Freitag, 14. November 2014

Der Schock der Schönheit: Kaii Higashiyama




Es war im Sommer 1983. Ich lebte in München, und um die Ecke von meiner Wohnung fand im Museum für Völkerkunde die Ausstellung eines japanischen Malers statt, von dem ich noch nie gehört hatte. Ich ging hin.

Mich traf die Schönheit der Bilder wie ein Schock.

Ich sah Landschaften – Bäume in Frühling und Herbst, Berge im Schnee, Wälder, Seen, Nacht und Nebel. Alles war vertraut und unvertraut zugleich, scheinbar bekannt und doch wie etwas, das zum ersten Mal von einem menschlichen Auge berührt wurde: Die Natur in den Bilder von Kaii Higashiyama ist ganz bei sich. Ein weißes Pferd tritt zwischen weißen Stämmen hervor, Ahornbäume glühen und sind reine Farbe, ein Tal verdämmert im Abendlicht und man erahnt einen See, ein Ufer und den Saum des Waldes.

Kaii Higashiyama (1908-1999) war einer der großen zeitgenössischen Maler Japans. Seine Bilder sind gleichzeitig traditionell japanisch und hochmodern. Sie sind auf wundersame Weise erträumt und deshalb wahr, ganz im Sinn der Zen-Meister, die sagen: Wenn du erwacht bist zur wahren Wirklichkeit, wirst du begreifen, dass das, was du für die Realität hieltest, nur ein Traum war
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