Mittwoch, 9. Juni 2021

Die Frühstückszubereitungs-Meditation

 

 

Wie schön war doch die Morgenmeditation im Retreat. Das frühe Aufstehen fiel ganz leicht, der Gang zum Zendo durch das Haus (den taufeuchten Garten) war eine kleine Sensation. Die ersten Vögel zwitscherten schlaftrunken. Ein Igel verschwand in der Hecke. Und die Stille im Zendo, während das Tageslicht über den Hügel kletterte: So erholsam. So friedvoll. Das werden wir zu Hause auch so machen! Wir stehen früher auf, meditieren und sammeln Gelassenheit für den Tag.

Kennt Ihr den guten Vorsatz? Und? Haltet Ihr ihn durch? Wusste ich's doch ...

Ich mache einen Alternativ-Vorschlag für alle, die es nicht schaffen, früher aufzustehen, um sich auf das Kissen oder den Stuhl zu setzen: Die Frühstückszubereitungs-Meditation. Meine tägliche dauert genau 20 Minuten, die Länge einer Sitzrunde. Ich praktiziere dabei NUR DIES.

Ich hacke einen halben Zentimeter Ingwer und eine Dattel in winzige Stücke und erwärme sie leicht in drei Esslöffeln Apfelsaft. Füge drei Esslöffel Haferflocken hinzu, eine Prise Zimt, einen Esslöffel Kokosmilch. Ergänze mit Wasser. Koche auf. Rühre. (NUR DIES: hacken, einfüllen, rühren.) 

 


 

Ich schaue nach, was der Balkongarten zum Frühstück beisteuern kann, und befrage auch gleich den Himmel nach seinen Wetterabsichten. In welchem Licht steht dieser Morgen, wie riecht er? (NUR DIES: schauen, riechen, wahrnehmen, aufnehmen.) In der Küche breite ich meine Obstschätze aus und schneide sie klein. Diese Farben, die Aromen, die unterschiedlichen Konsistenzen! Inzwischen simmert im Kessel das Teewasser. Der Hafer ist warm und zerfällt zu Brei. Ich wähle meinen Tee aus (Seogwang Sencha aus Korea). Die Küche ist voller Duft und Dampf, ich fülle den Brei in die Schale und garniere ihn mit dem Obst. Ein paar gehackte Nüsse darüber? Oder Sanddornmus für Vitamin C?

 


Granatapfelkerne, die haben gefehlt. Ein paar Kokosraspeln. Die Spatzen auf dem Balkon futtern ihr zweites Frühstück. Ich jetzt gleich mein erstes. NUR DIES: genießen!


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