Sonntag, 12. April 2020

Oster-Ausgabe: Eure Beiträge


Licht. Light.

Herzlichen Dank an diejenigen von Euch, die meinem Aufruf gefolgt sind und mitgeteilt haben, was sie in dieser schwierigen Zeit inspiriert, erfreut, nachdenklich macht. Die Beiträge waren zum Teil sehr lang, ich musste kürzen. Mein Beitrag zu diesem Post sind meine Fotos, entstanden auf einsamen Spaziergängen in den letzten Tagen.

Gerlinde schreibt: "Nach der anfänglichen inneren Revolte, dass das Virus mir alles nehmen wird, was mir lieb und teuer ist, erlebe ich jetzt mit Staunen eine innere Veränderung. Vom Ich zum Wir. Die introvertierte Hochsensible, die so viel Schutz gebraucht hat, hat jetzt das Bedürfnis, sich mitten rein zu werfen, um zu helfen. Die dramatischen Schilderungen der Ärzte und Priester aus Italien haben mich sehr berührt, das Online-Retreat von Lion's Roar hat geholfen, dieser Blog hier, und noch ein anderer von Claus Eurich, die Biografie von Hilma af Klimt, "Der Sprung in den Brunnen" von Hubertus Halbfas, Menschen, die ich längst verloren geglaubt habe, sind neu zurückgekommen, ganz viel Neues entwickelt sich. Einkaufen für Menschen mit Risiko, eingetragen auf Plattformen zur Erntehilfe Aber das sind nur die äußeren Dinge. Innen geschieht etwas, das ich nur als neu beschreiben kann, eine Art Umkehr, vielleicht wirklich der Sprung in den Brunnen. Solange ging es um mich, meine Welt, mein, mein, mein. Das ist wie vorbei. Es geht jetzt um uns, um uns alle. Das Komische ist, dass sich trotz so vieler Bedrohungen das Leben jetzt leicht, schön und freudig anfühlt."

Barbara hat begonnen, Haikus zu schreiben, die sie auf ihrem Blog teilt.

Eiskalte Hände.
Zum Glück macht der Schmerz mir klar:
Ich bin am Leben!

An trüben Tagen
wenn die Fallzahlen steigen
versuch ich ein Lied

Wird es lang dauern
bis deine Angst verschwindet
mich zu umarmen?


Hoffnung. Hope.

Sibylle schreibt auf ihrem Blog über ihre Hoffnung: "Wir werden dann vielleicht gelernt haben, was es heißt, am Leben zu sein. Was es wirklich bedeutet, genug zu essen im Kühlschrank und ausreichend Toilettenpapier im Badezimmer zu haben, den Partner neben sich atmen zu hören (selbst wenn sein Schnarchen zuweilen das Ende unserer Träume bedeuten sollte), die Familie um den Tisch versammelt zu haben, den Kollegen auf der Arbeit zu begegnen, wir werden gelernt haben, wie man höflich Abstand halten und sich dennoch herzlich begrüßen kann. (...) Wir werden vielleicht erkannt haben, dass es auf diesen Moment ankommt, da es einen anderen nicht gibt. Wir werden es als das höchste und wahrhaftigste Glück erkennen, tief die frische Luft einatmen zu dürfen und sie anschließend wieder frei zu lassen, einen nächsten Atemzug zu nehmen und danach noch einen. Mit all dem müssen wir nicht auf jenen späteren Zeitpunkt, auf das Ende der Krise, ein nächstes Leben oder die großen Ferien warten. Wir können es bereits heute tun."

Maartien aus den Niederlanden hatte einen Traum: "Seit Jahren begleiten, beruhigen und beglücken Ihre Worte, Ideen und Wortkompositionen meinen Lebenspfad. Die sind mir teuer geworden. Drei Tage her träumte ich, ich wäre unterwegs in den Bergen. Irgendwo am Bio-Marktplatz konnte ich bei Ihnen homemade Bonbons bekommen. Sie waren neben einem anderen Verkäufer da, unauffällig und beschäftigt, und ich wählte ein Dutzend davon, Schokolade-Bonbons, alle die gleiche Form, der Inhalt eine Überraschung." 

(Anmerkung von mir: Eindeutig ein Traum. In der Realität hätte ich die Bonbons selber gegessen.)


Freundschaft. Friendship.

Simon schreibt: "Seit Jahren fahre ich mit dem Rad eine halbe Stunde in die Arbeit. Ich lasse kaum einen Tag aus. Nur bei Eis oder starkem Regen fahre ich nicht. Im April nehme ich mir mehr Zeit, weil die Forsythien blühen. Ich kenne die Standorte einiger Sträucher und habe mir mit der Zeit eingeprägt, in welcher Reihenfolge sie blühen. Ich fahre sie alle ab. Mir gefallen sie am besten, wenn sich das zarte Grün der neuen Blätter mit den gelben Blüten mischt. Mit dem Corona-Virus begab ich mich in Selbst-Quarantäne, da ich zur Risikogruppe gehöre. Die Forsythientour endete abrupt. Vorher führte ich ein großflächiges Leben, das wird mir erst jetzt bewusst. Nun ist es kleinflächig und begrenzt auf unsere Wohnung. Da ich außerdem auf die Frühjahrsblüher allergisch bin, die nach den Forsythien wieder zum Leben erwachen, müssen die Fenster geschlossen bleiben.

Wenn man lange in eine Kerze sieht und dann die Augen schließt, entsteht ein Nachbild. Was vorher hell war, ist im Nachbild dunkel. Die gelbgrünen Forsythiensträucher haben sich durch die Pandemie in eine Kopie aus Grautönen gewandelt. Dieses Nachbild gräbt sich in meine Erinnerung ein und zeigt mir eine andere Realität, wie in einem wunderbaren Experiment."

Helga lebt mit Kindern und teilt auf ihrem Blog Bücher und Podcasts, die sie inspirieren, Ideen für das Leben in Selbst-Isolation mit Kindern und hat mit ihrer Tochter ein Video über Fadenspiele erstellt. "Lernen kann auf so vielen Ebenen stattfinden." Helga weiß und betont ausdrücklich, dass die Situation für viele Menschen sehr schwierig ist, aber sie kommt, nachdem sie monatelang durch ihr Leben gerannt ist, jetzt zur Ruhe: "Besten Gewissens kann ich mich dem Nähen, Stricken, Filzen widmen. Kann mit meiner Familie kochen, essen, Filme schauen, spielen. Kann meditieren, im Garten werkeln. Und das tut mir gut."

... und dann kamen noch etliche E-Mails mit Dank und guten Wünschen, einfach so, ohne Blog-Beitrag, muss ja auch nicht sein. Und weil Beatrice anmerkte, Frau Irgang habe auf diesem Blog lange nicht mehr gekocht: Ähm, is grad vorratsmäßig alles n bisschen eingeschränkt, nich? Wird aber wieder.

Frohe Ostern Euch allen. Es lebe die wunderbare Unvollkommenheit.
 

1 Kommentar:

  1. Licht Hoffnung Freundschaft - danke für die wunderbaren Fotos und Beiträge! In Verbindung sein mit Anderen, durch einen Blog, durch Mit-Geteiltes, durch einen liebevollen Blick auf die Welt, das tut gut. Schöne Tage im Dinnen und Draußen wünscht Barbara

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