Montag, 3. Juli 2017

Astrid Lindgren und die erschreckende Aktualität ihrer Dankrede von 1978


"Die jetzt Kinder sind, werden ja einst die Geschäfte unserer Welt übernehmen, sofern dann noch etwas von ihr übrig ist. Sie sind es, die über Krieg und Frieden bestimmen werden und darüber, in was für einer Gesellschaft sie leben wollen. In einer, wo die Gewalt nur ständig weiterwächst, oder in einer, wo die Menschen in Frieden und Eintracht miteinander leben.

Gibt es auch nur die geringste Hoffnung darauf, dass die heutigen Kinder dereinst eine friedlichere Welt aufbauen werden, als wir es vermocht haben? Und warum ist uns dies trotz allen guten Willens so schlecht gelungen?"  Astrid Lindgren in ihrer Dankrede anläßlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels im Jahr 1978

Ach, Astrid Lindgren, die Kinder von damals sind heute an der Macht. Und sie haben Formen der Gewalt ersonnen, von denen Sie sich im gefühlt Lichtjahre entfernten Jahr 1978 nichts träumen ließen. Was also ist schiefgelaufen? Und was sollen wir tun, die Kinder von einst, die heute selbst Kinder haben?

Ein schmales Buch voller aktueller Fragen. Astrid Lindgrens Antwort ist, wie erwartet, schlicht und ergreifend: Liebt eure Kinder, damit sie zu liebevollen Menschen werden.

Übrigens hat der Börsenverein des deutschen Buchhandels damals erwogen, Astrid Lindgren wieder auszuladen, damit sie ihre "provokante" Rede in der Paulskirche nicht halten kann. Immerhin dies haben wir geschafft: Man darf heute Gewalt gegenüber Kindern anprangern und ihre Folgen in der Gesellschaft thematisieren.
 
Astrid Lindgren "Niemals Gewalt", mit einem Vorwort von Dunja Hayali, 75 Seiten, Oetinger Verlag.

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