Montag, 19. Mai 2014

Der philosophische Kater über: Muße


Von dem schönen Zustand der Muße verstehen nur noch wir Katzen etwas. Sie hat hier gerade an der Wand einen Spruch aufgehängt: „Tut das Nichttun. Beschäftigt euch mit Nichtbeschäftigung. Lao-Tse“ Zur Erinnerung, hat sie entschuldigend gesagt. Und ist weiter herumgewirbelt, weil sie, sagt sie, noch so viel erledigen muss.

Was haben die Menschen nur aus dem schönen Wort „müssen“ gemacht! Anstrengung und Hektik. Wenn sie was tun müssen, heißt das, sie wollen es nicht tun. Aber (sagt sie, die sogar Bücher über so was schreibt), Muße sei von der Herkunft her verwandt mit dem Wort müssen, und das bedeutete früher mal „sich etwas zugemessen haben. Zeit, Raum, Gelegenheit haben, um etwas tun zu können“.

Ich messe mir mit Genuss die Tätigkeiten zu, die ich liebe, vor allem das lange müßige Ruhen. Bevorzugt auf weichen Polstern (das rote unter mir sieht man gerade nicht), mit halbgeschlossenen Augen, die sich ganz schnell schließen, wenn das, was mein Blickfeld kreuzt, mir nicht gefällt. Ich lade die Weltereignisse ein, mich zu besuchen; wenn sie nicht kommen, sind sie selber schuld. Und wenn das Ereignis nicht gerade eine Maus ist, darf es auch schnell wieder gehen. Wozu der Welt hinterherlaufen? Beschäftigt euch mit Nichtbeschäftigung, sage ich. Dieser alte Chinese muss eine Katze gehabt haben.
0 Kommentare

Kommentar veröffentlichen