Freitag, 12. Februar 2021

Warm bleiben

 

Minus acht Grad. Schön. Kalt. Wir alle haben unsere Rezepte fürs Warmbleiben. Wollpullover, Daunenjacke, Suppe, heißer Tee. Täglich mindestens eine Stunde über die Hügel durch den Schnee stapfen. Früh ins Bett. (Ich empfehle neun Uhr, doch doch. Meditierende stehen ja auch um halb sechs oder so auf.)

Wie aber bleiben wir innerlich warm, wenn es zwischenmenschlich abkühlt? Zum Beispiel letzte Woche im Supermarkt, ich bin die Zweite in der Kassenschlange. Der Mann hinter mir schiebt meine Einkäufe auf dem Band zusammen, sodass ich ein paar Dinge vor dem Herunterfallen bewahren muss, packt seine dahinter und prallt bei jeder Bewegung (er hat seinen Einkaufswagen hinter sich, ich meinen vor mir) mit seinem Körper an meinen Körper. Ich bitte ihn, Abstand zu halten, und er explodiert in einen Schwall unflätiger Sätze, von denen "Das ist ja krankhaft, Sie tragen doch eine Maske, ich lasse mir von Ihnen nichts befehlen!" noch der harmloseste war. Irgendwo weiter hinten sagt eine Frauenstimme: "Genau, so ist es." Die Kassiererin zieht ungerührt die Waren der Kundin vor mir über den Scanner.

An solchen Tagen gehe ich nachsehen, was die Schneeglöckchen im Nachbargarten so machen. Sind sie gewachsen, läuten sie vielleicht sogar? An solchen Tagen brate ich Haferflocken in Fett an, gebe eine Extraportion meiner kostbaren biologischen Sonnenblumenkerne dazu und beobachte meine vier Hausspatzen beim Mittagessen. Ich backe ein Blech Shortbread-Cookies mit Schokolade. Ich fülle ätherisches Weisstannenöl in meinen Vernebler und stelle ihn an. Ich stricke an meinen Socken aus edlem Garn der Westhigland Yarn Spinners weiter und höre dabei die aktuelle Literaturlesung in der SWR-Sendung "Fortsetzung folgt".

Aber, wie gesagt, da hat jede und jeder eigene Rezepte. 


1 Kommentar:

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