Samstag, 30. August 2014

Begegnung an einem Spätsommertag


Sie lagen mitten auf dem Weg, zwischen Hier und Dort. Sahen mir gelassen entgegen, nicht allzu interessiert (ein Mensch, nun ja), die Augen halb geschlossen, nur das kleine Schwarze rotierte einmal kurz mit den Ohren, aber das hatte wohl eher mit der Fliege zu tun, die seinen Kopf umsummte.

Ich setzte mich dazu für zehn Minuten, es war ein warmer Spätsommermittag; ein Kohlweißling kam angeflogen, so waren wir zu sechst.

Welch eine angenehme Gesellschaft.

Sonntag, 24. August 2014

Wohin fließt er, der Strom?


"Ein Gespür für das Unvermeidliche, für die Richtung, die das Leben nehmen möchte, bekommen wir, sobald wir innerlich nicht mehr so geteilt oder zerrissen sind. Dann fragen wir nicht mehr: 'Ist dies der richtige Weg? Woran erkenne ich, ob es der richtige oder der falsche ist?' Solche Fragen verstellen uns nur den Blick. Es geht um etwas viel Einfacheres, es gilt zu sehen, wohin das Leben selbst möchte.

All das erschließt sich uns, wenn wir unser persönliches Wollen abgeben, wenn wir uns der Angst im Bauch stellen und das Gefürchtete aufrichtig bejahen. Wir sagen ja zum Leben, ja zum Tod, ja zur Auflösung unseres Egos - unser Kämpfen und Ringen hat ein Ende. Unser Weg durchs Leben ändert sich grundsätzlich. Der Strom selbst bestimmt unseren Kurs - nicht mehr unsere Gedanken und Vorstellungen, nicht mehr die Frage, was wir sollen oder nicht sollen, was richtig oder falsch ist. Der Strom bleibt immer überraschend. Er ist der Lauf des Einen, er leitet uns zu dem, was heilt, er führt Dinge zusammen, die wir nie für möglich gehalten hätten."

Adyashanti

Samstag, 16. August 2014

Erleuchtete Haushaltsführung



"Wenn du bereit bist, dich selber, dein Bewusstsein und dein Handeln anzuschauen, kannst du den Humor zurückgewinnen, den du im Lauf deines Lebens verloren hast. Schau dir zuerst einmal deine gewohnte häusliche Wirklichkeit an: deine Messer, Gabeln und Teller, dein Telefon, deinen Staubsauger - ganz gewöhnliche Dinge. Sie haben nichts Mystisches oder Außergewöhnliches an sich, aber wenn du keine echte Verbindung herstellst zu deinen Alltagssituationen, wenn du diesem alltäglichen Leben nicht auf den Grund gehst, wirst du niemals Humor und Würde finden - und letztlich auch keine Wirklichkeit.

Wie du dein Haar kämmst, wie du dich kleidest, wie du dein Geschirr abwäschst - all das sind Arten, mit der Wirklichkeit in Beziehung zu treten, und deshalb Ausdruck deines geistigen Gesundheitszustands. Eine Gabel ist natürlich nur eine Gabel, ein Esswerkzeug. Dennoch kann deine geistige Gesundheit und deine Würde davon abhängen, wie du die Gabel benutzt.

Wir sind nicht die Sklaven unserer Lebensumstände, wir sind frei. Wenn wir mit der Wirklichkeit würdevoll und mit Humor umgehen, wird das ganze Universum - einschließlich der Jahreszeiten, einschließlich Eis, Schnee und Matsch - uns kraftvoll beistehen. Wir können mit unserem Universum uneingeschränkt und freudig umgehen."

Chögyam Trungpa

Sonntag, 10. August 2014

Meisterin, bist du wach?


Jeden Morgen pflegte Zenmeister Zuigan Shigen sich selbst zuzurufen: "Oh Meister!" Zuigan antwortete: "Ja?" Zuigan fragte: "Bist du wach, Meister?" Zuigan antwortete: "Ja, ich bin wach." Zuigan mahnte: "Meister, lass dich zu keiner Zeit, an keinem Ort von irgend jemandem irreführen!" Zuigan antwortete: "Nein, Meister!"

Mumonkan 12

(Praxisempfehlung: 1-2 x täglich. Und wenn wir dennoch den Meister, die Meisterin immer noch außerhalb von uns suchen, erinnern wir uns vielleicht ab und zu daran, dass der Blick in die Augen einer Meisterin, eines Meisters nur ein Blick in den Spiegel ist, in dem wir unsere noch nicht realisierten Möglichkeiten sehen.)
 

Sonntag, 3. August 2014

Hochsommermorgen


Beim Aufwachen oben an der Wand ein buttergelber Sonnenstreifen. Im Garten mehrstimmige Vogelgesänge, wahrscheinlich von den Übriggebliebenen, die noch keine Partnerin gefunden haben. Ich gehe barfuß in die Küche. Die Bienen sind im Balkonlavendel schon mit der Lavendelhonigherstellung befasst. Aus einem vorbeifahrenden Auto fliegen drei Sekunden Musik herauf, Bruce Springsteen. Eine Nachbarin ruft ihr Kind, irgendwo bellt ein Hund. Schon wieder über dem Dach ein Heißluftballon im Landeanflug, im Korb steht jemand mit Fernglas (sieht der mich jetzt im Nachthemd, den Kaffeebecher in der Hand?).

Wir alle sind durch die Dunkelheit der Nacht gegangen und aufgewacht in Wärme und Licht. Menschen, Hunde, Katzen, Bienen, Vögel. Alle immer noch da. Das alltägliche Wunder hat sich wieder ereignet, obwohl es nicht selbstverständlich ist:

Ein neuer Tag beginnt!