Donnerstag, 30. Oktober 2014

"Leuchtende Stille" auf Niederländisch


Soeben erschienen: Mein Buch "Leuchtende Stille" auf Niederländisch. Übersetzt von Piet Hermans. Asoka Verlag, Rotterdam. ISBN 9789056703318, €19,90

"Margrit Irgang beschrijft in haar nieuwe boek de zoektocht naar en de confrontatie met de centrale vraag van zen en van het leven: Wie ben 'ik'? In Stralende Stilte heeft Margrit Irgang gekozen voor een bijzondere vorm van vertellen. Want hoe laat zen zich omschrijven? Irgang beschrijft de overeenkomsten tussen de kwantumfysica en het boeddhisme. Ze deelt haar ontmoetingen met Poolse Joden en schrijft over de jaarlijkse loop van de natuur. Margrit Irgang neemt de lezer mee op haar eigen ontdekkingsreis waarin zij de betekenis onderzoekt die zen in haar leven heeft gehad en nog steeds heeft.
Een prachtige, persoonlijke collectie van alledaagse momenten, gedachten en herinneringen. Voor degenen die zich net als de schrijfster inspannen hun eigen spiritualiteit tot ontwikkeling te brengen."

Freitag, 24. Oktober 2014


"Der Samurai Shosan Suzuki wurde im Jahr 1620 Mönch. Er verachtete jede Art Institution und trat nie in ein Kloster ein. Er sprach zu den einfachen Menschen, die keine hohe Bildung hatten, und tat es in einfachen Worten. 'Buddhismus', sagte er, 'ist keine abstrakte Lehre, sondern eine Lebensweise: für den Bauern ist es die Bauernweise, für den Handwerker die Handwerkerweise und für den Kaufmann die Kaufmannsweise.'

Jeden Morgen von etwa acht bis zwölf praktiziere ich Buddhismus. Mein Tempel hat 12 Quadratmeter, und wenn eine E-Mail hereinkommt, schlägt der Computer seine Glocke an. Über dem Dachfenster rasen die Wolken oder der Mond geht schlafen und die Sonne steht auf. Im Sommer schnarren die Frösche am Bach, ab und an fällt ein Storch im Sturzflug herunter und schnappt sich sein Essen auf Storchenweise.

Manchmal singe ich ein wenig; in einem Tempel muss es Gesang geben. Wandhoch im Hintergrund die Bände meiner ehrwürdigen Bibliothek. Die Tastatur ist meine Trommel, meine Finger schlagen sie an. Der rhythmische liebliche Klang der Schriftstellerweise ..."

(Aus: Margrit Irgang "Leuchtende Stille", Herder Verlag, ISBN 978-3-451-30732-4)

Sonntag, 19. Oktober 2014

Ein Taoist zu Besuch auf meinem Balkon


„Einst träumte Dschuang Dschou, dass er ein Schmetterling sei, ein flatternder Schmetterling, der sich wohl und glücklich fühlte und nichts wusste von Dschuang Dschou. Plötzlich wachte er auf: da war er wieder wirklich und wahrhaftig Dschuang Dschou. Nun weiß ich nicht, ob Dschuang Dschou geträumt hat, dass er ein Schmetterling sei, oder ob der Schmetterling geträumt hat, dass er Dschuang Dschou sei, obwohl doch zwischen Dschuang Dschou und dem Schmetterling sicher ein Unterschied ist. So ist es mit der Wandlung der Dinge.“

Dschuang-Dsi Buch II in der Übersetzung von Richard Wilhelm

Samstag, 11. Oktober 2014

Die Stille stirbt nicht.


O Mosteiro de Santa Maria de Alcobaca, eines der großen Klöster im Herzen von Portugal, in der tiefen Ruhe eines heißen Spätsommertags. Ich sitze in der Zeitlosigkeit. Vor Jahrhunderten haben die Zisterzienser diesen Ort mit Stille aufgeladen, und die Stille hat überlebt, weil die Stille stärker ist als jeder Lärm, der nichts ist als ein Ausdruck unserer inneren Unruhe. Sobald wir zur Ruhe kommen, entfaltet sie sich: Die Stille, die der Urgrund des Seins ist, immer da, geduldig darauf wartend, dass wir sie endlich wahrnehmen. Die Stille, die uns trägt, weil wir die Stille sind.

Ein einziger winziger Vogel singt für mich und den claustro do sîlêncio an diesem Nachmittag. Die Mönche sind nicht gestorben, weil die Stille nicht sterben kann. Ich sehe ihre weißen Kutten durch die Schatten des Kreuzgangs wehen; die Mönche gehen sanft und lautlos, fast auf Zehenspitzen, damit wir, die Lebenden, nicht erschrecken vor so viel Stille und Zeitlosigkeit.

So werden auch wir einst behutsam und leise auftreten, damit jene, die wir jetzt lieben und auch dann noch lieben werden, nicht erschrecken. Denn auch wir werden nie gestorben sein, weil wir die Stille sind, die nicht stirbt.

Ich kann es sehen, hier, an diesem heißen Spätsommertag tief im Herzen des alten Portugal.

(Die Fotos zeigen die Klöster Alcobaca, Batalha und Mosteiro dos Jerónimos in Lissabon)

Dienstag, 7. Oktober 2014

The walls that separate us from others. Die Mauern, die uns von anderen trennen.


"Opening to discomfort is the basis of transmuting our so-called 'negative' feelings. There is nothing wrong with negativity per se; the problem is that we never see it, we never honor it, we never look into its heart. Instead, we are always trying to get rid of it by punching someone in the face, by punishing ourselves, or by repressing our feelings. If we just try to get rid of negative feelings, we don't realize that those feelings are our wisdom.

You can only go into the unknown when you have made friends with yourself. By beginning to look clearly and honestly at ourselves - at our emotions, at our thoughts, at who we really are - we begin to dissolve the walls that separate us from others. Somehow all of these walls, these ways of feeling separate from everything else and everyone else, are made up of opinions. They are made up of dogma; they are made of prejudice. These walls come from our fear of knowing parts of ourselves.

When we feel resentful or judgmental, it hurts us and it hurts others. But if we look into it we might see that behind the resentment there is fear and behind the fear there is a tremendous softness. There is a very big heart and a huge mind. To experience this we begin to make a journey, the journey of unconditional friendliness toward the self that we already are."

Pema Chodron
American Buddhist nun


"Sich dem Unbehagen zu öffnen ist die Basis für die Verwandlung unserer sogenannten 'negativen' Gefühle. Negativität an sich ist nicht falsch. Das Problem ist, dass wir sie nie sehen, nie wertschätzen, ihr nie ins Herz blicken. Stattdessen versuchen wir sie dauernd loszuwerden, indem wir jemandem ins Gesicht schlagen, uns selbst bestrafen oder unsere Gefühle unterdrücken. Wenn wir nur versuchen, negative Gefühle loszuwerden, erkennen wir nicht, dass solche Gefühle unsere Weisheit sind.

Du kannst nur ins Unbekannte gehen, wenn du dich mit dir selbst befreundet hast. Indem wir uns selbst klar und aufrichtig anschauen - unsere Emotionen, unsere Gedanken und den, der wir wirklich sind -, beginnen wir die Mauern aufzulösen, die uns von anderen trennen. All diese Mauern - dieses Gefühl, von allem und allen getrennt zu sein - sind aus Meinungen aufgebaut, aus Dogmen, aus Vorurteilen. Diese Mauern entstehen aus der Angst, Teile von uns selbst wahrzunehmen.

Wenn wir ärgerlich oder kritisch sind, verletzen wir uns und andere. Aber wenn wir uns darauf einlassen, sehen wir vielleicht, dass sich hinter dem Ärger Angst verbirgt und hinter der Angst eine unendliche Sanftheit. Da ist ein sehr großes Herz und ein großer Geist. Um dies zu erfahren, begeben wir uns auf eine Reise, die Reise der bedingungslosen Freundlichkeit dem Selbst gegenüber, das wir bereits sind."

Pema Chödrön
Amerikanische Buddhistische Nonne der Shambhala-Tradition 

(An dieser Stelle ein Dank an David Niblack für die großzügige Erlaubnis, seine Fotos zu verwenden.)