Sonntag, 5. Juli 2015

SOMMER!


Ein Samstagabend im Juli. 35 Grad. Windlichter auf den Balkonen, Gläserklirren, leise Gespräche in der Sommernacht. Der Himmel voller Sterne, der Mond ein riesiges Käserad. Duftende Rosen, quakende Frösche, die ersten Grillen sägen in den Wiesen. Das tägliche Straßenbild: bunte Sommerkleider, Sandalen, Strohhüte. Hoch-Sommer. Der Höhepunkt des Jahres. Ein Mehr an Intensität ist nicht möglich.

In meiner früheren Zen-Schule wurde im sesshin jeden Abend vor dem Schlafengehen ein Spruch vorgelesen, als Mahnung und Erinnerung:

"Das Leben ist schnell vorbei. Deshalb sage ich euch: Seid wach! Nichts sollt ihr nachlässig behandeln, alles ist wichtig, alles ist kostbar! Und vergesst nicht: Was immer euch begegnet, ist euer Leben."

Im Supermarkt und an Straßenecken wehen mir Klagen ins Ohr. Es sei "zu" heiß, man könne nicht schlafen. Diese Hitzeperiode dauere schon "zu" lange, es sei Zeit für gemäßigteres Wetter. Vor ein paar Wochen hörte ich, es sei "zu" nass für die Jahreszeit, im Winter war es "zu" kalt, und vom Schnee gab es "zu" wenig.

Der Sommer ist schnell vorbei. Wir sollten ihn nicht nachlässig behandeln. Wenn wir jetzt nicht wach sind - wann wollen wir es dann sein?

Noch gibt es leise Gespräche in der Sommernacht, duftende Rosen und zirpende Grillen. Noch ist Hoch-Sommer.

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