleicht mehr Schaden anrichtet könnte als nützlich zu sein. Was soll ich also tun? Ich wusste es nicht.
    Am nächsten Tag hatte sich meine Wut nicht gelegt, ich musste sie anstrengend verdauen. Mir immer wieder klar machen, dass ich selbst friedlich sein sollte. Ich merkte auch, dass ich keinen Zugang mehr zu meiner „Inneren Ruhe“ hatte. Dieser Zugang öffnete sich nun wieder. Wie? Lange Spaziergänge und vor allem: indem ich schwieg.
    Auch wenn ich diese Wut noch nicht völlig überwunden habe, habe ich nun eine klare Vorstellung davon, wie ich reagieren möchte. Ich bin kein Opfer meiner eigenen blinden Wut.
    Simon

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  2. Hierzu zu schweigen finde ich falsch! Denn wenn es diese Proteste , diesen öffentlichen Aufschrei nicht gegeben hätte, dann würde sich nichts ändern, und die Täter können so weiter machen. Nur durch den öffentlichen Druck wird sich nun etwas ändern. Das wäre durch schweigen nicht erreicht worden.

    Alles Liebe
    Birgit

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