Samstag, 5. Juli 2014

Interview in "Buddhismus aktuell"


Ursula Richard, die Chefredakteurin von "Buddhismus aktuell" (die Zeitschrift der Deutschen Buddhistischen Union) hat mein Buch "Leuchtende Stille" gelesen und ein Interview mit mir gemacht: Wie ich Zen im Alltag lebe, ob Zen für mich eine Religion ist und warum ich als Schriftstellerin Zen praktiziere. Zwei kleine Ausschnitte:

U. R.: Hat Zen für Sie eine buddhistisch-religiöse Dimension?

M. I.: Zen ist viel mehr als Religion: Es ermöglicht mir die Erfahrung des geistigen "Raumes", aus dem heraus letztendlich alle Religionen entstanden sind. Das Interesse von Buddha war es ja nicht, eine Religion zu gründen; er wollte den Menschen aus der Tiefe seines Mitgefühls den Weg zum Beenden des Leidens zeigen. Natürlich gibt es auch in Zen-Schulen diverse Rituale, aber die Praxisanweisung im Zen ist sehr einfach: Setz dich vor die Wand, beruhige deinen Geist und schau, was dann passiert. In dieser Klarheit und Abwesenheit von allem Überflüssigen atme ich auf und fühle mich frei.

U. R.: Wie drückt sich Zen in Ihrer Arbeit am Wort, also als Schriftstellerin aus?

M. I.: Als Schriftstellerin bin ich vor allem dankbar dafür, dass niemand mir vorformulierte Erkenntnisse, Glaubenssätze oder Göttergestalten präsentiert. Die weiße Wand, vor der ich sitze, ist wie das weiße Blatt Papier: Ich darf für meine Erfahrung meine eigene Sprache finden. Und weil das Wesen einer solchen Erfahrung sich allen Begriffen entzieht, gibt es nur eine Sprache, die dem Zen gemäß ist, und das ist die poetische. Poesie lässt das Nicht-Sagbare aufscheinen, im Raum zwischen den Worten.

"Buddhismus aktuell" 3/2014, ISBN 4-196667-208005, 8,- €.

Das Heft enthält viele gute, auch kontroverse Beiträge zum Thema Buddhismus und Religion.

Seit Kurzem steht das komplette Interview auf meiner Website www.margrit-irgang.de  Bitte im Menu auf "Werk" klicken und dort bis zu "Zeitschriften" herunterscrollen.
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