Dienstag, 5. November 2013

Die erste Lehrrede von Zen-Meister Robin

 

Hier bin ich also. Es ist ein bisschen laut. Und kalt. Nur vier warme Hände sind da. Wie hell es ist. Vorher war es außen dunkel und innen hell. Jetzt wird es allmählich innen dunkel.

Noch weiß ich es: Ich  leuchte. Doch, ich bin ganz licht und rund und vollständig. Noch weiß ich, auch wenn es in ziemlicher Geschwindigkeit verblasst: Es gibt nichts, was mir fehlt. Sie beide hier sehen es auch, jetzt, wo ich zu ihnen gekommen bin. Sie erinnern sich: Das wussten sie doch auch einmal, damals, als es für sie plötzlich außen so hell und laut wurde.

Es wird dunkler, es verblasst. Wir werden es vergessen, erst ich, dann sie. Wir werden mein Leuchten und meine Vollständigkeit vergessen, wie sie ihr Leuchten und ihre Vollständigkeit vergessen haben. Denn das Vergessen gehört dazu, ohne Vergessen kein Erinnern.


Ab und an, absichtslos und unerwartet, wird es wieder da sein. Ich werde diese beiden so freundlichen Menschen auf die Probe stellen: Werden sie mein Leuchten entdecken, unter all dem Frechen, Eigenwilligen, das ich mir zulegen muss, weil das zum Großwerden gehört?

Ich bin zu ihnen gekommen, damit sie begreifen: Der leuchtende Kern geht nie verloren. Er ist, was ich bin. Er ist, was alle Menschen sind. Die Wahrheit unter all den Verwirrungen und Lügen. Wenn sie sich daran erinnern, sobald sie mich anschauen, werde ich unter ihrem Blick mich auch erinnern. Das Geheimnis ist: Alles Wesentliche ist schon da, es braucht nur wiederentdeckt zu werden. Und jetzt wird es, für ein paar turbulente Jahre, erst einmal dunkel in mir.

Guten Morgen, Welt.
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