Sonntag, 6. August 2017

Hochsommertage bei Buddha im Bayerischen Wald


Um 5.30 Uhr ruft die Glocke zur Morgen-Meditation. Vielleicht werde ich heute im Zendo mit den anderen sitzen. Vielleicht barfuss durch die taugetränkten Wiesen gehen. Später pflücke ich Wildkräuter im Bio-Garten und lerne von Helga, was man alles essen kann: Melde, Borretsch, Kapuzinerkresse, Nachtkerzenblüten, Hahnentritt, Löwenzahn.

Gehmeditation im Wald, und der Wald summt. Ein Hase flitzt über die Wiese. Die Stille ist tief und heiß. Der Alltag ist weit entfernt. Der Geist kommt zur Ruhe. Meine Tage sind erfüllt von Glocken und Gongs, Kräutern und Blumen, sorgfältig zubereitetem Essen und Putzeimer und Besen für die mir zugeteilte Hausarbeit. Es gibt keine Trennung zwischen dem Sitzen im Zendo, dem Pflücken von Wachsbohnen und dem Putzen der Toiletten. Wenn der Geist nicht unterscheidet in Mögen und Nichtmögen, ist auf einmal alles leicht und weit, weil alles eins ist: sich unablässig entfaltend im Einen, im Ganzen.


Anfang der 1990er Jahre lernte ich Helga und Karl Riedl, die das Intersein-Zentrum in Hohenau leiten, in Plum Village kennen; seitdem sind sie liebe Freunde von mir. Wieder einmal ist mir bewusst geworden, dass dieses Haus mehr ist als ein Meditations-Haus: Es ist, ganz im Sinn von Thich Nhât Hanh, eine Lebens-Schule, die Achtsamkeit in all ihren Aspekten lehrt. Hier ist nichts dem Zufall überlassen, alles ist bewusst ausgewählt und gestaltet: die Nahrungsmittel sind biologisch, die Ernährung überwiegend vegan. Im Haus natürliche Hölzer, Leinenvorhänge, Thays Kalligrafien und ein Hauch japanischer Ästhetik.

Wer ein Retreat besuchen möchte oder einfach nur eine Zeitlang mit der Sangha mitleben möchte, ist im Intersein-Zentrum immer willkommen. Und: Man darf seine Kinder mitbringen!


Hier ist die Homepage: www.intersein-zentrum.de  Und herzerwärmend die ausführliche Vorstellung des Zentrums durch David und Vanessa auf www.sanghabuild.org

Kommentare:

  1. Wieder ein so feiner Ort, von Dir vorgestellt...ich stelle ihn mir im Winter auch sehr schön vor.Liebe Grüße, Taija

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    1. Bei Weihnachtsfeiern in früheren Jahren sind wir oft in einem Meter Schnee versunken. Aber der Schnee fällt inzwischen auch in den Bergen nicht mehr üppig.

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    2. ...das klingt ganz wunderbar:-)...bis dieses Jahr dachte ich auch noch, alle Weihnachtsbücher für Kinder müssten umgestaltet werden, gab es doch kaum Schnee. Und dann dieser schneereiche Winter.Weihnachten im Retreat klingt sehr schön...

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