Montag, 15. Juli 2013

Die Dichterin Mary Oliver


"I don't know exactly what a prayer is. / I do know how to pay attention, how to fall down / into the grass, how to kneel in the grass, / how to be idle and blessed, how to stroll through the fields, / which is what I have been doing all day. / Tell me, what else should I have done?"

 Ich möchte Ihnen eine große Dichterin vorstellen: die Pulitzer-Preisträgerin Mary Oliver. Sie lebt auf dem Land in Massachusetts, zurückgezogen von der Welt, Interviewanfragen werden nicht beantwortet. Sie streift durch die Natur mit ihrem Hund, beugt sich über eine Blume, eine Heuschrecke, einen Stein. Aufmerksamkeit ist ihre Form des Gebets. Das Gedicht, aus dem ich oben zitiert habe, trägt den Titel "The Summer Day", und endet mit einer Frage an mich (und Sie): "Tell me, what is it you plan to do / with your one and precious life?"

Ja, was will ich anfangen mit meinem einzigen kostbaren Leben?

Von der amerikanischen Kritik wurde sie nicht immer freundlich behandelt. Zu romantisch, zu wenig politisch. Scheinbar für den sozialen Zusammenhang verloren. Mary Oliver antwortet schlicht: "The world has a need of dreamers as well as shoemakers." Und, nicht vergessen: "It is a serious thing / just to be alive / on this fresh morning / in the broken world." 

Hier auf der Seite ihres Verlags kann man sie auch lesen hören. Ruhig und unprätentiös.
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