Donnerstag, 19. Februar 2026

Interbeing

  
Bald. Doch, bestimmt: bald. Also: demnächst. Irgendwann. Ganz sicher: eines Tages. Muss man nicht glauben. Ist Gesetz: die Pflaume kommt.  

 

The plum you’re going to eat next summer

doesn’t exist yet; its potential
lives inside a tree you’ll never see, will be touched
by a certain number of water droplets
before it reaches you, by certain angles
of light, by a finite amount of bugs
and dust motes and hands
you’ll never know. The plum you are
going to eat next summer will gather
sugar, gather moss, will harden
at its center so it can soften toward
your mouth. The plum
you’re going to eat next
summer doesn’t know
you exist. The plum you are
going to eat next summer
is growing just for you.

Gayle Brandeis

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Freitag, 13. Februar 2026

Cees Nooteboom

 


Cees Nooteboom, ein großer Autor, ist im Alter von 92 Jahren in seiner Wahlheimat Spanien gestorben. Der Niederländer war ein Reisender. Neugierig, auch unruhig, unterwegs in Afrika, Asien und Europa. Über seine - körperlichen und geistigen - Reisen hat er kluge, nachdenkliche Bücher geschrieben. Auf Niederländisch, das in der Welt kaum jemand spricht, denn nur in seiner Heimatsprache konnte er sich so genau und sensibel ausdrücken, wie es ihm vorschwebte. Nooteboom lehrt uns sehen, mit den äußeren und inneren Augen. Es ist kein Zufall, dass so viele seiner Protagonisten Fotografen sind. 

Zwei seiner Bücher hier als meine persönliche Empfehlung. "Allerseelen" erzählt von dem niederländischen Fotografen Arthur Daane, der Frau und Kind bei einem Flugzeugabsturz verloren hat und den Verlust nicht überwinden kann. Mit seiner Filmkamera streift er durch das verschneite Berlin und trifft Menschen, die wie er heimatlos sind und zu Freunden werden. In die junge Elik, die voller Geheimnisse ist, verliebt er sich und folgt ihr bis nach Madrid. Ein nachdenkliches Buch, das große Ruhe vermittelt und in klugen Dialogen von Heimatlosigkeit, Verlust, Sehnsucht und Freundschaft erzählt. "Allerseelen", aus dem Niederländischen von Helga van Beunigen. Suhrkamp TB.

Nootebooms große Liebe gehörte Japan. In dem schmalen Buch "Mokusei" unterhalten sich ein belgischer Diplomat und ein niederländischer Fotograf in Tokio über die zwei Gesichter Japans: Die europäische "Idee" von Exotik und die Wirklichkeit. Der Diplomat vermittelt dem Fotografen eine Japanerin als Modell, und der Niederländer verliebt sich in die Frau, die sich ihm in ihrer geheimnisvollen Exotik entzieht. Ein kunstvolles Spiel mit Projektionen, dem Gesicht und den Masken, dem Foto und der Wirklichkeit, dem Idealbild der Geliebten und dem Kontrast zu der gewöhnlichen Frau. "Mokusei", sein Name für die Geliebte, ist die einzige japanische Blume, die duftet. Ein leises Buch voller Schönheit. "Mokusei", aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen. Suhrkamp TB.

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Freitag, 6. Februar 2026

Stille ist mein Zuhause


 

"Ich begegnete der Stille vor vierzig Jahren auf einem überfüllten Bahnhof in irgendeiner Stadt in der indischen Tiefebene. Seit ein paar Wochen reiste ich mit dem Rucksack durch das Land des Buddha. Es war heiß, ich hatte mir ein Virus eingefangen, das mir Bauchschmerzen bereitete, und durch meine Träume krochen Leprakranke ohne Arme und Beine. Ich hockte auf einem Bahnsteig zwischen Hunderten Menschen, gackernden Hühnern in Käfigen und einer Ziege mit zusammengebundenen Beinen und wartete auf meinen Zug, der mich irgendwohin bringen sollte. Da sah ich die Stille.

Sie saß auf einem der gegenüberliegenden Bahnsteige im Lotossitz, völlig entspannt inmitten von Lärm und Dreck. Sie war ungefähr so alt wie ich, Amerikanerin, schätzte ich, und ich erriet an der nicht ganz sauberen Kleidung, dass sie schon lange unterwegs war. Sie ruhte auf diesem Bahnsteig in ihrer Stille wie im Auge des Zyklons. Mit leisem Lächeln beobachtete sie den Kampf an den geöffneten Zugtüren, wo die Ankommenden hinaus- und gleichzeitig die Abreisenden hineindrängten. Irgendwann würde auch ihr Zug einlaufen, sie würde sich erheben, den Rucksack schultern und auf ihre gelassene Weise irgendwie ins Abteil gelangen.

Ich warf einen Blick auf sie, und meine Reise nahm eine Wendung. Diese unbekannte Amerikanerin erinnerte mich an den Ort der Stille in mir, den ich sehr wohl kannte, aber in diesem überwältigend fremden Land verloren hatte. Wohin wollte ich denn in Wirklichkeit, wenn ich durch die Welt reiste, wie ich das seit einigen Jahren tat? An einem glühend heißen Tag irgendwo in Indien belehrte mich eine Frau, die ich nur fünf Minuten zu Gesicht bekam und nie wiedergesehen habe, darüber, dass es nichts zu finden gibt, weil ich bereits zu Hause bin. In jedem Augenblick. In jedem Land der Erde." 

Dies ist der Beginn meines Essays "Stille ist mein Zuhause" in der Ursache\Wirkung 129. Den ganzen Text könnt ihr lesen hier (klick).


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Mittwoch, 28. Januar 2026

Zu Gast im Podcast SpurenSuche



Der Systemische Coach Helmut Prodinger hat mich eingeladen, zu Gast in seinem Podcast SpurenSuche zu sein. Wir kennen uns seit Jahren aus Salzburg. Helmut hat kluge Fragen gestellt zum Schreiben, zum Zen und hat mich um Tipps für Anfänger in der Meditation gebeten. Und weil der Podcast das Motto SpurenSuche trägt, ging es natürlich auch um meinen verschlungenen Lebensweg, denn ich wollte weder Schriftstellerin noch Meditationslehrerin werden. Irgendwann sage ich den Satz: "Es gibt keine Umwege, nur Wege." Das fasst dieses Gespräch schön zusammen. 

Ich habe gern mit Helmut gesprochen.

Den Podcast kannst du auf spotify hören hier (klick)  oder auf meiner Homepage hier (klick).

Und Helmuts Website findest du hier (klick).

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Mittwoch, 14. Januar 2026

Mein neues Buch

 

Ich freue mich sehr, Dir heute mein neues Buch vorstellen zu können. Es brauchte lange, um in die Welt zu kommen. Aber jetzt ist es da.

"Wir haben das Privileg, in einer außergewöhnlich schwierigen Zeit zu leben. Die alten Lösungen und Ideen funktionieren nicht mehr. Wir sind gezwungen, unser Bewusstsein auf eine neue Ebene zu heben und unsere Verbundenheit mit allem Seienden zu erkennen. Es liegt an jeder und jedem Einzelnen von uns, sich zu entscheiden: Für das Dunkel mit seiner zerstörerischen Kraft oder für das Licht, das immer da ist und nur darauf wartet, durch uns hindurch in die Welt zu strömen." 

Das Ziel des Zen ist die Erleuchtung, und viele Zen-Schülerinnen und -Schüler haben die Vorstellung, dass dies eine einmalige, überwältigende und das Leben für immer auf den Kopf stellende Erfahrung ist, die man nur nach jahrelangem Training erreichen kann. Ich aber sage: Erwachen ist unsere Praxis. 

"Wir alle können ein Zipfelchen vom Mantel Gottes erhaschen, ein Fünkchen vom großen Licht empfangen, tiefe unbedingte Liebe spüren, Momente des Aufgehoben-Seins in der Ganzheit erfahren und sehen, dass es keine Trennung gibt zwischen mir und dir, innen und außen. Wir können das erfahren, ohne Geboten zu folgen oder die Notwendigkeit zu verspüren, von jemandem in unserer Erfahrung bestätigt zu werden. Wir brauchen nicht zwanzig Jahre in Meditation zu verbringen, Mantren zu rezitieren und uns auf spezielle Weise zu bewegen oder zu ernähren."
 
Ich erzähle am Beispiel von fünf Menschen, wie sich Erfahrungen des Erwachens in ihrem Leben eingestellt und ausgewirkt haben. Das sind bekannte spirituelle Persönlichkeiten (wie Thich Nhat Hanh) und Menschen, die Verbundenheit und tiefe Liebe einfach in ihrem täglichen Leben ausgedrückt haben (wie die Jüdin Etty Hillesum). Ich spreche auch vom Erbe der deutschen Nazizeit, das es Deutschen besonders schwer macht, mystische Erfahrungen zuzulassen, und davon, wie man in den Momenten im Leben praktizieren kann, in denen alles zusammenbricht.  
 
Du bekommst mein Buch in jeder Buchhandlung und online über den Link bei Buch7 (siehe unten). Ich hoffe und wünsche mir, dass es Dich ermutigt, das Licht in Dir nach außen strahlen zu lassen. Denn Du wirst gebraucht in dieser schwierigen Zeit.
 
Margrit Irgang "Erwachen im Hier und Jetzt. Wege zur inneren Ruhe und Verbundenheit". Patmos Verlag, ISBN 978-3-8436-1614-0, 18 EUR
 
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