Samstag, 10. Januar 2015

Ein Baum sein für jene, die leiden


Das, was in Frankreich geschehen ist und uns alle in den letzten Tagen in Atem gehalten hat, übersteigt mein sprachliches Vermögen. Für das Entsetzen, das ich empfinde, kann ich keine angemessenen Worte finden, die weder banal noch rechthaberisch klingen würden. Ohnehin ist im Web schon zu viel, zu schnell und vielleicht zu eloquent kommentiert worden. Deshalb möchte ich hier und heute an das stille Leiden erinnern. Ein Leiden, das nicht auf dem Bildschirm stattfindet, sondern in unserer Nähe. Dort, wo man unser Sein braucht und nicht unsere Worte.

“There are two things: to be and to do. Don’t think too much about to do—to be is first. To be peace. To be joy. To be happiness. And then to do joy, to do happiness—on the basis of being. So first you have to focus on the practice of being. Being fresh. Being peaceful. Being attentive. Being generous. Being compassionate. This is the basic practice. It’s like if the other person is sitting at the foot of a tree. The tree does not do anything, but the tree is fresh and alive. When you are like that tree, sending out waves of freshness, you help to calm down the suffering in the other person.
 
Your presence should be pleasant, it should be calm, and you should be there for him or her. That is a lot already. When children like to come and sit close to you, it’s not because you have a lot of cookies to give, but because sitting close to you is nice, it’s refreshing. So sit next to the person who is suffering and try your best to be your best—pleasant, attentive, fresh.”

Thich Nhât Hanh

“Zu sein und zu tun sind zwei Dinge. Denken Sie nicht zu viel an das Tun – das Sein kommt zuerst. Frieden zu sein, Freude zu sein, glücklich zu sein. Und dann Freude und Glück geben – auf der Grundlage des Seins. Zuerst müssen Sie sich also auf die Praxis des Seins konzentrieren. Frisch sein. Friedvoll sein. Aufmerksam sein. Großzügig sein. Mitfühlend sein. Das ist die grundlegende Praxis. Es ist, als ob die andere Person unter einem Baum säße. Der Baum tut gar nichts, aber er ist frisch und lebendig. Wenn Sie wie dieser Baum sind und Wellen der Frische aussenden, helfen Sie der anderen Person dabei, ihr Leiden zu beruhigen.

Ihre Gegenwart sollte angenehm und ruhig sein, und Sie sollten für ihn oder sie da sein. Das ist schon sehr viel. Wenn Kinder gern neben Ihnen sitzen, tun sie das nicht, weil Sie eine Menge Süßigkeiten verteilen, sondern weil das Sitzen neben Ihnen angenehm ist, erfrischend. Sitzen Sie also neben der Person, die leidet, und versuchen Sie, Ihr Bestes zu sein – angenehm, aufmerksam, frisch.“

Thich Nhât Hanh
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