Sonntag, 31. Juli 2016

"Die Poesie des Augenblicks": Hier von Cy Twombly


Draußen ist es heiß. Die Bilder hängen im Keller, da ist es schön kühl; ohnehin interessiert sich kein Mensch für diese stillen Fotografien, auf denen auch im Grunde "nichts" zu sehen ist (das Nichts zu sehen ist). In den oberen Stockwerken, bei den monumentalen Gemälden von Katharina Grosse, ist mehr los. Das freut mich, so bin ich mit den Fotos von Cy Twombly allein. Kurz und knapp bekommt man erklärt, man sehe hier Päonien, den Blick aus dem Fenster des Ateliers und Neapel am Abend, aber das stimmt natürlich nicht. Ich sehe: das Licht, die Luft, die Atmosphäre einer ganz bestimmten Minute an einem ganz bestimmten winzigen Punkt der Welt. Ich sehe einem Maler beim Sehen zu. Ich sehe sein Sehen.

Der Philosoph Roland Barthes verglich Cy Twombly mit einem taoistischen Meister. "Er produziert, ohne sich etwas anzueignen. Er tut, ohne etwas zu erwarten. Ist sein Werk vollendet, hängt er nicht daran. Und weil er nicht daran hängt, wird es bleiben."

Die sehr kleine Ausstellung mit Fotografien von Cy Twombly hängt im Keller des Museums Frieder Burda in Baden-Baden.

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