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Donnerstag, 14. Mai 2026

Was ist "Achtsamkeit"?

 

Einfach nur wahrnehmen, was da ist, sagt Thich Nhat Hanh. Und dann zählt er auf, was alles nicht zur Achtsamkeit gehört: Das Wahrgenommene beurteilen, es haben wollen oder es ablehnen. Warum gehört das nicht dazu? Weil es eine Aktivität des Geistes ist und die reine Wahrnehmung stört.

Mit "sati" wird im Buddhismus das Verweilen im ungestörten Gewahrsein bezeichnet. Wir übersetzen das mit dem unglücklich gewählten Begriff "Achtsamkeit". Ein Substantiv, das "sati" zu einem Ding macht, zu etwas Starrem, Festgefügten. Um das irgendwie aufzulösen, sprechen wir davon, dass wir achtsam sein wollen oder achtsamer werden müssen oder leider wieder mal nicht achtsam genug gewesen sind, weil uns beim Kochen der Löffel heruntergefallen ist oder wir vergessen haben, eine Mail zu schreiben. Jetzt sind wir in einem Tun gelandet, und auch das geht an dem, was dieser Begriff eigentlich bedeutet, völlig vorbei.

Das klare offene Bewusstsein ist unsere Wahre Natur. Wenn wir in ihm "verweilen", wie es so treffend heißt, ruht unser bewertender, im Alltag ständig aktiver Geist. All unsere Bemühungen, achtsam zu sein oder zu werden, sind durchaus hilfreich beim Bewältigen unseres Alltags. Aber spirituell gesehen bleiben sie an der Oberfläche. 

Wir können die "Anwesenheit eines Objekts" in tiefer Stille und Ruhe wahrnehmen, ohne das Wahrgenommene zu kommentieren. Das ist kein passiver Zustand, im Gegenteil: Es ist höchste Lebendigkeit. In dieser Ruhe entfalten die Dinge der Welt ihr Wesen; sie zeigen sich so, wie sie sind, und nicht, wie wir sie haben oder nicht haben wollen. 

Aber wer sich einmal um diese Klarheit und Ruhe bemüht hat, weiß: So ohne Weiteres gelingt es nicht, sie zu berühren, und in ihr längere Zeit zu verweilen, scheint eine eigene Kunst zu sein. So gibt es eben doch etwas zu tun, aber dieses Tun besteht in meiner sprachlichen Definition nicht darin, achtsamer zu sein. Wir beruhigen vielmehr unseren aufgewühlten Geist, der das klare offene Gewahrsein bewölkt. Dafür gibt es Praktiken, die man lernen und anwenden kann, aber nicht im Sinn einer neuen Fähigkeit. Wir sammeln keine neuen Inhalte an, wir beschweren uns nicht mit neuem Wissen. Wir nehmen vielmehr das weg, was den Zugang zu unserer Tiefe verhindert. 

Dann entdecken wir auch, dass wir bereits all das haben, was wir zumeist auf falschen Wegen suchen. Mitgefühl, Verstehen und tiefe Freude sind uns innewohnende Geistesqualitäten, die wir entfalten und in unserem täglichen Leben ausdrücken können.

Wenn Du das lernen möchtest, bist Du herzlich eingeladen, an einem meiner nächsten Retreats teilzunehmen. Zum Beispiel im Juli im Intersein-Zentrum im Bayerischen Wald hier (klick).

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Mittwoch, 6. Mai 2026

Dein wildes kostbares Leben

 Intersein Zentrum

 

In ihrem Gedicht "The Summer Day" streift Mary Oliver durch die Natur. Sie fragt sich, wer die Welt gemacht hat - den Schwan, den Schwarzbären, den Grashüpfer. Das ist eine religiöse Frage, aber dann sagt sie, sie wüsste nicht, was ein Gebet ist. Sie wisse nur, "wie ich müßig und gesegnet sein kann und durch die Felder streifen". Und am Schluss des Gedichts fragt sie uns unvermittelt: "Tell me what it is you plan to do / with your one wild and precious life?"

Was ist unser „wildes“ Leben – also unser wahres Wesen? Wir sind keine Grashüpfer und Schwarzbären; wir müssen immer aufs Neue Entscheidungen treffen und ihre Folgen tragen. Deshalb haben wir alle unser wahres Wesen im Lauf der Jahre zugedeckt mit Urteilen, Gewohnheiten, Kompromissen und Überzeugungen, die uns und unserer Umwelt oft nicht guttun.

Wir sind bereits all das, was wir zumeist auf ganz falschen Wegen suchen. In jedem Menschen sind die Geistesqualitäten der Liebe, des Verstehens und des tiefen Friedens angelegt. Mit unserer Praxis des Innehaltens und Gewahrwerdens lösen wir alles Oberflächliche und Künstliche in uns auf, damit unser wahres Wesen sich zeigen kann in seiner Schönheit und Kostbarkeit. Dann sind unsere Handlungen frei von egozentrischen Zielen und können wirklich Heilsames in der Welt bewirken.

Wir haben nie genug geliebt, weder andere noch uns selbst. Nie genug gelacht und nie genug getrauert über unwiederbringlich Verlorenes. Wir wollen in diesen Sommertagen im Intersein-Zentrum im Bayerischen Wald das Lebendige im Garten und in uns selbst feiern, unsere Schmerzen würdigen und unser „wildes und kostbares“ Leben entdecken.

Wir werden die Tage weitgehend in Stille verbringen mit Sitz- und Gehmeditation (auch im Wald), Vorträge hören und uns in Rundgesprächen austauschen.

Ich lade dich herzlich ein, mit uns dein wahres Wesen zu entdecken und zu feiern:

18. - 22. Juli 2026
Intersein Zentrum, Hohenau 

Dein wildes und kostbares Leben

Retreat mit Margrit Irgang

Übrigens haben wir jetzt Frühbucher-Rabatte. Wenn du bis Ende Mai buchst, sparst du bei der Teilnahmegebühr. Buche hier (klick).

Sehen wir uns? Das würde mich freuen.

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