Freitag, 14. Februar 2020

Das Gedankenland ist ganz nah



Personal der Handlung: Hull, Eule. Filli, Fink. Häkäkä, Rabe. Baula, Taube. Nika Regenwein, 8 Jahre alt.
Ort der Handlung: Irgendwo an der Grenze zum Gedankenland.

"Jeder Mensch", sagte Hull, braucht ab und an einen frischen Wind in seinem Kopf, damit er alleine weiterdenken kann."

"Und darum sind die Huhlis die Begleiter der Gedanken der Menschen", sagte Häkäkä. "Aber das wissen die Menschen nicht. Die Menschen haben Milliarden von Gedanken gemacht in ihrer Geschichte, aber keinen einzigen Gedanken über die Huhlis."

"Weil sie zuwenig Phantasie haben", bemerkte Baula.

"Ach was, sie halten sich für den Mittelpunkt der Welt", sagte Filli.

"Moment mal", unterbrach Nika, die auf einmal tausend Fragen hatte. "Wie könnt ihr wissen, welchen Gedanken der Mensch gerade braucht, und wie findet ihr ihn?"

"Den Gedanken, den er braucht, macht er sich selbst", sagte Baula, und ihre Stimme klang ehrfürchtig. "Wir schicken ihm nur den Anstoß dazu."

"Das können ganz verschiedene Dinge sein", sagte Häkäkä. "Zum Beispiel ein Lied oder ein Gedicht."

"Der Gedanke an eine schöne Blume", sagte Filli.

"Oder der Einfall, den Keller aufzuräumen", sagte Baula.

"Na, ich weiß nicht", meinte Nika zweifelnd.

"Du glaubst nicht, was die Arbeit mit Besen und Lappen alles in Gang bringt", schwärmte Häkäkä. "Ich erinnere mich da an einen Mann, der beim Aufräumen seines Kellers einen Schuh fand, der mit einer Zeitung ausgestopft war, in der er Bilder sah von einer Insel namens Maui, die ihm so gut gefiel, dass er dort hinfuhr, wo er seine Frau kennenlernte, mit der er heute drei Kinder hat."

"Das klingt ja wie eine Geschichte", staunte Nika.

"Liebes Kind, jedes Menschenleben ist eine aufregende Geschichte!" rief Baula.

"Und wenn der Mensch sie sich nicht weitererzählen kann", sagte Hull, "greift ein Huhli ein."


Aus der Rezension im "Eselsohr": "Das Gedankenland mit seinen Verwaltern, den weißen Vögeln, wird nicht zur himmlischen, übermenschlichen Zone, sondern humorvolles Abbild alltäglicher Unvollkommenheiten, an der letztendlich unsere Gedanken den größten Anteil haben."

Margrit Irgang "Die erste und einzige Geschichte vom Gedankenland", Oetinger Verlag. Für Kinder von 8 bis 80 Jahren. (Oder 95 ...)

Nur noch erhältlich bei der Autorin.




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