Montag, 12. September 2022

Singen in Italien

Ausflug auf die Isola Maggiore del Lago Trasimeno, natürlich zum Singen in der Kirche San Salvatore

 

Mögt Ihr Italien? (Jaaaa!) Singt Ihr gern? (Jaaaa!) Und wandert auch? (Ich: nun ja, eher nicht so ...) Wenn Ihr mindestens zwei Fragen mit Ja beantwortet habt, kommt hier ein Urlaubs-Tipp für Euch: Chorsingen und Gesangs-Unterricht in der Toscana. In einem uralten Palazzo, in dem jedes Zimmer anders ist, schräg und schief, zum Teil mit ausladenden Himmelbetten bestückt und Schränken, die von längst verblichenen Grafen und Herzogen erzählen, wenn sie leise jammernd ihre Türen öffnen. Flure zum Verirren, ein altes Refektorium, eine im Urzustand belassene Küche aus vergangenen Zeiten (nein, sie kochen in einer modernen, und sie kochen hervorragend). Der Palast trägt vier Sterne, es gibt einen Swimmingpool - also einer dieser Orte, die man bildhaft im Gedächtnis abspeichert und jederzeit erinnern kann.

 


Morgens stand ich, die alte Adlige für eine Woche, auf meiner Terrasse und blickte hochmütig hinunter ins Dorf, wo das gewöhnliche Volk sich noch aus dem Talnebel schälte.



Um zehn Uhr Chi Gong, vormittags Stimmbildung und Proben des Programms, nachmittags mit dem Bus zu kleinen Dorfkirchen, wo wir in Gewölben und unter Kuppeln erfuhren, wie sehr ein Raum Einfluss hat auf den Klang. Und dann: Stramm wandern. (Ich: Eher hinterher hoppelnd ...)


San Miniato al Monte

 

Kirchen, große und kleine. Mit verblichenen Fresken, Licht und Schatten und sehr viel Stille.


 

Ausflug nach Florenz, Singen in San Miniato al Monte, in der Krypta und auf der Empore. Ein paar Touristen blieben stehen, jemand bedankte sich für das Konzertchen. (Ich als Touristin wäre diesem Chor hinterhergelaufen, um keinen Ton zu verpassen. War nämlich ein guter Chor.) Unser Programm? Quer durch alle Epochen, von der Alten Musik (Alfonso X el Sablo und Guillaume Dufay) über das Libre Vermell de Montserrat hin zu Thomas Tallis, von Gesängen aus Taizé bis zu Hans-Jürgen Hufeisen.

 

 

 San Miniato al Monte

 

 

San Pietro in Gropina

 

Unser "Abschlusskonzert" in korrekter schwarzer Chorkleidung gaben wir in der wunderschönen Kirche San Pietro in Gropina. Wir waren ganz und gar unter uns, keine Maus hat uns zugehört. Ich habe schon viele Konzerte in meinem Leben gesungen, und noch nie war die Atmosphäre so gelöst und heiter. Es ging nur um die Freude an der Musik, um das Glück, singen zu dürfen und es zu können. Da war niemand, den wir beeindrucken wollten. 

Es war eins meiner schönsten Konzerte, ich werde es nicht vergessen. 



Neugierig geworden? Hier kommen Tipps für Euch. Geleitet wird der Kurs von der Sängerin Ute von Genat (klick). Sehr kompetent und sympathisch. Unser ebenso sympathischer "Wanderführer" und toller Bass war der Kunsthistoriker Jörg Schaden (klick), der in Rom lebt und dort Führungen anbietet. Das Ganze wird organisiert von musica viva (klick), die Kurse und Reisen für alle im Programm haben, die singen oder irgendein Instrument im Ensemble spielen wollen. Mir scheint, sie haben einfach alles zum Thema anzubieten, und das auf allen Niveau-Stufen, vom Anfänger bis zum sehr Geübten.




Es war lebendig, anregend, interessant, heiß (und etwas anstrengend). Ich bin voll mit Musik zurückgekehrt, die in mir weiterklingt. Beim Kochen und Lesen singt es in mir immer noch in mir "Laudemus Virginem" und "Santa Maria, strela do dio". 


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