Montag, 3. Januar 2022

Versunken

  

 

Manchmal fahre ich aus der Stadt heraus - eine lebhafte, fröhlich-sonnige Stadt, die wärmste und, wie die neue Zählung ergeben hat, die mit dem jüngsten Altersdurchschnitt in Deutschland -, und hinter dem Ortsschild, das meinen Vorort ankündigt, tauche ich in eine völlig andere Atmosphäre ein. Ich habe da einen Fluss mit etlichen Neben-Bächlein, die unter gewissen Luft-, Wind- und Temperatur-Bedingungen eine eigene Welt erzeugen. Eine weiche, umhüllende Welt, in der die Dinge ihre scharfen Kanten verloren haben und mich nicht bedrängen.



Eine stille Welt in sanften Farben, die ein wenig melancholisch ist. Die zum Innehalten einlädt, zum Lauschen nach innen, denn alle äußeren Laute hat diese Welt verschluckt. Muss ich betonen, dass ich mich in dieser Welt sehr wohl fühle? Dass die äußere Landschaft meiner inneren entspricht und sich ganz von selbst ein Gefühl der behaglichen Stimmigkeit einstellt? 




Und so gleite ich unsichtbar und ungesehen durch diese verwunschene Welt, über die Wiesen und Felder, herrlich allein und dennoch wunderbar umhüllt und geborgen. Niemand spricht mich an, ich bin für die anderen nur ein Schatten, wie sie es für mich sind, denn sie erkennen mich nicht. Und der heikle Irrtum, den anderen, dessen Namen man weiß, auch zu "kennen", zu dem die sonnig-fröhliche Stadt so leicht verleitet, kann gar nicht erst entstehen. Die Schatten gleiten namenlos dahin. 

Für zwei, drei Stunden der Versunkenheit.

 

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